Serie „Mein Job und ich“ Pressesprecherin der Stadt Meppen über Kurioses, Fake News und Geduld

Meine Nachrichten

Um das Thema Meppen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Meppen. Im übertragenen Sinn muss Petra Augustin sportlich sein. Sie ist Pressesprecherin der Stadt Meppen. Zu ihrem Beruf gehört es, den Spagat zwischen Verwaltung und Medien elegant hinzubekommen. Im Interview spricht die 31-Jährige über ungewöhnliche Anfragen, Fake News und Geduld.

Frau Augustin, Sie haben als Pressesprecherin einen Job, bei dem kein Tag dem anderen gleicht. Was macht den Reiz aus?

Aufgabenvielfalt und die Unberechenbarkeit (lacht). Der Reiz liegt wirklich darin, dass kein Tag dem anderen gleicht, kein Tag in Gänze planbar ist.

Worin sehen Sie Ihre Hauptaufgabe?

Meine Hauptaufgabe ist, ganz einfach gesagt, die Kommunikation nach außen und nach innen. Ich bündle die Rathaus-Geschehnisse, sorge dafür, dass die Öffentlichkeit darüber umfassend informiert wird. Umgekehrt fange ich aber auch Stimmungsbilder aus der Bevölkerung auf.

Hand aufs Herz: Gab es Tage, an denen Sie sich einen Job mit geregelten Arbeitszeiten gewünscht haben?

Ganz, ganz selten. Sobald dieser Wunsch aufkommt, mache ich mir schnell wieder bewusst, dass ich dann auf vieles verzichten müsste, was ich an dieser Stelle so mag.

Planbar ist Ihr Arbeitsalltag ja nur bedingt ...

Absolut! Das Tagesgeschäft verlangt vor allem Flexibilität. Themen können von jetzt auf gleich aktuell werden, da müssen laufende Projekte schon einmal beiseitegelegt werden.

Welcher Tag mit welchem Ereignis ist Ihnen in besonders positiver Erinnerung?

Mittlerweile hat es schon viele sehr schöne Ereignisse gegeben. Jüngst waren es sicherlich die Tage um den Aufstieg des SV Meppen. Auch der Besuch unserer polnischen Partnerstadt Ostroleka im vergangenen Jahr war ein Highlight.

Und welcher in negativer?

Der jüngste Eintrag von George Foreman in unser Goldenes Buch – da ich nicht dabei sein konnte (lacht). Das hat mich richtig geärgert. Nein, Spaß beiseite, so negativ, dass ich ad hoc daran denken muss, war noch kein Tag.

Sie sitzen an der Schnittstelle zwischen Stadtverwaltung und Medien. Wie schwer ist es, beiden Seiten gerecht zu werden?

Das ist so manches Mal ein kniffliges Geschäft, aber bislang immer noch gelungen, so meine Einschätzung. Und ich hoffe, die Pressevertreter sehen das ähnlich. Die Medien sind unser wichtigstes Sprachrohr nach draußen, das wollen wir bedienen. Gleichwohl müssen wir uns an verwaltungsrechtliche Vorgaben halten. So müssen beispielsweise in vielen Fällen Beschlüsse der politischen Gremien abgewartet werden, bevor wir mit einem Thema an die Öffentlichkeit gehen können. Das mag der Presse, vielleicht auch dem ein oder anderen Bürger so manches Mal langatmig und sehr stringent vorkommen, ist aber schlussendlich nur die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und eben auch ein Baustein gelebter Demokratie.

Wie schwierig ist es, auf Knopfdruck fundiert Auskunft zu geben?

Das ist absolut themenabhängig. Eine Stadtverwaltung agiert in ganz unterschiedlichen Bereichen, fundierte Auskünfte gebe ich da in den meisten Fällen nur nach Rücksprache mit Kollegen aus dem jeweiligen Fachbereich. Wir sind hier wirklich ein sehr gutes Team, und ich kann darauf zählen, dass ich schnellstmöglich und umfassend die erforderlichen Infos bekomme. So manches Mal bin ich allerdings froh, dass ich nicht mitbekomme, wie die Kollegen reagieren, wenn sie meinen Namen auf dem Display sehen, denn sie wissen mittlerweile, dass ich in den meisten Fällen sehr, sehr kurzfristig ihre Unterstützung benötige (lacht).

Als Pressesprecherin sind Sie teilweise auch Ghostwriterin, verfassen Reden. Wie viel Prozent Ihrer Arbeit nimmt das ein?

Das variiert tatsächlich „saisonbedingt“ und macht im Schnitt so rund 25 Prozent meiner Arbeit aus.

Reden und Statements erfolgen in der Regel in enger Absprache mit Ihrem Chef, dem Bürgermeister. In welchen eiligen Situationen handeln Sie ohne ihn?

Nie! Natürlich wird nicht jeder Post auf unserer Facebook-Seite oder der schnelle Bürgerkontakt via E-Mail abgesprochen, aber grundsätzlich erfolgt die Freigabe immer durch den Bürgermeister. In eiligen Situationen werden dann alle Mittel und Wege in Bewegung gesetzt, ihn kurzfristig zu erreichen. Ist er urlaubsbedingt oder aufgrund eines dienstlichen Termins verhindert, ist dann sein Stellvertreter, Erster Stadtrat Bernhard Ostermann, mein Ansprechpartner.

Apropos eilig. Journalisten brauchen Informationen immer sofort. Wie viel Geduld fordert Ihnen der Umgang mit ihnen ab?

