Luther-Pop-Oratorium Lob von Komponist Dieter Falk in Meppen: Chor ist hoch motiviert

Von Carola Alge


Meppen. Überraschung bei einer der Proben für das Luther-Pop-Oratorium in Meppen: Komponist Dieter Falk war zu Gast. Dabei erlebte er, wie er im Interview mit unserer Redaktion sagt, einen „hoch motivierten Chor, der wirklich große Freude dabei hat, das Stück einzustudieren“.

Herr Falk, Sie waren vor ein paar Tagen überraschend Gast bei den Proben für Luther – Das Pop-Oratorium in Meppen. Ihr Eindruck?

Mein Eindruck war, dass der Chor hoch motiviert ist und wirklich große Freude dabei hat, das Stück einzustudieren. Ich habe, bevor ich auf die Bühne ging, bei zwei Songs heimlich aus dem Foyer zugehört und muss sagen, dass Meppen einen großartigen Chor bei der Aufführung haben wird. Und wir haben ja schon einige Vergleiche ...

Die Meppener gehören zu einem ausgewählten Kreis, der Ihr Werk auf die Bühne bringen darf. Nach welchen Kriterien haben Sie da entschieden?

Nun, erst einmal gab es mit Initiator Michael Potthast und dem Regisseur Dominik Lapp ein sehr interessiertes Team, das sich über den bisherigen Lauf der Tournee bestens informiert hat und dann auf uns zukam mit dem Wunsch, das Ganze auch im Emsland auf die Bühne zu bringen. Da die nächsten Aufführungen mit Hamburg und Hannover weit genug weg waren, stand dem nichts im Wege, und vor allem wusste ich durch die Aufführung von „Die 10 Gebote“, unserem Vorgänger-Stück, dass hier engagierte Profis am Werk sind.

Werden Sie bei der Vorstellung am 4. November 2017 in der Emslandarena in Lingen zu Gast sein?

Ich wünschte, ich könnte vorbeikommen, habe allerdings leider einen anderen Auftritt mit meinen beiden Söhnen.

Sie kommen ursprünglich aus kirchlicher Jugendarbeit. Wie haben Sie Luther damals empfunden?

Als Teenager während der Konfirmation hat er mich unter dem Freiheitsgedanken interessiert. Immerhin hat er schon lange Zeit vor der Französischen Revolution den Gedanken des „Selber Denkens“ in die damalige Gesellschaft gebracht. Bei allem, was man bei Luther sicherlich auch sehr kritisch anmerken kann, bleiben viele Verdienste, vor allem für die Entwicklung der deutschen Sprache. Als Christ finde ich seine Suche nach der Wahrheit in dem Wort Gottes sehr bemerkenswert.

Und wie sehen Sie ihn heute?

Natürlich zwiespältiger als vielleicht noch im Teenageralter. Heute imponiert mir auch seine Leistung als Musiker. Immerhin hat er die ersten Volkslieder in die Kirche gebracht. Heute würde man das populäre Musik, also Popmusik nennen.

Viele wissen nicht, dass der Theologe Luther Musiker war. Würde ihm Ihre Musik des Pop-Oratoriums gefallen?

Das hoffe ich doch sehr, immerhin habe ich ja auch drei seiner Choräle mit in das Stück integriert– allerdings musikalisch ein bisschen „gegen den Strich gebürstet“. Da hört man dann eine Bigband bei „Feste Burg“.

Blicken wir kurz auf den Inhalt des Luther-Pop-Oratoriums: Könnte es auch unter dem Oberbegriff Infotainment laufen?

Das Wort trifft es ganz gut, und im Übrigen ist das ganz lutherisch, denn Luther war es ja, der dem Volk aufs Maul schauen wollte. Informieren und unterhalten und für jeden zugänglich. Letzteres kommt in der Kirche oft zu kurz.

Die Meppener arbeiten – wie in anderen Städten auch – unter anderem mit lokalen Chören zusammen. Besuchen Sie kurz vor den Aufführungen noch einmal eine Probe?

Leider werde ich das nicht schaffen, da ab Oktober wieder das Semester losgeht – ich habe zwei Professuren an deutschen Musikhochschulen – und außerdem eine große ZDF-Übertragung des Pop-Oratoriums am 31.10. um 22.15 aus Berlin.Allerdings weiß ich unser Stück in den allerbesten Händen.

Sie arbeiten als Produzent für viele Künstler, darunter Pur, Nazareth, Paul Young, Patricia Kaas und Pe Werner, gehen aber auch immer wieder christliche Themen/Produktionen an. Hat das evangelische Gymnasium Sie so geprägt?

