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Arbeitskreis will vorbeugen 82 Fälle von sexueller Gewalt im Altkreis Meppen

21.07.2014, 08:34 Uhr

kim Meppen. 82 Fälle von sexueller Gewalt registrierte die Beratungsstelle des Deutschen Kinderschutzbundes für 2013 im mittleren Emsland. Zu allen Fällen wurden Beratungsgespräche wahrgenommen. Sexuelle Gewalt an Minderjährigen sei leider auch im Emsland ein Thema.

Meppen. 82 Fälle von sexueller Gewalt registrierte die Beratungsstelle des Deutschen Kinderschutzbundes für 2013 im mittleren Emsland. Zu allen Fällen wurden Beratungsgespräche wahrgenommen. Sexuelle Gewalt an Minderjährigen sei leider auch im Emsland ein Thema.

Deshalb mache sich der Arbeitskreis gegen sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen für eine größere Öffentlichkeit dieses Themas im Emsland stark.

Zwölf Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern, die zur Anzeige gebracht worden sind, verzeichnet das Polizeikommissariat Meppen für das mittlere Emsland im Jahr 2013. Dabei sei von einer erheblich höheren Dunkelziffer auszugehen. Die starke Abweichung von den polizeilichen Zahlen sei damit zu erklären, dass bei der Anzeige von sexueller Gewalt das Schamgefühl eine noch größere Rolle spiele.

Dass das Angebot der Beratung so gut angenommen werde, zeige zugleich, dass das Thema nicht mehr so stark tabuisiert werde. „Die Sensibilität ist gewachsen – Eltern kommen eher mit ihren Kindern, das hat sich stark verändert“, so Monika Pomberg von der Psychologischen Beratungsstelle.

Statistisch gesehen stammten Täter öfter aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen, weshalb Präventionsarbeit in Familien besonders wichtig sei.

Der Arbeitskreis leistet Präventionsarbeit auf drei Ebenen: Für Fachkräfte werden Fortbildungen, für Eltern Informationsabende und für Kinder Theaterstücke veranstaltet, in denen sexuelle Gewalt thematisiert wird. Dabei haben sich die Stücke mit der Zeit entwickelt, macht Carolin Kleene vom Landkreis aus dem Fachbereich Jugend deutlich. Es gehe inzwischen auch um die Gefahren im Internet, sexuelle Gewalt der Kinder untereinander und die Möglichkeiten, sich zu wehren. Das Theaterstück „Click it“ für sechste Klassen wurde 2013 für 1073 Schüler an 16 weiterführenden Schulen im mittleren Emsland aufgeführt.

Lehrer, Erzieher oder Sozialpädagogen können sich zudem einen Materialkoffer ausleihen, in dem Arbeitsmappen und -blätter, Kinderbücher, Handpuppen, Spiele und Übungen, Musik und Filme sowie weiterführende Fachliteratur enthalten sind. Kerstin Kremer vom Deutschen Kinderschutzbund sagt dazu: „Es gibt spielerische Methoden, das Thema anzugehen, die das Kind stärken, ohne es zu ängstigen.“ In dem Koffer sei auch ein Klassensatz eines Themenbuchs zum Thema Sexualerziehung enthalten, in dem es um die eigenen Gefühle, Bedürfnisse und den Körper ginge, sodass Kindern die Grenzen klarer würden.

Der Arbeitskreis setzt sich zusammen aus verschiedenen Institutionen in Emsland-Mitte wie der Psychologischen Beratungsstelle, der Niedersächsischen Landesschulbehörde, dem Sozialdienst katholischer Frauen, der Backhaus Kinder- und Jugendhilfe, dem Deutschen Kinderschutzbund, dem Fachbereich Jugend des Landkreises, dem Kindergarten Maria zum Frieden, dem Kindergarten und Familienzentrum St. Bernadette, Zentrum für Hör- und Sprachtherapie St. Vitus, dem Polizeikommissariat Meppen, der Anwaltskanzlei Brüwer sowie der Opferhilfe Osnabrück. Anwältin Marina Hülsebus hebt die Heterogenität der Gruppe hervor: „Der Arbeitskreis ist eine gute Plattform, um sich auszutauschen, da ich nur die rechtliche Seite kenne und nicht die pädagogische und psychologische Seite.“

Gebildet hatte sich der Arbeitskreis in den 1990er-Jahren. „Das Thema kam damals zunehmend auf, und es gab Übergriffe in Schulen“, berichtet Pomberg. Im Fokus habe anfangs der Wunsch nach Fortbildungen gestanden, inzwischen sei die Präventionsarbeit an Schulen wichtiger.

Der Arbeitskreis hat nun einen neuen Flyer erstellt, um eine größere Öffentlichkeit zu erreichen. Zudem gibt es für Kinder und Jugendliche jetzt spezifische Info-Karten, auf denen Adressen von Ansprechpartnern abgedruckt sind, von denen sich Schüler Hilfe holen können.