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Appell an hiesige Bürger Meppens Integrationsbeauftragte: „Flüchtlinge nicht skeptisch beäugen“

Von Carola Alge | 07.04.2015, 18:35 Uhr

Die Diskussion um die Aufnahme von Asylbewerbern in unserer Region verschärft sich. Der Ton wird heftiger. Vor allem in sozialen Netzwerken werden Rufe laut, keine Asylbewerber mehr aufzunehmen. Die Meppener Integrationsbeauftragte Elisabeth Mecklenburg hat dafür kein Verständnis.

Man müsse auf die Flüchtlinge zugehen „und sie nicht aus der Ferne skeptisch beäugen“. Sie könne nicht verstehen, „dass es einzelne gibt, die Unterstützung verweigern wollen“, sagte sie im Interview mit unserer Redaktion.

Das Interview im Wortlaut:

Frau Mecklenburg, Sie sind seit Kurzem Integrationsbeauftragte der Stadt Meppen. Wie erleben Sie die aktuelle Ausländerdiskussion bei uns im mittleren Emsland?

Insgesamt kann ich nicht feststellen, dass die Bürgerinnen und Bürger vor Ort sich gegen die Aufnahme von Asylbewerbern sperren. Die Menschen erkennen die Not der Menschen aus Ländern wie zum Beispiel Syrien oder auch Eritrea und vertreten die Auffassung, dass wir diesen Menschen Schutz und Hilfe bieten müssen. Sie engagieren sich persönlich und ehrenamtlich zum Beispiel als Deutschlehrer, kümmern sich um die Asylbewerber, indem sie ihnen bei der Eingewöhnung in unsere Gesellschaft Rat und Hilfe gewähren oder Kleidung, Geld, und andere nützliche Dinge spenden. Diese Menschen können sich gut in die Situation der Flüchtlinge hineinversetzen, wissen, dass diese ihre Heimat nicht einfach so verlassen, sondern weil von Unterdrückung, Folter und Tod bedroht. Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass es Einzelne gibt, die diese Unterstützung verweigern wollen und dies mit den hohen Kosten und Argumenten wie „Überfremdung“ begründen.

„Vorfall wie in Fehndorf sehr bedauerlich“

Nachdem ein junger Marokkaner offensichtlich für dem Brand in dem Asylbewerberheim in Haren-Fehndorf verantwortlich ist, fordern User in sozialen Netzwerken einen Aufnahmestopp von Asylbewerbern bzw. Flüchtlinge abzuschieben.

Solche Forderungen kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Natürlich ist ein Vorfall wie in Fehndorf sehr bedauerlich. Hier hat ein einzelner Flüchtling – aus welchen Motiven und aus welcher Situation heraus auch immer – völlig falsch gehandelt. Damit hat er nicht nur das Leben der anderen im Haus gefährdet, sondern die Stadt Haren, die für die Unterbringung der Flüchtlinge auf ihrem Stadtgebiet zuständig ist, in großen Zugzwang gebracht, weil sofort ein neues Quartier für die Menschen zu stellen war, sondern er hat natürlich auch wieder den Stimmen „Futter gegeben“, die ohnehin und per se gegen die Aufnahme von Asylbewerbern sind. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass den meisten Menschen hier bei uns klar ist, dass nicht eine ganze Gruppe für die Verfehlungen eines Einzelnen verantwortlich ist und bestraft werden darf. Sie wissen, dass die überwiegende Zahl der Asylbewerber rechtschaffene Menschen sind, die einfach nur versuchen, sich selbst, aber vor allem auch ihren Kindern in diesem Land Schutz und Sicherheit zu bieten und sich hier dann gegebenenfalls ein neues Leben aufzubauen– ein Leben, das sie nicht etwa auf Dauer durch die Gewährung von Sozialleistungen finanzieren wollen, sondern das sie durch eigene Kraft und Arbeit bewerkstelligen wollen.

„Gefühl vermitteln, dass sie willkommen sind“

Die Gemeinde Twist hat gerade mitgeteilt, dass sie weitere 23 Asylbewerber erwartet . Auch das hat in sozialen Netzwerken eine heftige Diskussion ausgelöst. „Verkraftet“ unsere Region weitere Asylbewerber?

Ja, davon bin ich überzeugt. Natürlich bedarf es gerade am Anfang einiger Anstrengungen, damit die Aufnahme und Integration dieser Menschen auch gelingen kann. Wichtig ist, dass man sie nicht einfach sich selbst überlässt. Es ist gut, wenn sich gleich zu Beginn Einheimische fänden, die sich dieser Menschen annähmen und auf sie zugehen – ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie willkommen sind. Das bürgerschaftliche Engagement kann da sehr viel Positives bewirken. Dabei möchte ich betonen, dass man damit nicht nur etwas Gutes tut, sondern auch ganz viel zurückbekommt. Gerade auch in den kleineren Gemeinden in unserer Region funktioniert das Miteinander doch noch ganz gut. Das sollte man nutzen, um die „Fremden“ nicht sich selbst zu überlassen. Das Stichwort „Willkommenskultur“ ist hier also von immenser Wichtigkeit.

Was können Sie tun, was kann jeder tun, um die Integration der Flüchtlinge bei uns voranzubringen?

Auf die Flüchtlinge zugehen und sie nicht aus der Ferne skeptisch zu beäugen – das ist das, was wirklich jeder tun kann. Wenn man diese Menschen kennenlernt, wird man feststellen, dass sie Menschen sind wie du und ich. Natürlich haben sie einen anderen kulturellen Hintergrund, vielleicht einen anderen Glauben, doch letztlich sind sie Menschen, die aus fürchterlichen Verhältnissen geflohen sind und hier bei uns Frieden und eine neue Perspektive für sich und ihre Familien suchen. Das sollte doch ausreichen, um ihnen positiv zu begegnen und Verständnis dafür aufzubringen, wenn das eine oder andere nicht so abläuft, wie wir es vielleicht kennen und gewohnt sind. Wer dann noch in der Lage und willens ist, sich ehrenamtlich für diese Gruppe zu engagieren, der trägt sehr massiv dazu bei, dass die Integration der Flüchtlinge, sofern sie auf Dauer in unserem Land bleiben, gelingen kann.