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Interview mit Pyrotechniker René Osterhagen Am Freitagabend wird Meppens Himmel zur Bühne

Von Harry de Winter

René Osterhage ist mit Leib und Seele Feuerwerker. Schon als Kind war er fasziniert von Feuerwerken jeder Art. Foto: Westfälisches FeuerwerkRené Osterhage ist mit Leib und Seele Feuerwerker. Schon als Kind war er fasziniert von Feuerwerken jeder Art. Foto: Westfälisches Feuerwerk

Meppen. Die Zuschauer zum Staunen zu bringen und sie für einen Moment den Alltag vergessen zu lassen – das ist das Ziel von Pyrotechnikern weltweit. René Osterhagen ist einer von ihnen und zeichnet für das Feuerwerk bei der Ratshauskirmes im Meppen verantwortlich. In einem Interview mit unserer Redaktion schildert er, was ihn an seinem Beruf so fasziniert.


Warum sind Sie Feuerwerker geworden?

Weil die Feuerwerkerei auf mich eine kaum zu beschreibende Faszination ausübt. Genau erklären kann ich mir das auch nicht, aber wenn ich ein gut gemachtes Feuerwerk sehe, fühle ich mich einfach wohl. Außerdem bereitet es mir selbst Freude, wenn ich sehe, dass ich mit meinen Feuerwerken andere Menschen begeistern kann. 
 
Foto: Westfälisches Feuerwerk
 

Wie sind Sie zum Beruf Feuerwerker gekommen?

Mit 16 Jahren habe ich mich bereits intensiv mit dem Gedanken beschäftigt, Pyrotechniker zu werden. Nach dem Abitur bzw. dem anschließenden Zivildienst wollte ich eigentlich Journalismus studieren. Zu dieser Zeit habe ich mich aber auch schon intensiv mit der Pyrotechnik beschäftigt und mir kleinere Feuerwerke für Geburtstage und andere Familienfeierlichkeiten ausgedacht. Später habe ich dann bei verschiedenen Feuerwerksfirmen gearbeitet und mir mein Fachwissen angeeignet. Man muss an mindestens 26 Großfeuerwerken teilgenommen haben, dann kann man den sogenannten „Großfeuerwerker-Lehrgang“ besuchen. Den hab ich 1999 an der Dresdener Sprengschule absolviert. Nach den bestandenen mündlichen, schriftlichen und praktischen Prüfungen war ich dann staatlich geprüfter Pyrotechniker.

Haben Sie sich als Kind schon für Feuerwerk interessiert?

Die Begeisterung für Feuerwerkskörper begann bei mir bereits sehr früh. Ich kann mich noch an einige Silvesterfeiern erinnern, da war ich sieben oder acht Jahre alt. Ich war den ganzen Tag über aufgeregt und konnte es kaum bis Mitternacht abwarten. Selbst gezündelt habe ich allerdings nicht, da ich als Kind richtige Angst vor Feuerwerkskörpern hatte. Da habe ich lieber zugesehen, wenn mein Vater oder die Nachbarn Raketen abgeschossen haben. 
 
Foto: Westfälisches Feuerwerk
 

Wie oft sind Sie in einem Jahr für Feuerwerke unterwegs? 

Wir machen im Jahr circa 160 Feuerwerke für Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen, Kirmessen und Stadtfeste. Die finden überwiegend in Nordrhein-Westfalen statt, einige auch weiter weg. 

Gibt es ein bestimmtes Feuerwerk, dass Sie abgefeuert haben, was Ihnen noch in Erinnerung ist?

2011 haben wir anlässlich der Dortmunder Museumsnacht ein besonderes aufwendiges Feuerwerk inszeniert: Neben den üblichen Effekten haben wir vier aus Malta importierte, riesige Feuerräder, so genannten „Irdieden“ vorgeführt. Jedes Feuerrad hatte einen Durchmesser von sieben Metern. Während ein solches Feuerrad abbrennt, ergeben sich bunte, symmetrische Figuren und Muster wie in einem Kaleidoskop.
 
Foto: Westfälisches Feuerwerk
 

Ganz ehrlich, geht auch mal was schief?