Ich glaube, es ist eher umgekehrt (lacht). Denn in gewissen Situationen muss ich die Journalisten um Geduld bitten, zum Beispiel, wenn es um Infos zu einer Thematik geht, die erst noch in den städtischen Gremien behandelt werden muss. Die Zusammenarbeit ist sicherlich ein Geben und ein Nehmen, und ein jeder von uns weiß um die Situation des anderen. Vor diesem Hintergrund ist es weniger eine Frage der Geduld, sondern vielmehr eine Frage von Verständnis.

Kann man Geduld lernen?

Oh ja, ich kann mich noch an meine ersten „Presse-Schritte“ erinnern. Dringende Anfragen ließen da schon mal Nervosität aufkeimen – wie komme ich schnell an die Infos? Wo erreiche ich wen? Auch heute noch ist es spannend, aber die Kommunikation ist wesentlich entspannter. Nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund, dass man die Journalisten in vielen Fällen mittlerweile persönlich kennt.

Wir erinnern uns an das Blitzer-Pferd vom Meppener Schullendamm. Damals wollte auch die ausländische Presse Informationen. Das Telefon in der Pressestelle stand nicht still. Wie erleben Sie solche Ereignisse?

„Was hab ich heute eigentlich geschafft?“, ist an solchen Tagen eine Frage, die ich mir nach Feierabend dann gerne stelle (lacht). Ereignisse dieser Art lassen dann kaum noch das Tagesgeschäft zu – sind aber auch sehr amüsant.

Gab es danach ein ähnlich medienträchtiges Event?

Ich erinnere mich noch gut an ein Interview, das ich einem Schweizer Radiosender geben durfte. Hintergrund war die Geschichte um einen Teich und ein Handy. Ich glaube, die meisten wissen an dieser Stelle schon, worum es geht (lacht). Aber ganz nebenbei, noch heute verfolgt uns das Blitzer-Pferd, und ich bekomme hierzu immer mal wieder Anfragen von Magazinen und Fernsehsendern.

Regelmäßig sind auch Promis in Meppen zu Gast, tragen sich in das Goldene Buch ein. Inwieweit sind Sie da beteiligt?

Bei diesen Terminen bin ich vor Ort, knipse Fotos und veröffentliche die Besuche im Nachgang.

Welches war die interessanteste Begegnung?

Hierzu zählen sicherlich, neben vielen weiteren, der Besuch von Ministerpräsident Stephan Weil oder von DFB-Präsident Reinhard Grindel. Ein kleiner schöner Ausnahmezustand herrschte natürlich auch beim Empfang unseres ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck im vergangenen Jahr, wobei hier die Begegnung mit einem ziemlich großen Abstand stattfand (lacht). Trotzdem: ein tolles Ereignis!

Sie hatten verschiedene Chefs. Ist es schwer, sich auf deren Eigenarten einzustellen?

In der Funktion als Pressesprecherin habe ich unter zwei Bürgermeistern gearbeitet, den überwiegenden Teil schon heute unter Bürgermeister Knurbein. Ich hatte bislang das Glück, dass wir immer schnell ein eingespieltes Team waren.

Würden Sie sagen, dass Sie mittlerweile wissen, wie Meppens amtierender Bürgermeister „tickt“, wie er die Stadt nach außen dargestellt wissen möchte?

Ein ganz klares Ja! Andernfalls, so denke ich, würde dieses Interview heute nicht stattfinden (lacht).

Fake News – ein Begriff, mit dem Medien immer wieder in Verbindung gebracht werden. Zu Recht?

Leider ist dies zu einem Thema in der Medienwelt geworden, in meiner Position wurde ich damit jedoch noch nicht konfrontiert. Die Social-Media-Netzwerke wachsen mehr und mehr. Grundsätzlich sehe ich das als Vorteil. Man kann sich heutzutage schnell und umfassend auf vielen Wegen informieren – nicht informiert zu sein, ist da eher die Kunst. Die vielen Möglichkeiten bergen aber eben auch die Gefahr von Falschmeldungen. Quellen werden nicht mehr hinterfragt; für viele zählt die reißerische Schlagzeile oft mehr als der tatsächliche Wahrheitsgehalt.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten/sollten Pressesprecherin von Donald Trump werden. Eine Option?

Eine Option, über einen völlig neuen Beruf nachzudenken – nein, auf gar keinen Fall !

Ständen Sie heute noch einmal vor der Berufswahl: Würden Sie wieder Pressesprecherin werden wollen?

Streng genommen habe ich diesen Beruf ja nicht gelernt. Als Diplom-Verwaltungswirtin könnte ich auch auf eine ganz andere Stelle in der Kommunalverwaltung gesetzt werden. Ich fühle mich aber unglaublich wohl mit meiner Arbeit in der Pressestelle und hoffe, dass sie mir noch lange, lange erhalten bleibt.

Wie schalten Sie nach einem langen Tag voller Unberechenbarkeit ab?

Im ersten Schritt beim Sport, im zweiten an einem schönen Plätzchen fernab von Papier, Stift und Social Media.


Petra Augustin wurde 1986 in Leer geboren und wuchs in Papenburg auf. Sie wohnte kurz in Lathen und lebt seit Januar 2015 in Meppen. Nach dem Abitur machte sie eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten, studierte von 2009 bis 2012 Diplom-Verwaltungswirtin. Seit Sommer 2012 arbeitet sie im Büro des Bürgermeisters. Hier war sie zunächst für Ratsarbeit und teilweise für die Pressearbeit zuständig. Seit 2014 ist sie offiziell Pressesprecherin.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN