Heimische Tiere in Not Welche fremden Arten schwimmen im Emsland in Ems und Hase?

Von Harry de Winter

Der Amerikanische Flusskrebs, auch Kamberkrebs genannt, hat sich flächendeckend verbreitet und ist mittlerweile die häufigste Flusskrebsart in deutschen Gewässern. Für den europäischen Verwandten, den Edelkrebs, hatte dies fatale Folgen. Foto: Britta Pedersen/dpaDer Amerikanische Flusskrebs, auch Kamberkrebs genannt, hat sich flächendeckend verbreitet und ist mittlerweile die häufigste Flusskrebsart in deutschen Gewässern. Für den europäischen Verwandten, den Edelkrebs, hatte dies fatale Folgen. Foto: Britta Pedersen/dpa

Meppen. Was für fremde Arten schwimmen im Emsland in Ems, Hase und Dortmund-Ems-Kanal und wie gut ist der Zustand der Gewässer? Unsere Redaktion hat beim Biologen des Landesfischereiverbands Weser-Ems nachgefragt.

Ursprünglich im Emsland nicht heimische Tier- und Pflanzenarten gibt es einige. Zu den bekanntesten zählen der Riesenbärenklau oder Nutrias, die sich in der Region ausgebreitet haben. Doch auch für die meisten unsichtbar, unter der Wasseroberfläche, haben einige fremde Arten, die sogenannten Neobiota, durch den Einfluss des Menschen eine neue Heimat gefunden. Oftmals finden diese Neulinge ihre Nische im Ökosystem. Doch oft geht dieser Prozess auch auf Kosten der heimischen Arten. Zuletzt sorgte in Dörpen ein Pacu für Aufsehen, der im Küstenkanal gefangen wurde. Dieser Fisch, der eng mit den Piranha verwandt ist und eigentlich aus dem Amazonas in Südamerika stammt, ging einem Angler an den Haken.

Falschverstandene Tierliebe

„Es gibt zahlreiche Arten in unseren Gewässern, die hier nicht hingehören“, sagt Jens Salva, hauptamtlicher Biologe des Landesfischereiverbands Weser-Ems. „Zu nennen wären unter anderem Grundeln, Schildkröten, Goldfische und Koi-Karpfen. Oftmals landen sie durch falschverstandene Tierliebe in Seen und Flüssen. Hier treten sie dann in Nahrungskonkurrenz mit anderen Arten.“ Viel schlimmer sei aber die Übertragung von Krankheiten. So habe der Amerikanische Flusskrebs, auch Kamberkrebs genannt, sich flächendeckend verbreitet und ist mittlerweile die häufigste Flusskrebsart. Für den europäischen Verwandten, den Edelkrebs, hatte dies fatale Folgen. Durch die eingeschleppte Krebspest wurde der Bestand stark dezimiert. Heute kommt er nur noch äußerst selten vor und steht auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten. „Deshalb sollten niemals Tiere in einem fremden Lebensraum ausgesetzt werden. Die Konsequenzen sind oft verheerend, gerade unter der Wasseroberfläche“, so Salva.

Gewissenhafter Tierhalter

„Nicht gerade selten kommt es vor, dass man in einem Aquarium einen Fisch, einen Krebs oder eine Schildkröte hält, der oder die irgendwann zu groß wird“, erklärt der Biologe. „Doch dann sollte man sich als gewissenhafter Tierhalter an einen Zoo, den Fachhandel oder einen Experten wenden, der in diesem Fall vermitteln kann. Somit können die Tiere in einem für sie artgerechten Lebensraum weiterleben. Der in Dörpen gefangene Pacu hat aber selbst mich verwundert. Aber das ist halt ein Beispiel für die falsch verstandene Tierliebe.“

Luft nach oben

Insgesamt sei aber der Zustand von Hase und Ems in Ordnung. Aber es sei noch viel Luft nach oben, sagt Salva. So seien viele Stauwehre noch immer ein unüberwindbares Hindernis für wandernde Fischarten. Auch die vielen kleinen Nebengewässer könnten in einem besseren Zustand sein. „Da sind zu viele Begradigungen drin, die eigentlich wieder herausgenommen werden könnten. Im Emsland wären das beispielsweise die Nord-, Mittel-, und Südradde, die ursprünglich sehr strukturreich waren. Wenn man sie renaturiert und die Begradigungen wieder heraus nimmt, braucht keiner Angst zu haben, nasse Füße zu bekommen“, sagt Salva.