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Gebete, Kurse und Treffs Ein Haus für Zusammenkunft der Kulturen in Meppen

Von Carola Alge | 26.02.2017, 13:12 Uhr

Kinder laufen lachend über den Flur. Die älteren unter ihnen treffen sich im Aufenthaltsraum zum Tischfußball. Ein paar Meter weiter duftet es nach Essen. Frauen haben sich hier zu einer Feier versammelt. Im Gebäude des Vereins Zusammenkunft der Kulturen (ZKM) an der Riedemannstraße 12 in Meppen herrscht reges Leben.

Es stehen zwar noch Bauschuttcontainer auf dem Hof, aber der Großteil der Sanierungsarbeiten der zuletzt als Diskothek genutzten Halle ist erledigt. Fenster und Türen sind eingebaut, Seminarräume und die Küche werden bereits intensiv genutzt. Seit 2015 läuft die Sanierung des Komplexes, der 750 Quadratmeter Nutzungsfläche bietet und davor für die Disco „Tornado“ und als Lager genutzt wurde. Viele der etwa 60 erwachsenen Mitglieder des Vereins helfen bei dem Umbau. „Etwa 90 Prozent ist Eigenleistung“, sagen Schriftführer Alexander Wieting und Vorsitzender Dr. Mohamed Al Aswad. Im Blick des niedergelassenen Arztes palästinensisch-syrischer Abstammung ist ein wenig Stolz.

Tägliches Miteinander

Das Miteinander der Menschen, die sich in dem Zentrum treffen, ist ihm wichtig. Nicht nur bei dem Umbau des Hallenkomplexes, der jetzt in die finale Phase geht und vor allem noch kosmetische Arbeiten erfordert, sondern im täglichen Miteinander. Immerhin träfen sich hier Menschen aller Religionen und Nationalitäten. „Auch bei Muslimen gibt es kulturelle Unterschiede. Der aus Marokko hat einen anderen Hintergrund als zum Beispiel der aus Afghanistan“, erklärt Al Aswad , der seit sieben Jahren in Meppen wohnt.

Aufklärungsarbeit

Auch darüber wolle sein Verein informieren. Aufklärung ist ein Begriff, den er immer wieder in den Mund nimmt. „Wir wollen Aufklärungsarbeit in allen Bereichen des Islam machen und einen Beitrag zur Verständigung über den Islam zwischen den verschiedenen Kulturen leisten.“ Das brauche, wie der Familienvater es mit entsprechender Gestik beschreibt, „viele Hände und Füße“. Will heißen: Multiplikatoren auf allen Seiten. Schließlich, und das ist ihm wichtig, „sind wir alle Menschen, auch wenn unsere Religionen andere sind“.

Veranstaltungen zum Kennenlernen

Platz für geplante Veranstaltungen, die gerade auch dem Kennenlernen dienen, bietet das fast fertige Zentrum reichlich. Es stehen neun Räume zur Verfügung, zu denen unter anderem fünf Seminarräume, große Küche und Aufenthaltsraum gehören. Montags bis freitags werden die hellen und mit moderner Technik ausgestatteten Kursräume vormittags von der Volkshochschule Meppen genutzt. Sie bietet hier seit Januar vier Intensivsprachkurse für höher qualifizierte Flüchtlinge an, in denen sie auf die Aufnahme eines Studiums in Deutschland vorbereitet werden. Neben einer sprachlichen Ausbildung bis zum sogenannten Niveau C 1 werden die Teilnehmer auch durch pädagogische Fachkräfte gecoacht. In der pädagogischen Betreuung lernen sie verschiedene Themen rund um das Studium in Deutschland kennen, erstellen ihre Berufswegeplanung und erfahren unter anderem, wie man sich an einer Hochschule anmeldet und welche Anforderungen dabei zu erfüllen sind.

Insgesamt 60 Teilnehmer durchlaufen derzeit die Kurse, die jeden Vormittag zwischen 8 und 13 Uhr stattfinden. Sie stammen meist aus Syrien, Afghanistan, Irak und dem Sudan und sind zwischen 18 und 28 Jahre alt.

Kurse in deutscher und arabischer Sprache

Am Wochenende werden diese Räume für kulturelle (Schulungs-)Aktivitäten genutzt. Die Kurse bzw. Inhalte werden in deutscher und arabischer Sprache angeboten. „Das ist wichtig wegen der verschiedenen Kulturen, die sich bei uns treffen“, erklärt Al Aswad.

Ein sehr wichtiger Bereich des Zentrums sind die Gebetsräume. Für Männer und Frauen gibt es je einen plus Neben- bzw. Umkleideraum. „Moschee“ steht in arabischer Schrift an den Türen. Ein kleiner Teppich davor und diverse drum herum stehende Schuhe zeigen unschwer, wohin es hier geht. Fünfmal am Tag kommt man hier zusammen. Zum Morgen-, Mittags-, Nachmittags-, Abend- und Nachtgebet. Bei dem Gebet nimmt man im Beisein des Imam verschiedene Körperhaltungen ein, die mit bestimmten Gebetstexten verbunden sind. Es handelt sich um rituelle Bewegungen, die mit Versen des Koran verbunden werden. Einer davon hängt an der Wand des schlichten, mit grauem Teppich ausgelegten, großen Gebetsraums: „O ihr Menschen. Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt.“

Gebetsweise erinnert an Yoga

Die Gebetsweise erinnert ein bisschen an Yoga, hat etwas Meditatives. Das erklärt unter anderem auch, warum Männer und Frauen getrennt beten. „Die Anwesenheit des anderen Geschlechts würde die Meditation, die Form des In-sich-Gehens stören“, erklären Al Aswad und Wieting unisono und lächeln.

Der Verein plant an seinem Standort an der Riedemannstraße Tage der offenen Tür voraussichtlich Ende April für Nachbarn und noch vor Oktober 2017 für alle anderen interessierten Meppener.