Die Schule sicherlich auch, aber mehr noch die kirchliche Jugendarbeit mit viel Spaß, Musik und trotzdem Tiefgang. Ich könnte Ihnen jetzt eine ganze Reihe von anderen Namen aus dem sogenannten Showbusiness nennen, die auch eine ähnliche Vita haben, das Thema allerdings verschweigen, weil sie meinen, die Gesellschaft findet es „unsexy“, sich diesbezüglich zu outen. Da bin ich allerdings anderer Meinung. In den USA haben Stars wie Katy Perry und andere kein Problem damit, ihre kirchlich-musikalische Herkunft anzusprechen.

Mit 50 Platin- und Goldenen Schallplatten für mehr als 20 Millionen verkaufte Tonträger gehören Sie heute beinahe einer aussterbenden Spezies an. Ist es für junge Musiker heutzutage schwieriger, in der Szene Fuß zu fassen?

Ja und nein. Inzwischen kann man auf jedem Computer ganz gut Musik produzieren und theoretisch damit in die Szene reinkommen, allerdings ist die Konkurrenz viel größer als zu Zeiten, als ich gestartet bin. Dazu ist die Musikbranche in einer äußerst kritischen Lage. Für einen Download zum Beispiel bei Spotify bekommt ein Künstler ca. 0,003 Eurocent. Adele wird sich in der Summe darüber auch freuen können, eine Nachwuchsband aus Meppen zum Beispiel kann von den wenigen Downloads am Ende noch nicht mal ein Bier trinken gehen.

Wie kamen Sie auf die Idee, Pop-Oratorien mit Michael Kunze zu schreiben?

Das ist jetzt unser drittes gemeinsames Stück und zudem eine gemeinsame Idee zusammen mit der Creativen Kirche aus Witten, die auch die großen Arena-Shows organisiert hat. Die Idee für den Wormser Reichstag als dramaturgische Rahmenhandlung hatte Michael Kunze. Er ist ein fantastischer „Story-Teller“.

Michael Kunze ist bekannt als international anerkannter Textdichter. Wie gehen Sie in ihrer gemeinsamen Arbeit vor: Gibt es erst den Text oder erst die Musik?

In diesem Fall habe ich, bei einigen Titeln auch zusammen mit meinem Sohn Paul, die Musik geschrieben, und Michael hat sich dann danach mit dem Text draufgesetzt. Zudem ist er eine Art „Story-Architekt“, indem er auch musikalische Abläufe neu ordnet, Reprisen einfügt und das Ganze in eine feste Form bringt. Da gibt’s keinen Besseren.

Woher beziehen Sie die Inspiration für die Kompositionen?

Fragen Sie mal meine Frau, die hält mich auch nach 34 Ehejahren manchmal für verrückt, wenn ich tief in der Nacht eine Idee habe, ins Studio im Keller gehe, den Rechner anmache und ein Demo einsinge. An Ideen mangelt es mir zum Glück nicht, da muss ich schon ein Riesendankeschön nach oben sagen.

Vor welche Herausforderungen stellt es Sie, Musik für Orchester, Band und einen derartig großen Chor zu schreiben?

Wissen Sie, in 35 Jahren in der Musikbranche war ich eher der Mann für die drei Minuten Radiosongs. Ein abendfüllendes Stück zu schreiben, dazu noch für große Besetzung ist so etwas wie Weihnachten und Geburtstag am gleichen Tag. Besser geht’s nicht.

„Luther“ wurde kürzlich auch in den USA in englischer Sprache uraufgeführt. Wie kam es zu diesem internationalen Erfolg?

Ein befreundeter Musicaldarsteller hatte den Mut, das Ganze zuerst an der Ostküste auf die Bühne zu bringen. Die Premiere war letzte Woche, und jetzt geht es weiter. Michael und ich freuen uns natürlich sehr über diese Entwicklung, und gerade rief jemand mit Interesse aus Finnland an. Mal schauen, was noch kommt ...

Aus dem Aus dem Pop-Oratorium „Die 10 Gebote “, das ebenfalls in Meppen aufgeführt wurde, entstand später das Musical „Moses“. Gibt es ähnliche Planungen für „Luther“?amp;48355Aus dem Pop-Oratorium „Die 10 Gebote “, das ebenfalls in Meppen aufgeführt wurde, entstand später das Musical „Moses“. Gibt es ähnliche Planungen für „Luther“?amp;0Aus dem Pop-Oratorium „Die 10 Gebote “, das ebenfalls in Meppen aufgeführt wurde, entstand später das Musical „Moses“. Gibt es ähnliche Planungen für „Luther“?amp;477796"> Pop-Oratorium „Die 10 Gebote “, das ebenfalls in Meppen aufgeführt wurde, entstand später das Musical „Moses“. Gibt es ähnliche Planungen für „Luther“?

