375 Jahre Windthorstgymnasium Meppen „Begleiter, Vorbild und Wegweiser sein“

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Begleiter, Vorbild, Wegweiser– so sieht Daniela Brüsse-Haustein, Direktorin des Windthorst-Gymnasiums Meppen, die Aufgabe von Lehrern. Archivfoto: Hermann-Josef MammesBegleiter, Vorbild, Wegweiser– so sieht Daniela Brüsse-Haustein, Direktorin des Windthorst-Gymnasiums Meppen, die Aufgabe von Lehrern. Archivfoto: Hermann-Josef Mammes

Meppen. Seit Februar 2017 leitet Daniela Brüsse-Haustein das Meppener Windthorstgymnasium. Wohin geht für die Oberstudiendirektorin die Reise der mittlerweile 375 Jahre alten Schule? Sie sieht die Qualitätssicherung als eine bedeutende Aufgabe an.

Dabei gelte es, die wissenschaftliche Bildungsaufgabe von Gymnasien zu bewahren. Zudem müsse die Schule auf das Abitur nach 13 statt wie bisher zwölf Jahren umgestellt werden. „Schule trägt wesentlich zur Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen bei“, betont die Pädagogin, die 22 Jahre lang am Gymnasium Haren die Fächer Geschichte, Latein, Religion sowie Werte und Normen unterrichtete und 13 Jahre lang als Fachleiterin für Geschichte am Studienseminar Meppen Gymnasiallehrer ausbildete.

Erinnerung an die „Feuerzangenbowle“

Brüsse-Haustein hat die Gesamtverantwortung für weit mehr als 1000 Schüler. Bei dem Begriff muss sie an den Filmklassiker „Feuerzangenbowle“ denken. In der beschließt bekanntlich der erfolgreiche Schriftsteller Dr. Pfeiffer, der von einem Privatlehrer unterrichtet worden ist, verpasste Schulerlebnisse nachzuholen. Er lässt Berlin, seinen Mercedes, kapriziöse Freundin und Zigarren hinter sich und geht in die Abschlussklasse, die Oberprima, eines Gymnasiums einer Kleinstadt, um noch einmal das Abitur zu machen. Am ersten Schultag begegnet er dem strengen Direktor Knauer, von allen „Zeus“ genannt. Er ist allmächtiger Herrscher über eine Vielzahl schrulliger liebenswerter Lehrer und steigt gelegentlich von seinem Olymp herab, um Blitz und Donner zu schleudern.

Über dieses Bild sagt die Leiterin des Meppener Windthorstgymnasiums: „Der Vergleich eines heutigen Schulleiters mit ‚Zeus‘ ist nur bedingt tauglich.“ Allmacht habe sie eigentlich nicht, aber die Gesamtverantwortung. Zu Blitz und Donner habe sie bis jetzt noch nicht greifen müssen, ein kleines Grollen jedoch durchaus schon angedeutet.

Kompetenzen

Heute müsse man als Direktor eher die Attribute, „Kompetenzen“, vieler anderer Götter bemühen. „Das wären eher Athene, Göttin der Klugheit und strategischen Kriegsführung taktisches Geschick, Strategie in vielen Bereichen, Artemis, Göttin der Jagd auf der Jagd nach Lehrerstunden und nach Vertretungslehrkräften, sowie Apollon, Gott der Dichtkunst und des Gesangs, Kunst der Redegabe und Lyrik zum Beispiel bei offiziellen Anlässen. Und noch ein Bild verwendet Brüsse-Haustein in dem Zusammenhang gern: „Die Flügelschuhe des Hermes wünsche ich mir an einigen Tagen, um rechtzeitig zu den vielen Terminen kommen zu können.“

Bestimmt werden viele Termine von Themen, die das Gymnasium beschäftigen: Abschaffung der Empfehlungen in der Grundschule, Freigabe des Elternwillens, zunehmende Veränderungen in der Schülerschaft, aber auch Elternschaft, Inklusion, Begabtenförderung; Umstellung von G8 auf G9, Anpassungen in allen Bereichen, nicht nur im Schulprogramm, drohender Lehrermangel, demografische Entwicklung, Digitalisierung.

