Ein Artikel der Redaktion

Besuch bei Lulu Wübben-Kühn Meppener Bildhauerin und ihr verwunschener Garten

12.04.2015, 14:05 Uhr

Das Haus, das Lulu Wübben-Kühn zusammen mit ihrem Ehemann nahe der Stadt und nahe der Ems in Meppen bewohnt, ist ein Siedlungshaus aus den 1950er-Jahren. Der Bildhauerin hatte es der etwa 750 Quadratmeter große Garten angetan, als sie zusammen mit ihrem Ehemann das Haus vor etwa elf Jahren erwarb.

„Er ist so alt wie das Haus, und wir haben gar nicht so viel daran geändert“, berichtet sie. Vom Wohnzimmer geht es hinaus auf die Terrasse, wo eine urige Holzinstallation, bestehend aus zwei Stühlen und einem Tisch, zum Sitzen einlädt. Die Sitzmöbel haben die Form einer Hand, wobei die fünf Finger die Lehne bilden. Der Tisch wird getragen von zwei Händen. „Unsere Raucherecke“, erklärt Wübben-Kühn. Sie legt Wert darauf, dass dieses Kunstwerk nicht ihre Arbeit ist. „Ich habe es bei Bekannten entdeckt, es sollte auf den Sperrmüll“, erinnert sich die Bildhauerin. Kurzerhand hätte sie die Holzarbeiten abtransportiert ins Emsland. Ihre Raucherecke bezeichnet sie als „skurril“.

Ein wenig skurril

Ein wenig skurril ist auch der gesamte Garten der Künstlerin. „Es darf ruhig ein bisschen verwunschen sein“, sagt Wübben-Kühn über die geeignete Umgebung für ihre bildhauerischen Arbeiten. Unter alten Bäumen hat sie sich eine Gartenwerkstatt eingerichtet, wo sie Sand- und Speckstein bearbeitet. Das Laub knorriger Bäume spendet im Sommer Schatten. Gleichzeitig ist es diesen alten Bäumen zu verdanken, die für ein Spiel aus Licht und Schatten sorgen und damit die Kunstwerke aus Stein in ein immer neues Licht tauchen und für optische Effekte sorgen.

Mehr als 20 ihrer eigenen Arbeiten sorgen im Garten für besondere Akzente. Da sind Masken, da sind aus Stein geformte Tiere, da sind Köpfe von Zwergen und Trollen, und in anderen Ecken finden sich figürliche Darstellungen.

Wübben-Kühn zeigt auf eine Skulptur, die eine offenbar schwangere Frau darstellt. „Meine Schwester, als sie in anderen Umständen war“, erklärt sie. In einer anderen Ecke hockt ein zusammengesunkener Mann aus Stein an einer Laterne. „Das ist der Betrunkene“, zeigt die Bildhauerin und erklärt, „fast wäre diese Arbeit in sich zusammengebrochen.“

Tücken des Sandsteins

Sie berichtet über die Tücken und die Unberechenbarkeit des Sandsteins. „Man weiß nie, was in ihm steckt“, sagt sie und berichtet, wie man als Bildhauer bei der Arbeit auf eine im Stein eingeschlossene Luftblase geraten kann. „Aus der rieselt dann nur noch der Sand heraus, und alles ist weg.“ Eine nicht minder schwierige handwerkliche Anforderung würden im Stein enthaltene schwarze Quarzadern darstellen. „Gegen die kann man gar nicht anschlagen“, hat Wübben-Kühn festgestellt.

Als geeignete pflanzliche Partner für Skulpturen aus Sandstein empfindet sie neben alten Bäumen, Efeu und Rhododendron „auch Rosen und Lavendel“. Manche Steine gehörten direkt ins Beet, andere, besonders Masken und Gesichter, wirken am besten, wenn sie an einem Baum angelehnt sind, wieder andere benötigen einen Sockel, um zur Geltung zu kommen. Manche ihrer Arbeiten schrubbt Wübben-Kühn regelmäßig im Frühjahr ab, damit der Stein wieder frisch zur Geltung kommt. „Andere hingegen benötigen eine Patina, um richtig zu wirken“, zeigt sie.

Zum Schluss gibt sie einen Tipp für alle, die ein erstes Kunstwerk in ihrem Garten aufstellen wollen: „Es so hinstellen, dass man es immer sieht, dann ist es genau richtig.“