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Auf dem Weg nach Bethlehem Kantaten von Johann Sebastian Bach in Meppen

30.12.2014, 11:34 Uhr

dloe Meppen. Kantaten aus Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium haben der Kammerchor Emsland und das Orchester Concert Royal in der Propsteikrche St. Vitus in Meppen aufgeführt.

Unter der Leitung von Balthasar Baumgartner hat der in diesem Jahr gegründete Kammerchor Emsland einen glänzenden Einstand gegeben. Kongenial wurde er dabei vom Kölner Alte-Musik-Ensemble Concert Royal begleitet. Bereits im Eingangschor der 1. Kantate „Jauchzet, frohlocket“ war klar in welche Richtung Baumgartner und die Seinen an diesem Abend gehen würden. Mit immer stringent bleibenden 3/8-Bewegungen machten sie sich auf den Weg nach Bethlehem, um mit den Hirten das Kind zu preisen. Eindrucksvoll gelang dabei der 1. Choral „Wie soll ich Dich empfangen“, den Bach auf der gleichen Melodie singen lässt, wie das „Wenn ich einmal soll scheiden“ aus seiner Matthäuspassion. Baumgartner ist diese vom Komponisten beabsichtigte Deutung der Geburt Christi bewusst, die zwangsläufig am Kreuz enden wird. Mit langsamen und bedächtigen, ruhigen Vierteln lässt er den Choral zu einem ersten Höhepunkt werden. Wunderbar auch der Schlusschoral der Kantate „Ach, mein herzliebes Jesulein“, in der die Barocktrompeten des ausgezeichneten Orchesterensembles glanzvoll in Szene gesetzt werden. Wer heute diese Instrumente hört, sehnt sich nicht wirklich zu den Zeiten zurück, als Bachs Musik ausschließlich mit modernen Instrumentarium musiziert wurde.

Die Barocktrompete ist es auch, die zuerst als Soloinstrument eingesetzt wird. In der Bass-Arie „Großer Gott und starker König“, erstrahlt sie in himmlischen Höhen, brillant gespielt von Nicholas Emmerson. Bassist Till Schulze hat hier seine besten Momente. Offensichtlich angestachelt von dem gut aufgelegten Trompeter kann er seiner Stimme Glanz und Strahlkraft verleihen. Leider ist dies in der Folge nicht immer so. Es fehlt mitunter die Leichtigkeit in der Höhe und die Sonorität im tiefen Bereich. So leider auch im Duett der dritten Kantate, in der die Sopranistin Jana Thomas den einzigen größeren Gesangspart ihrer Stimmlage zu bewältigen hat. Diese kann aber mit beweglicher, kräftiger Stimme dem Stück durchaus Würze verleihen. Unverständlich ist, warum Balthasar Baumgartner das zweite Engelrezitativ „ Und das habt zum Zeichen“ nicht, wie heutzutage allgemein üblich, vom Sopran singen lässt, sondern vom Evangelisten. Dieser wurde über alle drei Kantaten vom Tenor Lothar Blum eindrucksvoll gestaltet. In vielen Momenten erinnert er an den großen Meister dieses Fachs, Peter Schreier. Er kann nicht ganz dessen glasklaren Tenor erreichen, ist aber immer nah am Wort und füllt die Partie eindrucksvoll aus. Den Höhepunkt seiner sängerischen und technischen Meisterschaft zeigt Blum bei der von allen Interpreten so gefürchteten Arie „Frohe Hirten, eilt, ach eilet“. Mit geradezu schwindelerregender Leichtigkeit bewältigt er die schwersten Koloraturen. Isabel Baumgartners Alt fehlt es etwas an stimmlichem Volumen. Jedoch kann die junge Sängerin musikalisch absolut überzeugen. Der Altstimme gab Bach die wohl schönsten Arien in seinem Weihnachtsoratorium. Und dies weiß Isabel Baumgartner zu nutzen. „Schließe, mein Herze, dies selige Wunder“ wird unter ihrer geschmeidig geführten Stimme im Zusammenspiel mit der Solovioline zu einem letzten solistischen Höhepunkt.

Der sehr gut vorbereitete und äußerst gut aufgelegte Chor, der zu großen Teilen aus Laien besteht, konnte unter der klaren Stabführung von Dirigent Baumgartner noch einmal zu musikalischen Höhen aufbrechen. Die von Bach vorgesehene Wiederholung des Eingangschors der dritten Kantate bietet reichlich Notenstoff dafür. Wirklich schön gelangen dabei die musikalischen Phrasierungen. Man möchte dem Chor allerdings Zuwachs bei den Tenören wünschen, die das Beste gaben, jedoch in der Unterzahl waren.

Ganz im Sinne des genialen und tiefgläubigen Komponisten Johann Sebastian Bach haben der immer am Werk bleibende Dirigent Balthasar Baumgartner, sein hervorragender Chor, die sehr guten bis ausgezeichneten Solisten und das Spitzenorchester im Bereich Alte Musik den Weg nach Bethlehem gefunden.