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Bindungsdauer steigt auf fünf Jahre Weiter finanzielle Anreize für Mediziner im Emsland

Von Gerd Schade | 18.12.2017, 18:54 Uhr

Der Landkreis Emsland setzt seine 2014 als Modellprojekt gestarteten Förderprogramme für Nachwuchsmediziner und Hausärzte bis 2020 fort – allerdings mit einigen Änderungen. Das hat der Kreistag am Montag einstimmig beschlossen. Damit werden auch in Zukunft Anreize für eine Niederlassung von Allgemeinmedizinern im ländlichen Raum geschaffen.

Allerdings entfällt in Zukunft die Förderung bei der Anstellung von Ärzten in Einzel- oder Gemeinschaftspraxen. Wie Sozialdezernentin Sigrid Kraujuttis ausführte, konnte die Bindungsdauer hier aufgrund großer Fluktuation mehrfach nicht eingehalten werden.

Zweite Änderung ist eine Verlängerung der Bindungsdauer für niedergelassene Hausärzte von drei auf fünf Jahre. Ziel sei eine Verbesserung der Sicherstellung der ärztlichen Versorgung, so Kraujuttis. Von einer Förderung ausgenommen bleibt ein Ortswechsel des Arztes innerhalb des Emslandes. Und wer seine hausärztliche Tätigkeit vor Ablauf der Bindungsdauer beendet, muss sie anteilig zurückzahlen.

Für die Förderung der Niederlassung von Hausärzten im Emsland flossen bislang insgesamt 380.000 Euro an 21 Mediziner. Sie wurden für die Dauer von drei Jahren mit bis zu 30.000 Euro unterstützt. Die Änderungen sind Kraujuttis zufolge Ergebnisse einer Befragung unter den geförderten Ärzten.

Wie wichtig der Anreiz zur Niederlassung aus Sicht der Kreisverwaltung auch in Zukunft ist, zeigt ein Blick in die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Demnach sind im nördlichen Emsland 6,5 Hausarztstellen frei, im mittleren Emsland 13,5 und im südlichen eine. Zuletzt konnte Landrat Reinhard Winter (CDU) zufolge unter anderem für das neue Gesundheitszentrum Werlte über die Förderschiene ein Arzt gewonnen werden.

Keine Änderung gibt es bei der Verlängerung des Förderprogrammes für Nachwuchsmediziner. Wer sich verpflichtet, später für mindestens fünf Jahre vertragsärztlich als Allgemeinmediziner im Emsland tätig zu sein, kann sich bei einer Regelstudienzeit von 75 Monaten also auch weiterhin für ein Stipendium in Höhe von 500 Euro pro Monat bewerben. Weitere Bestandteile der Förderprogramme sind finanzielle Anreize für Praktika beziehungsweise für das Praktische Jahr in emsländischen Allgemeinmedizinpraxen sowie für Weiterbildungen. In dem bisherigen Förderzeitraum (bis Ende Oktober) wurden rund 400.000 Euro investiert, davon entfielen 77.000 Euro auf sechs Stipendiaten. 109 Studierende absolvierten Praktika (Famulaturen), 28 ihr Praktisches Jahr im Emsland. Eine Befragung ergab, dass viele lediglich wegen der finanziellen Förderung ins Emsland gekommen seien.

Michaele Jehn (CDU) sprach von einem „unverzichtbaren Programm“. Sie forderte, dass sich an der Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung aber auch Gemeinden finanziell beteiligen müssten. Edeltraut Graeßner (SPD) hält das Projekt für „ein supergutes Programm, um Ärzte ins Emsland zu bekommen“. Sie forderte aber auch, „endlich vernünftige Löhne“ für Pflegepersonal zu zahlen. Hier sei das Land in der Pflicht.