Natürlich geht bei einem Feuerwerk auch mal etwas schief. Allerdings beschränkt sich das bei uns glücklicherweise auf harmlose Pannen, wie z. B. dass Effekte durch Funkenüberschlag zu früh zünden oder auch gar nicht zünden, weil ein elektrischer Anzünder einen Kurzschluss hat. Zum Glück fällt das meistens aber nur uns auf, das Publikum bemerkt die kleinen Ausfälle oft gar nicht. Das ein oder andere Brandloch in der Jacke eines Zuschauers lässt sich leider auch nicht verhindern, wenn der Wind einen noch glimmenden Funken weiter trägt als gewollt. Bei jedem Feuerwerk bleibt trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen und strenger Vorschriften immer ein kleines Restrisiko bestehen.

Was ist Ihr Lieblings-Effekt?

Das, was auch die meisten Leute am liebsten zu sehen bekommen: ein lang ziehender, glitzernder Goldregen.

Was ist das Besondere beim Feuerwerk, das Sie in Meppen abfeuern werden?

Das Besondere am Meppener Feuerwerk ist, dass es synchron zur Musik choreografiert und abgeschossen wird. Um die Effekte sekundengenau im Takt der Musik zu zünden werden sie computergesteuert abgefeuert. Das sieht man bei Kirmesfeuerwerken eher selten. Hier geben sich die Organisatoren viel Mühe, den Kirmesbesuchern etwas Außergewöhnliches zu bieten: Ein musiksynchrones Feuerwerk hat eine wesentlich bessere Wirkung, weil es bei den Zuschauern noch mehr Emotionen weckt. 
 
Foto: Schöningh

 

Wie aufwendig ist die Planung für ein Feuerwerk?

Das Feuerwerk in Meppen wurde zwei Tage lang am Rechner geplant. Weitere zwei Tage haben die Vorbereitungen in unserer Werkstatt gedauert. Der Aufbau der erforderlichen Anlagen vor Ort dauert nochmals rund acht Stunden. Das Feuerwerk dauert genau 13 Minuten.

Gibt es gutes und schlechtes Wetter für eine Show am Himmel?

Regen und Wind sind natürlich ungünstig, wenn man ein Feuerwerk macht. Aber auch tagelange Trockenheit kann zu einem Problem führen, denn dann ist die Gefahr groß dass sich Wiesen oder Sträucher durch herabfallenden Funken entzünden. Wenn es komplett windstill ist, kann es sein, dass der entstehende Rauch nicht abzieht und die Effekte nicht mehr zu sehen sind. Das ideale Feuerwerks-Wetter ist trocken mit ganz leichtem Wind.

Was ist der Unterschied zwischen ihrem Feuerwerk und dem zu Silvester?

Zum einen, dass immer eine ausgefeilte Dramaturgie hinter meinen Feuerwerken steckt, zum anderen, dass wir mit unseren Profi-Effekten ganz andere Möglichkeiten haben. Die Effekte, die man zu Silvester frei kaufen kann, beinhalten deutlich weniger Effektmasse (Pulver). 
 
Foto: Westfälisches Feuerwerk
 

Wenn ein junger Mensch Feuerwerker werden möchte, was würden Sie ihm raten?

Wer sich für das Thema Feuerwerk interessiert und wer nicht nur einmal im Jahr zu Silvester zündeln möchte, dem empfehle ich, bei einer Feuerwerksfirma anzufragen, ob sie nicht noch einen Helfer gebrauchen können. Man muss sich aber vor Augen führen, dass die Feuerwerkerei ein anstrengender Job ist, bei dem man sich auch oft schmutzig macht, schwere Sachen schleppt, und fast nichts vom eigentlichen Schauspiel - dem Feuerwerk - mitbekommt.
 

Zur Person:

René Osterhage ist 44 Jahre alt und kommt aus Herten im Kreis Recklinghausen. Schon als Kind sei er fasziniert gewesen von Feuerwerken jeder Art. Seit 1999 ist er staatlich geprüfter Pyrotechniker für Groß- und Bühnenfeuerwerk. Am Freitag will er ab 21.30 Uhr sein Können in Meppen bei der Rathauskirmes unter Beweis stellen.