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Bundestagskandidatin im Porträt Daniela De Ridder – im Emsland und der Grafschaft zu Hause

Von Harry de Winter | 01.09.2017, 16:53 Uhr

„Heimat ist ein Gefühl und der Ort, an dem ich mich wohlfühle“, sagt Daniela De Ridder. Für die 54-jährige SPD-Bundestagsabgeordnete ist das, wie sie sagt, ihr Wahlkreis Mittelems, zu dem Teile des mittleren und das südliche Emsland sowie die Grafschaft Bentheim gehören.

Ursprünglich kommt De Ridder nicht von hier. Sie ist in Kiel geboren; in Belgien aufgewachsen, ist verheiratet und lebt heute in Schüttorf. Sie besitzt die deutsche und die belgische Staatsbürgerschaft. Warum sich die Mutter von zwei erwachsenen Kindern in ihrem Wahlkreis so wohl fühlt? „Es ist die gute Mischung aus Landwirtschaft sowie kleinen und mittleren Industriebetrieben, die einen soliden Mittelstand in der Region gewährleisten.“

Landwirtschaft, Wirtschaft und Ökologie

Doch sie kennt auch die Probleme der Wirtschaft hier vor Ort, wie den Fachkräftemangel, der nicht zuletzt der Abwanderung von jungen, qualifizierten Menschen geschuldet sei. Alleine durch höhere Löhne sei das Problem aber nicht gelöst, sagt die promovierte Diplom-Sozialwirtin. „Wir müssen auch bei der Integration am Ball bleiben, die Frauen nicht vergessen und ihnen bessere Konzepte für Familie und Beruf anbieten. Außerdem sehe ich noch großes Potenzial bei den älteren Menschen.“

Außerdem möchte De Ridder Landwirtschaft, Wirtschaft und Ökologie im Emsland unter einen Hut bekommen. Um hier Kompromisse zu finden, die für alle Seiten gut sind, fordert sie einen regionalen Strukturbeauftragten, der sich mit der Problematik vor Ort genau auskennt. „Dieser Beauftragte arbeitet Ressortübergreifend und weiß, was in der ländlichen Region passiert, denn wir haben hier ein ganz anders Bild als in den Städten“, sagt sie.

Mutter politisches Vorbild

Seit 1992 ist De Ridder in der SPD und sitzt seit 2013 im Bundestag. Ihre ersten Berührungspunkte mit der Politik hatte sie aber schon viel eher durch ihre Eltern. Beide waren in der CSP, dem Pendant zur CDU in Belgien, aktiv. So wurde ihre Mutter zu ihrem politischen Vorbild, bis heute. Doch auch für Gesine Schwan (SPD) kann sich die Abgeordnete begeistern. Generell findet sie Frauen in der Politik wichtig. Wenn es mit der politischen Karriere nicht geklappt hätte, würde sie weiter als Unternehmensberaterin arbeiten, sagt sie.

Im Zweifel für das Emsland

Auf die Frage, ob ihr das Emsland oder Berlin besser gefalle, antwortet der 54-Jährige, dass ihr die Hauptstadt zu laut sei. Zwar halte sie sich gerne dort auf, aber es fehle ihr einfach die Zeit, um auch nur ansatzweise das breite kulturelle Angebot nutzen zu können. Umso mehr schätze sie deshalb das Emsland und ist großer Fan der Freilichtbühne in Meppen. Doch auch sonst habe ihr Wahlkreis einiges an Kultur zu bieten. Bei einer politischen Entscheidung würde sie im Zweifel auch für diesen Stimmen und nicht für die Bundesrepublik. „Da ist mir das Hemd doch näher als die Hose“.

Der Wähler entscheidet

Bei der Kanzlerfrage sieht De Ridder Martin Schulz vorne. „Von den aktuellen Umfragen halte ich nicht viel“, sagt sie. „Gerade bei jungen Menschen kommt Martin Schulz gut an. Er hat die besseren Themen. Außerdem hat die CDU in Hannover skandalös gehandelt mit ihrer Kampagne gegen die Landesregierung. Das will keiner.“ Am Ende entscheide aber der Wähler. Auf eine Große Koalition hoffe sie aber nicht. Im Falle, dass die SPD die Regierung (mit-)bildet, will sie sich für den Bildungsbereich stark machen. Unter anderem will sie, dass die Schulpolitik nicht allein von den einzelnen Bundesländern aus gesteuert wird. Der Föderalismus sei hier nicht förderlich.