Festakt zur Inbetriebnahme Zaun soll Schafe am Versener Heidesee vor Wölfen schützen

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Meppen. Der Meppener Naturschutzverein Land Unter e.V. hat seine neue Zaunanlage offiziell in Betrieb genommen. Sie dient unter anderem dem Schutz der vereinseigenen Schafe vor dem Wolf.

Rund 50000 Euro habe der Bau des Zaunes samt Nebenanlagen im Naturschutzgebiet Versener Heidesee gekostet, berichtete Vorsitzender Tobias Böckermann laut Pressemitteilung. Bei einem Festakt im Schafstall des Vereins mit mehr als 100 Gästen dankte er allen am Bau und der Finanzierung beteiligten Behörden, Institutionen und Firmen.

Er erläuterte die Gründe für den Bau eines neuen Zaunes am Heidesee. Demnach war der alte aus dem Jahr 1999 abgängig. Die Ausbreitung des Wolfes ins Emsland habe zudem die Errichtung eines „wolfsabweisenden Grundschutzes“ erforderlich gemacht, für den das Land Niedersachsen Mindeststandards vorgebe. Allerdings sei nur ein Teil der Bausumme allein dem Wolfsschutz zuzuschreiben, da ein neuer Zaun auch ohne ihn hätte errichtet werden müssen.

Andere Wolfsschutzmaßnahmen wie Esel oder Herdenschutzhunde seien aus verschiedenen Gründen nicht umsetzbar gewesen.

83 Arten der Roten Listen

Der vor 20 Jahren im Zuge des Autobahnbaus entstandene Heidesee stelle inzwischen eines der artenreichsten Naturschutzgebiete der Region dar – hier lebten 83 gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Hervorzuheben seien die Pflanzen der Heideweiher wie Fadenenzian, Igelschlauch oder Strandling. Sie alle seien einst im Emsland typisch gewesen und auf die Beweidung der Ufer durch Schafe angewiesen. Ansonsten komme schnell Wald auf, der die Licht und Sandboden liebenden Pflanzen verdränge, sagte der Vorsitzende.

Eine mechanische Pflege sei kaum vergleichbar möglich und würde laut Land Unter e.V. bis zu 20000 Euro pro Jahr kosten. Deshalb sei ein elektrifizierter Zaun die einzige kostengünstige und dauerhafte Möglichkeit zum Erhalt des Naturschutzgebietes in der jetzigen Form gewesen.

Bemühen um Finanzierung

Drei Jahre lang habe man sich um eine Finanzierung bemüht, die leider aus dem eigentlich dafür vorgesehenen Wolfsprogramm des Landes nicht möglich gewesen sei. „Denn dort werden nur 80 Prozent der Materialkosten bezahlt. Bei 3,5 Kilometern Zaun ist es im Ehrenamt, in dem der Vorstand bereits 600 Stunden pro Jahr leistet, aber nicht zu schaffen, selbst einen solchen Zaun zu bauen.“ Außerdem berechne das Land die Zuschüsse für Wolfszäune nicht nach den Erfordernissen vor Ort, sondern nach der Zahl der gehaltenen Schafe. „Heidepflege erfolgt aber extensiv, also mit wenigen Tieren auf großer Fläche. Vom Land hätten wir deshalb maximal 6566 Euro erhalten.“

Nun also sei eine andere Lösung gefunden worden. Aus dem Leader-Projekt Moor ohne Grenzen seien bis zu 25000 Euro zugesagt worden, der Landkreis Emsland habe 15000 Euro bereitgestellt und die Emsländische Sparkassenstiftung 8500. Der Verein steuere rund 5000 Euro aus Eigenmitteln für das Gesamtprojekt bei, zu dem unter anderem auch die Anschaffung von Niederländischen Landziegen gehöre.

Neue Landziegen

Der Verein dankte den vielen Mitstreitern in den eigenen Reihen und in den mit dem Bau befassten Behörden. „Wir sind im Emsland sehr gut unterstützt worden“, sagte Böckermann.

