Familienehre gerettet 19-jährige Meppenerin ist beim Getting-Tough-Race gestartet

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Meppen. Die 19-jährige Meppenerin Vivian Schröer hat Anfang Dezember beim nach Veranstalterangaben härtesten Hindernislauf Europas, dem Getting-Tough-Race im thüringischem Rudolstadt teilgenommen – mit Erfolg. Sie ging als 23. Frau durchs Ziel. Warum sie diese Tortur auf sich genommen und so die Familienehre gerettet hat, verriet sie im Gespräch mit unserer Redaktion.

Ins Fitnessstudio zu gehen und Sport zu machen, liegen besonders nach Weihnachten und Silvester voll im Trend. Nach dem vielen Essen und Trinken stößt man hier schnell konditionell an seine Grenzen. Das ganze Jahr über die persönlichen Grenzen ausloten und darüber hinaus gehen, das machen die Extremsportler Julian Schröer und Tobias Dall.

Seit vergangenem Jahr nehmen die beiden Meppener gemeinsam beim härtesten Hindernislauf Europas, dem Getting-Tough-Race im thüringischem Rudolstadt, teil. Die Freizeit der beiden Emsländer besteht größtenteils aus Training. Laufen, Klettern und Kraft- sowie Ausdauer. Das bei so viel Sport auch mal ein Missgeschick passieren kann, musste der 21-jähriger Julian Schröer nun bei einem Waldlauf schmerzlich erfahren. Eine Baumwurzel wurde am 6. November 2017 ihm und zwei seiner Außenbänder am linken Bein zum Verhängnis. Damit war die Teilnahme beim „Getting-Tough-Race“ am 2. Dezember 2017 gestrichen.

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Familienehre gerettet

„Das war für mich der Super-Gau“, sagt Schröer im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Schmerzen waren halb so wild. Viel schlimmer war es für mich, dass ich nicht mehr in Thüringen antreten konnte.“ Für seinen 31-jährigen Kumpel Dall war der verletzt im Wald liegende Sportfreund eine willkommene Herausforderung. Gut dreieinhalb Kilometer joggte er mit dem Verletzten auf der Schulter zurück zum Auto, um ihn anschließend ins Krankenhaus zu fahren. Doch die Familienehre war nicht in Gefahr. Julians Schwester Vivian hatte 2016 beim Getting-Tough-Race zugeschaut und hatte sich geschworen, diesmal ebenfalls teilzunehmen. „Ich war begeistert von diesem Sport-Event und fing eine Woche später mit dem Training an“, erinnert sie sich. Einen Trainer hatte sie mit ihrem Bruder und Tobias schnell gefunden.


Schluss mit Feiern

„Von Anfang an haben die alles von mir verlangt“, sagt die 19-jährige Schülerin. Schon im Februar startete sie beim Emsflowerlauf in Emsbüren und nahm im März beim Strong Viking in Fürstenau teil – mit Erfolg. „Unter der Woche war ich nun immer mit Julian und Tobias bei ihren Trainingseinheiten dabei und merkte, wie ich immer fitter und ausdauernder wurde. Feiern mit meinen Freunden ging ich immer weniger. Vormittags Schule, danach Hausaufgaben, anschließend Sport und dann ins Bett. So in etwa sah mein Tagesrhythmus aus.“

Im Mai 2017 ging es nach Berlin zur Xletics Challange, einem weiteren Hindernisslauf sowie im Juni zum Mud Masters Obstacle Run am Flughafen in Weeze am Niederrhein. Als letzte „Trainingseinheit“ vor dem Getting-Tough-Race ging es zum Beat the Summer-Lauf in Mellrichstadt. „Damit hatte ich mich qualifiziert, um in Thüringen an den Start zu gehen“, erklärt Vivian.

Laufen, hangeln, klettern, kriechen, schleppen

Am 2. Dezember 2017 schlug dann die Stunde der Wahrheit für die junge Meppenerin. „Ich war im Vorfeld sehr nervös“, sagt sie. „Mir ging andauernd durch den Kopf, ob das Getting-Tough-Race nicht eine Nummer zu groß für mich ist. Schließlich ist es der härteste Lauf Europas. Ich habe sogar beinahe den Start verpasst.“ Doch sie kämpfte sich durch, genau wie die anderen rund 200 Frauen unter den 2600 Teilnehmern.

Ihre Körpergröße von 1,61 Meter war gleich beim ersten Hindernis, einem mit Wasser gefüllten Graben mit 1,70 Metern Tiefe, nicht gerade förderlich. „Das Wasser war eiskalt und ich musste schwimmen. Aber die Hilfsbereitschaft unter den anderen Mitstreitern war hoch und sie halfen mir, wieder herauszukommen.“ Es folgte ein 19 Kilometer langer Lauf, bergauf und bergab, mit zahlreichen Hindernissen wie Mauern und Sandberge. Irgendwann habe sie ihre Beine nicht mehr gespürt und verfiel in eine Art Trancezustand. „Ich lief nur noch, meisterte irgendwie die Hürden. Das waren Höllenqualen.“ Kurz vor dem Ziel ging sie in den Endspurt. Hangeln, klettern, kriechen, schleppen und dann war sie im Ziel.

Brennen und Zittern

„Ich war total im Eimer“, sagt Vivian. „Irgendwie wollte ich heulen, aber das ging nicht. Meine Beine fühlten sich an, als würden sie brennen. Wie aus dem Nichts stand plötzlich jemand vor mir und überreichte mir die schwarze Medaille. Ich realisierte dann, dass ich den 23. Platz erkämpft hatte. Darauf bin ich sehr stolz.“ Anschließend ging es unter die warme Dusche.

Obwohl sie am ganzen Körper zitterte und komplett ausgelaugt war, stand ihr Entschluss fest, im nächsten Jahr wieder teilzunehmen. „Klar ist das irgendwie auch verrückt, aber es ist und war der ultimative Kick für mich. Und nicht zuletzt bekommt man eine gehörige Portion Anerkennung von allem Seiten.“


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