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Bachs Musik in Perfektion Beeindruckendes Konzert von Concert Royal und Saxofourte in Meppen

Von Dietlind Ellerich | 13.12.2015, 18:58 Uhr

Die „Alte Musik“-Spezialisten Concert Royal sind in der Meppener Propsteikirche auf das Saxofonquartett Saxofourte getroffen. Gemeinsam haben beide Ensembles tatsächlich Johann Sebastian Bach gespielt. Was auf den ersten Blick seltsam anmutet, wurde beim Zuhören zu einer sinnvollen und überzeugenden Darbietung.

Gleich die ersten Töne lassen aufhorchen. Die fünf Barockoboen und vier Saxofone verschmelzen mit dem Klang einer Truhenorgel zu einem orchestralen Gesamtbild. „Höchsterwünschtes Freudenfest“, jener Titel der Bach-Kantate, deren französische „Ouverture“ gemeinsam musiziert wird, könnte auch Synonym für die darauffolgenden 100 Minuten sein. Ein musikalisches Freudenfest des Kosmos Bach, gespickt mit kleinen, aber feinen Ausflügen in die Welt des 20. Jahrhunderts.

Hat man solche Qualität dem Barockoboen-Ensemble durchaus zugetraut, so ist die eigentliche Überraschung Saxofourte. Wie Thomas Sälzle, Veronika und Simon Hanrath sowie Daniela Wahler das „Italienische Konzert“ des sächsisch-thüringischen Musikgenies interpretieren, ist schlichtweg sensationell.

Pochender Bass

Da treibt der unaufhörlich pochende Bass in den Ecksätzen derart präzise an, dass der rhythmische Grundgedanke selbst dem eigentlich unbeteiligten Zuhörer in Fleisch und Blut übergeht. Bach’sches Spiel auf ungeahnt hohem Niveau, und dies mit Instrumenten, die zu Lebzeiten des Komponisten noch nicht einmal erfunden waren. Samtweiche Übergänge, absolut saubere Intonation und fast selbstverständlich wirkendes kollektives Zusammenspiel, lassen den über der Besetzung und das Arrangement die Nase rümpfenden Puristen blitzartig verstummen.

Augen schließen und genießen, möchte man meinen. Wenn dies nur möglich wäre, denn immer wieder öffnet man jene, um sich zu überzeugen, dass da wirklich auf Instrumenten gespielt wird, die sonst in anderen Musikgenre zu erleben sind.

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Bei solch musikalischer Brillanz haben es selbst so gestandene Barock-Experten wie sie Concert Royal sind, schwer, mitzuhalten. Doch auch sie beherrschen ihr Handwerk. Marc-Antoine Charpentiers „Suite aus: La Comtesse d’Escarbagnas“ ist ein Beispiel für das souveräne Zusammenspiel der fünf Bläser und ihres Organisten. Gut gewählte Tempi und klangschön gespielte Melodiebögen sind ein Markenzeichen der Kölner.

Selten hört man Barockmusik auf Originalinstrumenten von solch gehobener Klasse. Lediglich die an manchen Stellen etwas zu dominant aufspielende Barockoboe von Karla Schröter trübt den Gesamtklang etwas. Nicht dass die Leiterin des Ensembles ihr Fach nicht beherrschte, ganz im Gegenteil, perfekter kann man ihr Instrument wohl kaum spielen.

Hervorragend begleitet

Jedoch sind es die Arrangements, die den Eindruck erwecken, es mit Oboenkonzerten zu tun zu haben, die zweifelsohne hervorragend begleitet werden. Griet Cornelis, Eva Grießhaber, Andreas Boege und Alain Derijckere sowie Organist Harald Hoeren überlassen in den meisten Fällen der ersten Stimme die Hauptrolle. Doch tun sie dies mit vorzüglichem Gefühl für die musikalische Situation und zu jeder Zeit mit großartigem Spiel.

Astor Piazzollas „Fuga y Misterio“ in einer Bearbeitung von Karla Schröter für beide Ensembles beweist, wie gestandene Musiker fähig sind, an der Kunst des anderen noch höher hinauszuwachsen. Perfektes Spiel aller miteinander in Ton und Rhythmus verschmelzenden Instrumentalisten sind auch hier absolut selbstverständlich. Mit dem Bach-Choral „Nun danket alle Gott“ entlassen die Musiker den Zuhörer in den fortgeschrittenen Abend, der noch lange nachhallen wird.