Landrat Reinhard Winter dankte dem Verein für den Erhalt einer „charakteristischen Landschaft.“ Diese sei ein wertvolles Kapital des Emslandes, in dem 15000 Hektar unter Naturschutz und 25000 Hektar unter Landschaftsschutz stünden. Viele ehrenamtliche Initiativen kümmerten sich um deren Erhalt und bildeten gemeinsam mit dem Hauptamt die Grundlage für den Erfolg.

Auch Meppens Bürgermeister Helmut Knurbein lobte das ehrenamtliche Engagement und freute sich über das artenreiche „Kleinod“ vor Meppens Haustür.

Lob und Dank

Oliver Rosen von der Emsländischen Sparkassenstiftung sah „Parallelen zwischen dem Verein und den Zielen der Stiftung“. Die Stiftung engagiere sich unter anderem für die Erhaltung von Kunst und Kultur, im Heimatgedanken und beim Denkmalschutz. Grundsatz sei die „Hilfe zur Selbsthilfe. Wir suchen dabei das ehrenamtliche Engagement. Und das wollen wir fördern.“

Und Sylvia Backers, Leiterin des Amtes für regionale Landesentwicklung Weser-Ems, Geschäftsstelle Meppen, das unter anderem für die Vergabe der Leader-Mittel verantwortlich ist, war sich sicher, dass das Geld in ein sehr bedeutsames und unterstützenswertes Projekt geflossen sei.

Das sah übrigens auch das Ehepaar Bäumler so. Mit 577 Kilometern hatten die beiden Vereinsmitglieder die weiteste Anreise zum Festakt. Zu den Ehrengästen gehörten neben den genannten Festrednern auch der CDU-Landtagsabgeordnete Bernd-Carsten Hiebing, der Leiter der Moorverwaltung Eberhard Masch, Versens Ortsvorsteher Gerd Gels und der stellvertretende Vorsitzende des Landes-Schafzuchtverbandes Weser-Ems, Ludwig Schmitz.

Nach den Festreden führte der Vereinsvorstand die rund 100 Gäste durch die Heide. Ein befreundeter Schäfer zeigte mit seinem Hütehund eine kleine Hütevorführung.


Zur Sache:

Der sogenannte wolfsabweisende Grundschutz für Schafe und Ziegen sieht im Wesentlichen folgendermaßen aus:

* Ein vollständig geschlossener, elektrisch geladener Nutzgeflecht- oder Litzenzaun mit einer Höhe von mindestens 90 cm

* Ein Untergrabeschutz, mit mindestens einer stromführenden Litze oder einem stromführenden Glattdraht mit maximal 20 cm Bodenabstand.

* Bei Verwendung stromführender Litzen oder Drähte müssen eingesetzte Weidezaungeräte eine Entladeenergie von mindestens 1 Joule aufweisen

Ein Knotengeflecht aus Metall muss folgende Bedingungen erfüllen:

* Maschendrahtzäune oder Knotengeflechte mit mindestens 120 cm Höhe, die bauartbedingt von Wölfen nicht durchschlüpft werden können und über einen Untergrabeschutz verfügen. Dieser kann darin bestehen, dass der Zaun mindestens 30 cm tief in den Boden eingelassen ist oder auf der Außenseite in maximal 20 cm Höhe und in 15 cm Abstand durch eine stromführende Litze oder einen stromführenden Glattdraht ergänzt wird.

* Alternativ können Knotengeflechtzäune auch durch ein fest mit dem senkrechten Zaun verbundenes Knotengeflecht ergänzt werden, das nach außen auf 100 cm Breite auf dem Boden aufliegt.

In Meppen-Versen wurde elektrischer Zaun gebaut, der mit einer Höhe von 1,40 Metern gleichzeitig auch ziegensicher ist. Ein fester Stromanschluss war für den Betrieb des Weidezaunes ebenfalls nötig.

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