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Erneute Zugausfälle Bahnverkehr im Emsland bleibt eine Baustelle

08.01.2014, 18:00 Uhr

Die Probleme beim Bahnverkehr im Emsland reißen nicht ab. Noch am Montag hatte die Deutsche Bahn angekündigt, dass sie den Lokführermangel im Griff habe und massenweise Zugausfälle auf der Strecke zwischen Emden und Münster nicht mehr vorkommen sollen. Doch schon am Dienstag sind erneut vier Verbindungen ausgefallen.

Der betroffene Zug stand bereits am Bahnsteig. „Dann haben die Zugbegleiter aber festgestellt, dass kein Lokführer gekommen war“, sagt Egbert Meyer-Lovis, Sprecher der Deutschen Bahn für Niedersachsen. Der Grund: Der diensthabende Lokfahrer hatte sich erst kurz vor seiner Schicht krankgemeldet.

Ein Fahrgast aus dem Emsland schildert ähnliche Erlebnisse vom Sonntag (5. Januar). Er fuhr von Köln nach Lingen. In Münster musste er erfahren, dass der Regionalexpress, der um 20.05 Uhr in Richtung Lingen abfahren sollte, wegen einer „technischen Störung“ ausfällt. Von einem Bahnbediensteten will der Emsländer erfahren haben, dass auch hier „fehlendes Personal“ die wahre Ursache war. Er fuhr schließlich um 20.24 Uhr mit einem anderen Regionalexpress nach Rheine. Nach einer 45-minütigen unfreiwilligen Pause ging es um 21.35 Uhr weiter nach Lingen. Dort kam er mit einer vollen Stunde Verspätung an. „Vom Bahnfahren habe ich erst einmal die Nase voll“, verriet er unserer Zeitung.

Lokführer auf Jobsuche

Der Grund für die Ausfälle liegt nach Meinung der Gewerkschaft der Lokführer darin, dass sich die Lokführer der Deutschen Bahn schon jetzt nach einer neuen Beschäftigung umsehen . Ab Dezember 2015 übernimmt die Westfalenbahn unter anderem die Emslandlinie. Das Unternehmen hatte im Jahr 2012 eine europaweite Ausschreibung für sich entschieden.

Auch Martin Sturm vom Fahrgastverband Pro Bahn in Osnabrück berichtet von vergeblich wartenden Fahrgästen an den Bahnhöfen. „Im Emsland fielen wieder etliche Züge aus – auch mitten im Berufsverkehr.“ Sturm vermutet ebenfalls, dass sich viele Lokführer derzeit nach einer anderen Arbeitsstelle umsehen. „Wer als Lokführer in der Region seinen Lebensmittelpunkt behalten möchte, wechselt so früh es geht zu einem Arbeitgeber, der ihn nicht nach dort versetzt, wo er weit entfernt von Familie und Freundeskreis ist.“ Es sei Angelegenheit der Deutschen Bahn, auch die Interessen ihrer Lokführer als Menschen im Auge zu behalten, wenn sie diese bis zum Ablauf des Vertrages bei der Stange halten wolle.

Zur Westfalenbahn will jedoch offenbar keiner der derzeit bei der Deutschen Bahn beschäftigten Lokführer wechseln. „Wir haben bisher keine Bewerbungen von DB-Lokführern erhalten“, sagt Rainer Blüm, Geschäftsführer der Westfalenbahn, auf Nachfrage unserer Zeitung. Dabei habe das Unternehmen frühzeitig Kontakt mit der DB Regio aufgenommen und mitgeteilt, dass es für Gespräche bereitstehe. Denn für die Emsland- und die Mittelland-Linie zwischen Bielefeld und Braunschweig werde die Westfalenbahn insgesamt 175 neue Mitarbeiter brauchen. „Wenn es wechselwillige Lokführer der Bahn gibt, sind wir weiterhin gesprächsbereit“, sagt Blüm.

Für die Bahnreisenden auf der Emslandlinie soll sich auch nach dem Wechsel im Dezember 2015 nicht viel ändern. „Den Fahrplan schreibt die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen vor.“ Auch die Tarife sollen gleich bleiben. „Wir werden uns aber um neue Kooperationen und neue Vertriebswege im Emsland bemühen“, sagt Rainer Blüm.