Wäre schön, und bald habe ich in der Tat ein Meeting mit dem größten deutschen Musical-Anbieter, und wir werden sehen, was passiert. Vielleicht ist Tecklenburg ja schneller.

Sie touren auch immer wieder mit Ihren Söhnen unter dem Namen „Falk Sie touren auch immer wieder mit Ihren Söhnen unter dem Namen „Falk & Sons“ durch das Land. Das musikalische Talent hat sich offensichtlich vererbt ...amp; Sons“ durch das Land. Das musikalische Talent hat sich offensichtlich vererbt ...

Dabei war es noch nicht einmal unsere Idee als Eltern. Ein Theaterintendant hatte uns seinerzeit vor inzwischen acht Jahren eingeladen. Max studiert heute Medizin, wird also was „Ordentliches“ . Paul, der jüngere, hat gerade sein eigenes Album „1000 Lieder“ herausgebracht. Es immer was los bei uns.

Nächstes Jahr wollen Sie gemeinsam auch in Meppen ein Konzert geben ...

Genau, und darauf freuen wir uns sehr, denn wir haben noch nie in Meppen gespielt. Am 28. 4. 2018 sind wir also im Emsland, und ich vermute, dass auch viele aus dem Chor kommen werden.

Was erwartet die Besucher da?

Das ist eine musikalische Zeitreise von Bach bis hin zur Popmusik unserer Zeit, und unsere Klassik-Versionen klingen schon anders die Originale, rockig und jazzig. Unser Publikum ist durch drei Generationen bunt gemischt, und oft kommen Eltern mit ihren Kindern in der Hoffnung, dass ihre Sprösslinge nach dem Konzertbesuch noch mehr Lust zum Üben bekommen. Auf jeden Fall kommen die Leute nicht ganz ungeschoren davon, denn im Konzert geht es interaktiv zu. Es wird viel gesungen und gegroovt. Die gute Nachricht: Ich nehme alle mit in den „Recall“ , so wie ich es damals als Jurymitglied der Castingshow „Popstars“ auf Pro7 auch gemacht habe.


Der Düsseldorfer Musiker, Komponist und Pianist Dieter Falk gehört mit fünf ECHO-Nominierungen für mehr als 20 Millionen verkaufte CDs als Produzent seit vielen Jahren zur Spitze der deutschen Musikszene.

Seine mehr als 100 CD-Produktionen unter anderem für Roger Chapman, Nazareth, Brings, Reba McEntire, Francine Jordi, Detlev Jöcker, Die Priester, Nino de Angelo und Marque brachten ihn mehrfach in die Top-Platzierungen der Verkaufs-Charts. Mehr als 50 Platin- und Goldene Schallplatten sammelte der 55-jährige Musikproduzent und Arrangeur, der zudem für einige große TV-Sender als Musik-Experte tätig ist.

Dieter Falk zählt zu den versiertesten Pianisten des Landes. Der Musikprofessor an der Düsseldorfer Robert-Schumann Hochschule ist mehrfacher „Keyboarder des Jahres“, „Klavierspieler des Jahres 2012“und saß zwei Jahre in der Pro7 „Popstars“-Jury neben Nina Hagen und Detlef „Dee“ Soost. Daraus ging die Girlgroup „Monrose“ hervor, deren Debütalbum er auch mitproduzierte.

Als Pianist veröffentlichte Dieter Falk verschiedene Instrumental-CDs, die in Deutschland zu den meist verkauftesten Ihrer Art zählen. 2007 erschien „A Tribute to Paul Gerhardt“, das den Impala-Award für über 40 000 verkaufte Exemplare erhielt.

Zuletzt erschienen die mit dem Jazz-Award ausgezeichneten Alben „Celebrate Bach“ und „Toccata“ (Universal) die er als „Falk & Sons“ zusammen mit seinen beiden Söhnen Max (Drums) und Paul (Hammond & Vocals) eingespielt hat.

In den 1980er-Jahren arbeitete Dieter Falk als Produzent und Sessionmusiker in Los Angeles und Nashville unter anderem zusammen mit Steve Lukather (Toto), Abe Laboriel, Alex Acuna (Weather Report), Jerry Hey, Chuck Findley, Dann Huff & Lee Konitz.