„Ein Stück Identität zurück“ Berentzen-Destillerie in Haselünne eröffnet

Von Konstantin Stumpe


Haselünne. Mit der Abfüllung des symbolischen ersten Fasses ist nun die neue Berentzen Hof Destillerie in Haselünne eröffnet worden. Dort wird ab sofort der Doppelkorn„Korn2Korn“, ein sogenannter Crafted Kornbrand hergestellt.

Crafted ist ein junger Trend in der Getränkeindustrie und zeichnet sich durch einen hohen handwerklichen Arbeitsanteil aus. Auch Meisterdestillateur Andreas Büdenbender hat den Doppelkorn in experimenteller Handarbeit entwickelt. Er beschreibt, was den Korn so besonders macht: „Anders als industriell hergestellter Korn wird der Korn2Korn nicht 55-fach destilliert, sondern nur 11-fach.“ Dadurch erreiche das Destillat einen Alkoholgehalt von etwa 88 Prozent. Industriell hergestelltes Destillat liege bei über 90 Prozent Alkohol. „Weil wir weniger oft destillieren, bleiben dem Endprodukt mehr Aromen erhalten“, meint der Destillateur. Der Korn2Korn hebe sich durch seine malzig-brotige Note von anderen Kornbränden ab. (Weiterlesen: Serie „Mein Job und ich: Berentzen-Brennmeister beweist guten Riecher)

Nach der Destillation wird der Kornbrand mit Wasser verdünnt, bis er einen Alkoholgehalt von 38 Prozent enthält. Ab einem Alkoholgehalt von 37,5 Prozent wird ein Korn zu einem Kornbrand, auch Doppelkorn genannt. Bei einem Mindestalkoholwert von 32 Prozent spricht man von normalem Korn.

Hoher emotionaler Wert

In einer kurzen Rede führte Oliver Schwegmann, Vorstandsmitglied der Berentzen-Gruppe, die etwa 100 geladenen Gäste in den Abend ein. Die Einstellung der Brennerei in Haselünne im Jahr 2008 habe für die Mitarbeiter am Standort einen großen Einschnitt bedeutet. „Jetzt haben wir wieder ein Stück Identität zurückerlangt. Wir sind stolz, endlich wieder selbst zu brennen“, sagte Schwegmann. Der emotionale Wert der neuen Anlage sei daher mindestens genauso hoch, wenn nicht sogar höher als der wirtschaftliche.

Reinheitsgebot für Korn

Mit dem Korn2Korn will Berentzen ins Segment der Premium Spirituosen einsteigen. „Wir wollen den Trend der Crafted-Produkte mitprägen. Der Korn hat alle Berechtigung der Welt, ein Premiumprodukt zu sein“, sagte Schwegmann. Anderes als andere Spirituosen gibt es beim Korn eine Art Reinheitsgebot. Für die Herstellung sind laut einer Verordnung der Europäischen Gemeinschaft (EG) nur bestimmte Zutaten zugelassen. Korn darf ausschließlich aus dem vollen Korn von Weizen, Roggen, Gerste, Buchweizen oder Hafer hergestellt werden. Weder Würze, Aromen noch Farbstoffe dürfen zugegeben werden.

Der Korn2Korn von Berentzen wird aus Bio-Weizen in Kombination mit Bio-Roggen und malzhaltiger Gerste sowie Wasser aus der eigenen St.-Ansgari-Quelle in Haselünne hergestellt.

Gelagerte Variante

Die ersten Chargen des höherpreisigen Korn2Korn sind bereits im Handel. In etwa zwei Jahren soll dann eine gelagerte Variante auf den Markt kommen. So lange muss er in Holzfässern reifen. Für seine Fässer verwendet Berentzen Kastanienholz. „Das ist weiches Holz und gibt dem Korn nicht so eine holzige Note wie etwa Eichenholz. Der Geschmack bleibt weitgehend unverfälscht“, erklärt Destillateur Büdenbender.

Übrigens: Büdenbender empfiehlt, den Korn nicht kalt, sondern warm zu trinken. „So können Sie die Geschmacksnuancen besser wirken lassen.“