An die Tradition erinnern

Eine vorwiegende Aufgabe ihrer Arbeit als Leiterin des Meppener Windthorstgymnasiums als einer der ältesten Schulen in Deutschland sieht die Pädagogin darin, an die Tradition des Windthorst-Gymnasiums zu erinnern und sicherzustellen, dass es zukunftsfähig bleibt. Zukunft brauche Herkunft. Die Schüler sollten, damals wie jetzt, zu „Menschen für andere Menschen werden“. Jedem Einzelnen sollte Wertschätzung entgegengebracht werden. Schüler sollten, so der einstige Ansatz, die Fähigkeit zur Reflexion erwerben, zur Gerechtigkeit verpflichtet werden und die Frage nach Gott wachhalten. „Das sind Ziele, die wir heute im Bildungsbeitrag der meisten Fächer und in unserem Leitbild (Wissen, Gemeinschaft und Mündigkeit) wiederfinden.

Gegen den Strom

Beim Thema Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung verwendet Brüsse-Haustein ein weiteres Bild: Gegen den Strom schwimmen, „der Bildung wie Ware behandelt, die man verkaufen, handeln und entsorgen kann“. Es gelte, Bildungsideale des Gymnasiums zu bewahren. Einheitsschule, Niveausenkung, häufig von Politikern oder Bildungsforschern gefordert, dürfe es nicht geben. Notwendig seien eine wissenschaftlich fundierte Lehrerbildung, Fachwissenschaften, Inhalte und echte Fachdidaktik statt Methoden-Lernen und Arbeitsblattunterricht, kommunikative Kompetenzen und Präsentationskompetenz, guter Frontalunterricht, Freude an der Sache und am Unterrichten, mit Schülern lachen können. „Bildung braucht Zeit.“

Weltanschauliche Vielfalt

Bei all den Herausforderungen ist es der Direktorin wichtig, „weiterhin die uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler entsprechend unserem Leitbild im Blick zu haben, als echte Pädagogen Begleiter, Vorbild und Wegweiser zu sein. Tradition im Geiste der Jesuiten („Menschen für andere Menschen werden“) müsse wachgehalten, jeder Einzelne wertgeschätzt werden, an das Beste in den Schülern zu glauben und nicht nur den Rotstift zu zücken. Es gehe um weltanschauliche Vielfalt, aber keine Beliebigkeit, und darum, „unsere Schüler zu Persönlichkeiten zu entwickeln, die sozial kompetent sind, Empathie zeigen können, die sich nicht von politischen oder religiösen Heilsversprechungen indoktrinieren oder manipulieren lassen oder zu Drogen greifen.

Brüsse-Haustein wünscht sich Schüler, „die Dinge kritisch hinterfragen, ihr eigenes, reflektiertes Urteil fällen und Verantwortung in der Schule und in unserer Gesellschaft übernehmen, Mut haben, gegen den Strom zu schwimmen.


Jubiläum wird mit Festwoche gefeiert

Das Meppener Windthorstgymnasium (WGM) feiert sein 375-jähriges Bestehen mit einer Festwoche. Am Freitag, 22. September, ab 13.15Uhr ist ein Gottesdienst in der Gymnasialkirche. Der Festakt folgt ab 14 Uhr im Gymnasium. Der große Festball im Emslandsaal Kamp startet ab 19.30 Uhr. Karten hierfür gibt es im Vorverkauf unter anderem bei Sport Rexeis, TIM und im Sekretariat des WGM für acht Euro. Eine telefonische Vorbestellung im Sekretariat und bei Sport Rexeis ist ebenfalls möglich.

Am Samstag, 23. September, 10.30 Uhr, gibt es ein Treffen Ehemaliger des WGM mit Führung durch die Schule und gemeinsamem Frühstück.

Am Montag, 25. September, 19.30 Uhr, findet ein Konzert von Schülern, Eltern, Kollegen und Ehemaligen in der Gymnasialkirche statt.

Eine Aufführung der Theater-AG des Stücks „Der Prozess um des Esels Schatten“ nach Friedrich Dürrenmatt gibt es am Mittwoch, 27. September, 19.30 Uhr.

Sportlich wird es beim Sponsorenlauf am Donnerstag, 28. September, 11 Uhr. Am selben Tag beginnt um 15 Uhr das Schulfest mit vielen Attraktionen aus allen Bereichen und kulinarischen Genüssen aus aller Welt. -cw-

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