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„Getting-Tough-Race“ in Thüringen Zwei Meppener erfolgreich beim härtesten Hindernislauf Europas

Von Harry de Winter | 30.12.2016, 14:33 Uhr

Es war schon eine echte Tortur für die beiden Meppener Sportler Julian Schröer und Tobias Dall am härtesten Hindernislauf Europas teilzunehmen. Doch sie hatten schon länger nach einer neuen Herausforderung gesucht, und die haben sie erfolgreich gemeistert.

Alte Reifen einen Berg hoch schleppen, durch eiskaltes Wasser tauchen, Hindernisse rauf und runter klettern, über Feuer springen und dabei noch insgesamt 24 Kilometer Laufstrecke absolvieren – das klingt nach einer echten Herausforderung für den Körper und den Geist. In den vergangenen Jahren finden die sogenannten „Obstacle-Course-Runs“, also Crossläufe mit besonderen Hindernissen, immer mehr Zuspruch und entwickeln sich zur Trendsportart. Die beiden Meppener Julian Schröer und Tobias Dall nahmen Anfang Dezember am härtesten Hindernislauf Europas, dem „Getting-Tough-Race“ im thüringischen Rudolstadt, teil. Nicht nur bis ins Ziel, sondern sogar unter die TOP 100 schaffte es Dall. Und das bei über 3200 Teilnehmern.

Neue Herausforderung gesucht

Vor nicht ganz einem Jahr haben sich Schröer und Dall im Fitnessstudio kennengelernt. Dall hatte bereits im Vorjahr am „Getting-Tough-Race“ teilgenommen und erzählte Schröer davon. „Ich hatte gleich Bock, das auch mal zu machen“, erinnert sich Schröer im Gespräch mit unserer Redaktion. „Zumal mich die klassischen Läufe langweilten und ich nach einer neuen Herausforderung suchte. Da kam das gerade Recht.“ Schnell merkten die zwei Sportler, dass sie auf einer Wellenlänge waren und begannen gemeinsam zu trainieren. Der Altersunterschied von gut neun Jahren, Schröer ist 21 und Dall 30 Jahr alt, war nie ein Thema.

Mindestens zwei Stunden Training, täglich

„Doch mit mal eben Laufen gehen, hat das wenig zu tun, was wir hier machen“, sagt Dall. „Wir trainieren mindestens zwei Stunden, jeden Tag. Abseits des Fitnessstudios sind wir gerne im Esterfelder Forst unterwegs. Hier gibt es schöne Crossstrecken zum Üben. Außerdem bieten sich viele Hindernisse an.“ So kommt es gerne vor, das einer der Beiden einen langen Ast sieht, an dem dann mindestens 50 Klimmzüge absolviert werden müssen. Auch sonst werden im Alltag alle möglichen Hindernisse, wie Treppenstufen oder Gerüste genutzt, um zu trainieren. „Wir pushen uns da immer gegenseitig“, erklärt Schröer. „Wir stehen eigentlich in einem ständigen Wettbewerb miteinander. Und das ist auch gut so, denn für ‚Obstacle-Course-Runs‘ muss man absolut fit sein, sonst kommst du nicht ins Ziel. Die normalen Läufe, die überall angeboten werden, nehmen wir gerne als Trainingseinheit mit. Nebenbei machen wir auch Triathlon.“ Insgesamt dreht sich in der Freizeit der zwei Meppener alles um Sport. Feiern gehen sie nur sehr selten und bleiben auch dann alkoholfrei, denn das würde Kondition kosten.

