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Bewährungsstrafen für Täter Opfer in Meppen mit Baseballschläger am Kopf verletzt

Von Alfred Korfhage | 28.12.2015, 07:30 Uhr

Zwei Männer und eine Frau mussten sich wegen brutaler Schläge vor dem Strafrichter verantworten. Das Amtsgericht Meppen sprach die Frau frei, die Männer erhielten Freiheitsstrafen, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Die Angeklagten gehören nach Angaben der Staatsanwaltschaft der sogenannten Kaufland-Szene an, einer Gruppe, die sich im Bereich des Meppener Walls trifft und ihre Zeit nicht selten mit dem Konsum von Alkoholika verbringt.

Im April 2015 forderte ein Mann aus der Gruppe von einer Frau einen geliehenen Geldbetrag von 20 Euro zurück. Die letztlich lautstark ausgedrückte Forderung bekamen die Angeklagten mit. Sie ergriffen den Geschädigten, zwangen ihn zu Boden und schlugen und traten auf ihn ein. Die von einer Schülerin gerufene Polizei stellte den Abdruck eines Turnschuhs auf der Stirn des Opfers fest.

Ein Angeklagter bestritt die Tat, es sei nur ein Gerangel gewesen. Umgekehrt habe der Mann an den Haaren der Frau gezerrt. Der zweite Täter verharmloste den Vorgang ebenso. Er hätte bereits den ganzen Tag getrunken und auch nur zugeschaut. Die eingesetzten Polizeibeamten beleidigte er, sie seien „blöde Vollidioten“.

Die 15-jährige Schülerin machte jedoch eine klare und sehr eindeutige Aussage. Sie blieb dabei, , dass beide Angeklagte mit den Füßen „Trittbewegungen tätigten“. Ob sie das Opfer wirklich trafen, konnte sie nicht sagen.

Doch damit noch nicht genug: Nach dem Polizeieinsatz am Wall, statteten die Angeklagten dem Opfer in dessen Wohnung „einen Besuch ab“. Zu ihrer Verstärkung nahmen sie einen Bekannten mit, der allein schon von seiner Figur her einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Gegen ihn läuft ein gesondertes Verfahren.

Die drei Männer drangen in das Wohnheim an der Versener Straße ein, wo sie auf den Mann trafen. In einer kurzen aber brutalen Auseinandersetzung verletzten sie diesen schwer. Mit mindestens einem Baseballschläger schlugen sie auf ihn ein. Die Folge war der Bruch des Handgelenks und eine fünf Zentimeter lange Platzwunde am Hinterkopf.

Das Strafregister wies für beide Angeklagte umfangreiche Eintragungen aus. Die Verlesung nahm für beide eine geraume Zeit in Anspruch. Verzeichnet waren Diebstähle, Drogendelikte, Beleidigungen, bandenmäßige Diebstähle und Verurteilungen wegen Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Auch die angeklagte Frau stand dem nicht viel nach. Drogen, Betrug und Diebstähle waren verzeichnet.

Der Staatsanwalt beantragte für den 22-jährigen Haupttäter eine Gesamtstrafe von 24 Monaten ohne Bewährung, er stellte die Brutalität und die Vorstrafen besonders heraus. Für seinen 45-jährigen Mittäter forderte die Anklage insgesamt 19 Monate zur Bewährung. Die Angeklagte habe sich der gemeinschaftlich begangenen Körperverletzung schuldig gemacht. Für sie forderte der Staatsanwalt eine zehnmonatige Freiheitsstrafe.

Die Verteidiger hielten die Strafanträge für zu hoch. Bewährungsstrafen seien angemessen.

Das Urteil lautete schließlich auf 16 Monate für den 45-Jährigen, für den 22-Jährigen ebenfalls eine Bewährungsstrafe von 22 Monaten, die Frau wurde freigesprochen. Die Taten der Männer seien gemeinschaftlich begangen worden, sie könnten nur in Absprache ausgeführt worden sein. Auch die Mitnahme eines Baseballschlägers spreche für eine geplante Tat. Ausgesetzt wurden die Urteile auf vier Jahre, jährlich müssten sie Atteste beibringen, dass sie an ambulanten Alkoholtherapien teilnehmen. Ohne den Alkoholkonsum seien die Taten nicht begangen worden, so das Gericht. Es stellte die besondere Brutalität heraus.