Menschen aus Versteck geholt Verein Vitus leistet seit 50 Jahren Integration

Von Manfred Fickers


Meppen. Auf 50 Jahre Arbeit für und mit Menschen mit Behinderungen kann der Verein Vitus in Meppen zurückblicken. Beim Festakt wurde deutlich, dass die Integration in die Gesellschaft eine Herausforderung bleibt.

Beim Festakt sagte der Vorsitzende der Vitus-Trägerstiftung, Gerhard Knoll, dass man für diese Aufgabe die wohlwollende Begleitung und Unterstützung aus der Politik, den Kirchen, Institutionen und allen Bürgern benötigt. Der Geschäftsführer des St. Vitus-Werks, Michael Korden ergänzte, dass Netzwerkarbeit wichtig sei, denn für echte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben brauche man Partner. Dazu zählt er den Austausch mit Verbänden wie den Kreissportbund und hob den Besuch einer Delegation aus Meppens polnischer Partnerstadt Ostroleka hervor. Knoll sagte, ohne das Engagement von Spendern wären zahlreiche Projekt nicht möglich. Nebenbei werde durch Spendenaktionen das Thema Inklusion in die Öffentlichkeit gebracht.

Ehrenamt macht Freude

In einer Talkrunde, moderiert von Clemens Nietfeld (Theatergruppe Improteus, Osnabrück), berichtete der langjährige Vereinsvorsitzende Gerhard Tieke, wie Eltern vor mehr als 50 Jahren nach Perspektiven für ihre damals in der Gesellschaft krass benachteiligten Kinder suchten. Der 1967 in Meppen gegründete Verein Kinderhilfe und die fast gleichzeitig in Twist entstandene Beschützende Werkstätte boten Bildung und Beschäftigung. Beide Einrichtungen schlossen sich 1974 zusammen. Erzieherin Irmgard Orlik gehörte zu den ersten Mitarbeitern. Ziel war und bleibe es, Menschen mit Beeinträchtigungen zu fördern, und dies unter Einbeziehung der Angehörigen. Von Anfang an habe es eine große Spendenbereitschaft gegebe, und viele Besuche von Interessierten. Dieter Schultejans, Nachfolger von Tieke als Vorsitzender, erinnerte an die notwendige Anpassung an neue Anforderungen, die in Verbindung mit den Eltern, Mitarbeitern und Betreuten gelang. Sein persönliches Fazit lautet:: „Ehrenamt macht Freude - es lohnt sich, sich zu engagieren.“ Pater Rudolf Bleischwitz, langjähriges Vorstandsmitglied, wandelte das Motto der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) für sich ab: „Sehen, Lernen, Urteilen, Handeln“. Ein gutes Miteinander aller Beteiligen sei Grundlage einer erfreulichen Entwicklung geworden.

Menschenwürde

Bernhard Sackarendt, seit 1976 im Beirat des Vereins, wurde 1989 erster hauptamtlicher Geschäftsführer. Die Entwicklung der letzten 50 Jahre fasste er in dem Satz zusammen: „Menschen mit Behinderungen wurden versteckt, heute ist eine Begegnung mit ihnen in der Öffentlichkeit normal geworden.“ Gründungsmitglied Heinz Jansen sagte: „Die Menschenwürde verlangt Teilhabe aller Bürger, besonders derjenigen, die besonderer Zuwendung bedürfen.“ Daher habe er als Ratsmitglied, Bürgermeister der Stadt Meppen und als Landtagsabgeordneter diesen Gedanken in die politischen Diskussion vertreten.

Wilfried Wübben, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Pro Vitus, nahm die Ehrungen von privaten und institutionellen Gründungsmitgliedern vor. Denn Kirchengemeinden, der Landkreis, Städte und Gemeinden waren von Anfang an dabei. Stellvertreten neben Jansen und Schultejans wurden Thea Lampen, Josefa Mersch und Winfried Hartmann zusammen mit Diakon Georg Quednow (Kirchengemeinde St. Maria-zum-Frieden) ausgezeichnet.