Richtig essen

Nach der monatelangen Vorbereitung rückte der Termin für das„Getting-Tough-Race“ am 3. Dezember immer näher und die Aufregung bei Dall und Schröer stieg und stieg. Am Freitag, einen Tag vor dem Hindernisslauf, ging es mit dem Auto und Familienangehörigen nach Rudolstadt. Gut schlafen konnten beide nicht. „Es war vor allem wichtig, zum richtigen Zeitpunkt zu essen, um den Magen nicht zu überlasten“, weiß der 21-Jährige. „Man braucht die Energie der Mahlzeit, aber es darf während des Laufes nicht mehr verdaut werden. Denn sonst wird einem schlecht und man muss sich übergeben.“

Eine Stunde vor Beginn kamen sie am Veranstaltungsgelände an und machten sich langsam warm. „Das war schon die erste Herausforderung“, schmunzelt Dall. „Das Thermometer zeigte Minus sechs Grad an und gefühlt war es noch kälter. Da kamen uns unsere Neopren-Hemden und Handschuhe sehr zu Gute. Und dann schlug die Stunde der Wahrheit. Gemeinsam mit rund 3200 Teilnehmern drängten sie sich am Start. Nach einer Kapfesrede der Veranstalter fiel der Startschuss. Voller Adrenalin stürmten Beide los, um sich frühzeitig absetzen zu können.

Tunnelblick, Schmerzen, Trance

Das erste Hindernis ließ nicht lange auf sich warten: 50 Meter Kriechen unter Stromdraht entlang. Jeder Fehler bedeutete einen schmerzhaften Schlag. Es folgten zwei Wassergräben, jeweils 1,50 Meter tief mit eiskaltem Wasser. Danach ging es drei Kilometer einen Berg rauf. Daraufhin mussten drei zwei Meter hohe glatte Kletterwände überwunden werden, um anschließend alte Autoreifen gut 500 Meter bergauf zu schleppen. „Irgendwann kommst du in einen tranceartigen Zustand“, weiß Schröer. „Der Körper schmerzt, aber das realisiert man nicht mehr wirklich. Der Tunnelblick ist fixiert auf die Strecke und das nächste Hindernis.“ Es folgten hunderte Treppenstufen rauf und runter, erneutes Kriechen, Kletterwände und Wassergräben. Ehe es ins Freibad ging.

Eiskaltes Wasser

„Das war echt heftig“, sagt Dall. „Das Wasser war unangenehme ein Grad warm. Wir mussten unter Baumstämmen durchtauchen. Meine Kopfhaut hat unglaublich geschmerzt.“ Anschließend wurde über 50 Meter gehangelt – über das Freischwimmerbecken. Danach ging es langsam aber hinderlich in Richtung Zieleinlauf. Vorher durften aber noch Sandsäcke geschleppt, alte NVA-Panzer überwunden und unter Baumstämmen durchgekrochen werden. Viel mitbekommen von ihren Torturen haben die Sportler zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Es galt nur noch, ins Ziel zu kommen, wie auch immer. „Vor der Ziellinie musste noch ein letztes Kletterhindernis überwunden werden. Keine Ahnung, wie ich da drüber gekommen bin“, sagt Dall. „Mir tat alles Weh. Ich hatte Krämpfe überall im Körper.“

Unverletzt ins Ziel

Und dann folgte der Ritterschlag für den 30-Jährigen: Die schwarze Medaille. Nur die ersten Hundert bekommen sie. Dall landet auf dem 51. Platz. „Klar habe ich mich gefreut, aber realisiert habe ich es erst später. Ich stand völlig neben mir.“ Auch Schröer kämpfte sich unter die ersten 500 Teilnehmer. „Ich weiß noch, dass ich überall Krankenwagen gesehen habe, die mit Blaulicht wegfuhren“, erinnert sich Schröer. „Aber wir beide hatten es unbeschadet überstanden. Zitternd haben wir uns beglückwünscht.“ Von den 3200 Teilnehmern kamen am Ende 2200 ins Ziel, darunter auch knapp 300 Frauen.

Vier Tage zum Klarkommen

Danach kannten beide nur ein Ziel: das Sofa und das Bett. Gut vier Tage brauchten sie, um wieder halbwegs klar zu kommen. „Der Körper war völlig am Ende“, sagt Schröer. „Überall waren blaue Flecke und Muskelkater quälte einen.“ Doch nach knapp einer Woche ging es wieder ins Fitnessstudio und den Esterfelder Forst zum Trainieren. Schließlich findet im kommenden Jahr wieder das „Getting-Tough-Race“ statt und da wollen die beiden Meppener natürlich wieder antreten.