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Expertenteam berät Emsländer Telefonaktion am 18. Februar gegen Depressionen

Von Heiner Harnack, Heiner Harnack | 13.02.2017, 20:41 Uhr

Eine „Sprechstunde“ zum Thema Depressionen wird am Samstag, dem 18. Februar beim Landkreises Emsland in Meppen zwischen 10 und 14 Uhr stattfinden. Auf acht Telefonleitungen können sich Menschen, auch anonym, an ein Expertenteam aus Ärzten und Sozialarbeitern wenden.

„Betroffene, Angehörige und Interessierte können sich informieren und mit Experten reden, die fachkundige Auskunft geben können“, sagt Sigrid Kraujuttis, Sozialdezernentin beim Landkreis. Mit dabei sind auch die Leiterin des Fachbereichs Gesundheit des Landkreises, Johanna Sievering, und Gregory Hecht , Chefarzt der psychiatrischen Abteilung des St. Vinzenz-Krankenhauses in Haselünne.

„Wir werden versuchen, Antworten auf die Fragen zu geben, welche Symptome und Warnzeichen es für Depressionen gibt“, erklärt die Dezernentin. Es müsse sich niemand schämen oder Angst haben, über diese Krankheit zu sprechen. „Wir wollen das Ganze aus der dunklen Ecke herausholen“, sagte Kraujuttis. Man wolle mit dieser Aktion die Suizidrate, die auch im Emsland hoch sei, senken. Johanna

Sievering erklärt, dass man mit dem im November des vergangenen Jahres gestarteten Bündnis gegen Depressionen Ängste und Vorurteile abbauen wolle. „Wir schaffen ein Klima des Wissens, der Offenheit und der Zuversicht, so dass Betroffene es schaffen, sich zu öffnen“, so Sievering weiter. Man müsse die Erkrankung auch als solche erkennen, damit auch Hilfen geleistet werden könnten.

Versorgung verbessern

„Wir wollen es schaffen, die Versorgung von depressiv erkrankten Menschen, die sicherlich nicht schlecht ist, weiter zu verbessern“. Leider bekomme von vier depressiv Erkrankten nur einer eine optimale Versorgung, sah sie Nachholbedarf im System. Gregory Hecht erzählt, dass sich jedes Jahr in Deutschland rund 10.000 Menschen suizidierten, etwa 7000 aufgrund von Depressionen. „Das ist ein großer Airbus jeden Monat. Ich finde es persönlich nicht wenig, wenn im Emsland zwischen 30 bis 35 Menschen pro Jahr einen Suizid begehen“.

„Wenn wir es schaffen, über die kommenden drei Jahre mehr Informationen an die Bevölkerung zu geben und vielleicht auf eine Zahl von ‚nur‘ 25 Selbstmorden zu kommen, wäre immens viel erreicht“, so der Fachmann weiter. „Halten wir nur einen Menschen vom Selbstmord ab, wäre es ein Erfolg“, wirft Johanna Sievering ein, die auch sagt, dass die Erkrankung nicht mit einer zwischenzeitlichen Verstimmung abgetan werden dürfe.

Nach der Auftaktveranstaltung seien deutlich mehr Telefonate beim Landkreis eingegangen, sagt Sievering „Das waren Bürger und Betroffene, die mitgeteilt haben, wie wichtig das Thema in der Gesellschaft sei.“ Dazu hätten sich auch Hausärzte und Psychotherapeuten gemeldet, die sich allesamt eine bessere Vernetzung gewünscht hätten, führt sie weiter aus. „Wir waren aufgrund der Resonanz ganz überwältigt“.

„Ist ein Patient schwer depressiv und selbstmordgefährdet und geht zum Hausarzt, der dann uns in der Klinik oder beim Landkreis anruft, dann wird den Patienten wirklich schnell geholfen“, sagt Hecht. Am Sprechtag werden Dr. Gregory Hecht, Stefan Oschika, Johanna Sievering, Jürgen Heinke und Mitarbeiter des sozialpsychiatrischen Dienstes des Landkreises Rede und Antwort stehen. Folgende Telefonnummern werden am 18. Februar geschaltet sein: 05931/441172, -442172, -441174, - 442174, -441196, -441197, -441198 und 441199.