Messkampagne auf der WTD91 in Meppen Testflüge sollen Soldaten schützen


Meppen. Auf der WTD 91 in Meppen herrscht derzeit reger Flugverkehr. Verursacher ist eine international besetzte Messkampagne der NATO. Sie soll Fluggeräte vor Angriffen schützen helfen.

„EMBOW“ heißt die Kampagne, die die Wehrtechnische Dienststelle 91 in diesem Jahr zum fünften Mal durchführt. Und weil es sie insgesamt in Europa bereits 16 Mal gegeben hat, heißt diese nun „EMBOW XVI“. Nur bis Freitag noch, dann ist sie beendet und drei Wochen Flugbetrieb mit engem Zeitplan liegen hinter Tornadopilot Tom Emig, der als „Trial Manager“ für die Messkampagne die Verantwortung trägt.

Unterstützt wird er unter anderem von von Friedrich de Groot. Er arbeitet seit 1983 bei der WTD 91 in Meppen und ist für die Organisation vor Ort verantwortlich. Monatelang stand er in Kontakt mit den Kollegen aus 15 verschiedenen Nationen, die sich mitsamt ihren Fluggeräten und sensibler Messtechnik seit Anfang August in Meppen tummeln. „Deputy Trial Manager Range“ lautet seine englische Bezeichnung und Englisch ist auch die Dienstsprache für die bis zu 200 Teilnehmer von „EMBOW XVI“.

Geheimhaltung wichtig

Aus welchen Nationen die Soldaten mit ihren Ingenieuren genau kommen, soll nicht geschrieben werden. Mit den Nationen ist Geheimhaltung vereinbart worden, auch dürfen Details ihrer Verteidigungstechnik nicht gezeigt werden.

Denn genau darum gehe es, sagt Friedrich de Groot: „Wie kann man ein Fluggerät gegen den Beschuss mit Munition verteidigen, die sich per Infrarotsensor ihre Ziele sucht.“ Der Infrarotsensor reagiert dabei auf Hitze und steuert, ist er einmal entsprechend instruiert und abgefeuert worden, die Triebwerke eines Flugzeugs an. Nur Sekunden hat dessen Pilot Zeit, um sogenannte „flares“, also Täuschkörper ausstoßen zu lassen. Diese lenken durch ihre eigene Hitzeentwicklung das drohende Geschoss ab.

Das ist jedenfalls die Theorie. Denn in der Praxis gleicht Rüstungstechnik einem Wettrennen, in dem Angriff und Verteidigung immer wieder modernisiert werden. Man weiß also nie genau, wo man steht und ob das eigene Fluggerät ausreichend gesichert werden kann. „Das ist ein Wettrennen, das sie nie gewinnen können und nie verlieren dürfen“, sagt „Trial Manager“ Tom Emig.

Feuerstellung am Moorrand

Und deshalb testen die 15 Nationen in Meppen ihre Technik. Die meisten gehören zur NATO, einige sind aber auch sogenannte befreundete Staaten aus Europa. Am Rande der Tinner Dose hat Friedrich de Groot mit seinen Leuten eine Feuerstellung aufgebaut. „Aber gefeuert wird hier nicht wirklich“, sagt er. Eher handele es sich um eine Messstation – bestehend aus 70 Containern, vollgestopft mit Technik. Auf einigen wehen die Fahnen der beteiligten Nationen und besonders nahe kommt man nicht heran, jedenfalls nicht ohne die entsprechende Berechtigung.

Von der Messstation aus können die Techniker auf das Eintreffen von Transportflugzeugen, Kampfjets und Hubschraubern warten, die punktgenau auf festgelegten Flugbahnen in bestimmter Höhe und Richtung fliegen.

Der Luftraum ist für alle anderen Flugzeuge streng gesperrt, um Zusammenstöße zu vermeiden, ebenso darf die Umgebung nicht betreten werden. „Das ist für den Fall, dass ein Flare nicht richtig zündet. Dann könnte am Boden jemand getroffen werden“, sagt de Groot. Außerdem entfachen Flares ab und an mal ein Heidefeuer, das dann seinerseits Fußgängern gefährlich werden könnte. Zudem gebe es immer mal wieder Ärger mit sogenannten „Spottern“, also Menschen, die Fotos von Flugzeugen anfertigen, um sie zu sammeln. Und nicht zuletzt setzen Geheimdienste fremder Staaten viel daran, über die Rüstungstechnik der NATO informiert zu sein. Man hält sich also beser bedeckt.

Drei Wochen Messungen

Rund eine Woche dauern Auf- und Abbau der Messcontainer – dass die installierte Technik reibungslos funktioniere, sei übrigens eine der Stärken der WTD 91, sagt Pilot Tom Emig. „Jeder Messtag kostet die beteiligten Nationen Geld und ein reibungsloser Ablauf ist wichtig. Den bieten wir hier. Außerdem könnte eine einzelne Armee den Aufwand kaum betreiben. Hier teilen sich alle die Kosten.“

Um so effizient wie möglich zu arbeiten, gibt es einen genauen Flugplan, der jeden Tag in sogenannte Sorties unterteilt. Sie dauern jeweils 50 Minuten und bilden den Zeitrahmen für die Messung eines Fluggerätes. Wer wann an der Reihe ist, wissen die Nationen im Vorfeld. Transportmaschinen kommen dabei zum Teil von Luftwaffenstützpunkten, die etwas weiter entfernt sein können. Kampfjets sind in der Regel näher dran und die Hubschrauber – in diesem Jahr sechs verschiedene Modelle – parken auf der WTD.

Was genau die Sensoren und Radarsystem dann erfassen, unterliegt der Geheimhaltung. Aber am Ende geht es immer darum, die Schutzmöglichkeit der eigenen Fluggeräte zu verbessern. „Das ist für die Piloten in den Krisengebieten der Welt überlebenswichtig“, sagte Tom Emig. Dazu leiste die WTD im Emsland einen wichtigen Beitrag.


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