Einzug in den Bundestag mit Verlusten Wahlparty fällt für Stegemann und De Ridder aus


Meppen. Eine Wahlparty sieht wohl anders aus: Albert Stegemann (CDU) und Daniela De Ridder (SPD) haben im Emsland und der Grafschaft Bentheim deutlich an Stimmen verloren. Dem neuen Bundestag gehören sie dennoch an. Am Wahlabend im Kreishaus waren sie enttäuscht und wegen der AfD hoch besorgt.

Albert Stegemann hatte es bereits im Vorfeld geahnt. Als der gebürtige Grafschafter gegen halb sechs im Meppener Kreishaus eintraf, hatte er bereits läuten hören, dass der Wähler die Große Koalition wohl abstrafen würde. Daran, dass er den Wahlkreis Mittelems gegen seine Mitkonkurrentin um das Direktmandat, Daniela De Ridder, gewinnen würde, musste er zu diesem Zeitpunkt wohl nicht mehr zweifeln. Aber die künftige Rolle der AfD beschäftigte ihn angesichts der Befürchtung, die Rechtspartei könnte zur drittstärksten Kraft im Lande werden. „Ich hoffe nur, dass das Emsland und die Grafschaft Bentheim sich diesem Trend entziehen können.“

Stegemanns Hoffnung begründete sich wie folgt: „Ich glaube, dass unsere Politik, und damit meine ich die Politik aller demokratischen Parteien bei uns, das Ehrenamt und die gute wirtschaftliche Situation dafür sorgen und gesorgt haben, dass ein breiter gesellschaftlicher Konsens gegen die AfD besteht. Das habe ich auch im Wahlkampf so erfahren. Ich würde mich freuen, wenn diese Partei bei uns das deutschlandweit niedrigste Ergebnis einfahren würde.“

AfD zufrieden

Ob das am Ende so sein wird, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Aber im Laufe des Abends, zu dem gegen 19 Uhr auch Daniela De Ridder und später der zukünftige FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Beeck (Lingen) stießen, wurde immer deutlicher, dass sowohl CDU als auch SPD deutlich an Stimmen verloren hatten. Wahllokal um Wahllokal sah Stegemann mit etwas mehr als 50 Prozent bei der Erststimme vor De Ridder mit gut 26 Prozent – Stegemann hatte damit gut fünf und De Ridder rund 2,6 Prozent ihrer Wählerschaft eingebüßt.

Und die AfD? Deren Kandidat Danny Meiners aus Geeste-Dalum war zwar meilenweit von einem Einzug in den Bundestag entfernt. Dazu hätte seine Partei auf Bundesebene 40 Prozent der Zweitstimmen benötigt. Aber mit etwa fünf Prozent der Erststimmen lag er gegen acht Uhr abends aus seiner Sicht gut im Rennen. „Damit bin ich zufrieden“, sagte er.

Albert Stegemann dagegen war entsetzt: „Damit habe ich nicht gerechnet“, gab er zahlreichen Medienvertretern zu Protokoll. „Das ist ein Dämpfer sowohl für uns, als auch für die SPD. Ein deutliches Signal, dass es so nicht weitergehen kann.“

Das sah auch Daniela De Ridder so. „Das Ergebnis ist niederschmetternd, keine Frage. Für uns ist nun klar, dass wir in die Opposition gehen müssen und dort als stärkste Kraft Politik mitgestalten. Wir haben uns nicht gegen den bundespolitischen Trend stemmen können, und das obwohl Martin Schulz einen tollen Wahlkampf gemacht hat und wir als SPD in der Großen Koalition sehr gute Arbeit geleistet haben. Vielleicht wird diese Niederlage nun zu einem Befreiungsschlag. Wir müssen klar sagen, wo wir stehen. Allerdings habe ich große Sorge, dass sich die Debattenkultur im Bundestag durch die AfD sehr zum Negativen verändern wird.“

Viele der Anwesenden im Kreishaus sahen unfreiwillig spannende Zeiten auf Deutschland zukommen. „Das wird in Zukunft schwierig in Berlin“, sagte Landrat Reinhard Winter.

Den Liveticker vom Wahlabend im Emsland zum Nachlesen mit Bildern, Kurzvideos der Kandidaten und Texten gibt es hier.


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