Serie „Mein Job und ich“ Nina Links über Alex, Muskelkater, Pannen und fast verpassten Einsatz



Meppen. Nina Links ist in Meppen „Wiederholungstäterin“. 2016 spielte sie auf der Freilichtbühne Meppen in „42nd Street“, jetzt, 2017, die Hauptrolle der Alex in „Flashdance“. Die 26-jährige Wahl-Meppenerin auf Zeit erzählt von Muskelkatern, Wunschrollen und der legendären Duschszene in der aktuellen Produktion.

Nina, das Publikum feiert die aktuelle „Flashdance“-Produktion in Meppen. Wie erleben Sie das von der Bühne?

Es ist wirklich immer eine einzige Party, sowohl nach einzelnen Nummern als auch am Ende des Stücks. Vor allem bei unserem Zugaben-Medley feiert das Publikum mit uns zusammen, und das ist ein tolles Gefühl, gerade wenn am Ende alle mit ihren Handylichtern wedeln, wenn ein Licht nach dem anderen aufblitzt, sieht es von vorne aus wie ein riesiger wogender Sternenhimmel – echt ein magischer Moment.

In beiden Stücken spielen Sie eine Tänzerin: 2016 Peggy Sawyer, 2017 Alex Owens. Haben Sie solche Rollen für die nächsten Jahre im Fokus?

Es ist toll, schon das zweite Jahr in Folge auf der Meppener Freilichtbühne so eine wunderbare Rolle spielen zu dürfen. Die beiden Rollen sind einerseits einander ähnlich in ihrer Leidenschaft zum Tanz, sei es Stepptanz oder Jazzdance, aber trotzdem sind beide doch unterschiedlich in ihrem Charakter. Diese Art von Rollen machen mir großen Spaß. Ich würde sie jederzeit wieder spielen, habe aber für die nächsten Jahre noch keine konkreten Pläne. Ich bin auch offen für andere Rollen.

Sie sind für „Flashdance“ seit Monaten in Meppen. Wie gefällt es Ihnen hier?

Meppen ist schon im letzten Jahr und dieses Jahr nun umso mehr zu meiner zweiten Heimat geworden. Ich wohne in einer herzlichen, liebevollen Gastfamilie, habe Freunde gefunden und ein tolles Arbeitsumfeld bei der Freilichtbühne. Das alles kann und will ich mir eigentlich nicht mehr aus meinem Leben wegdenken.

Gern getanzt und gesungen haben Sie schon als Kind?

Ja, Ballett- und anderen Tanzunterricht habe ich seit Kindertagen. Das Singen habe ich in den Musicalproduktionen meiner damaligen Schule lieben gelernt und war auch Teil einer Coverband.

Als viel tanzende Musicaldarstellerin müssen Sie ständig intensiv trainieren. Wann haben Sie sich das erste Mal blutige Füße getanzt?

Jedes Paar neue Tanzschuhe möchte natürlich eingetanzt werden, und da kommt es schon öfter mal zu kleineren Wehwehchen. Aber man kämpft nach einem intensiven Probentag eher mal mit hartnäckigen Muskelkatern als mit blutigen Füßen.

Hier geht es zur Bildergalerie der Premiere von „Flashdance“ in Meppen

Dachten Sie da oder später mal ans Aufgeben?

Eine kuschelige Miezekatze zwingt mich eher in die Knie als der fieseste Muskelkater (lacht). Aufgeben gibt es natürlich nicht!

Größer könnte der Gegensatz nicht sein: Sie haben mehrere Jahre eine Ballettschule besucht, machten dann „Modern Jazzdance“. Was macht mehr Spaß?

Wie so oft im Leben: Müsste ich mich entscheiden, würde ich beides wählen.

Gab es – im wörtlichen Sinn– mal einen üblen Ausrutscher auf der Bühne?

Open Air ist man natürlich immer auf gutes Wetter angewiesen. Vor allem im letzten Jahr war das Steppen (Metallplatten unter den Schuhen) auf einem Flügel vor allem bei Regen eine Herausforderung. Aber solange man nicht mit Bananenschalen nach mir wirft, fühlte ich mich immer sicher – klopf auf Holz. Wirklich, legen Sie eine Bananenschale auf zehn Quadratkilometer, ich werde sie treffen (lacht).

Apropos Pannen. Hand aufs Herz: Wann und wo haben Sie mal so richtig gepatzt?

In dem Moment, wo jemand auf der Bühne laut meinen richtigen Namen rief und nicht meinen Rollennamen, wurde mir bewusst „Oh, da solltest du jetzt wohl auch auf der Bühne sein!“ Das ist zum Glück bisher erst einmal passiert und war der Generalprobenpatzer, der wohl passieren muss, denn man weiß ja, was man über Generalproben sagt.

Bei „Flashdance“ in Meppen haben Sie auch die Choreografieassistenz. Wie schwierig ist das neben dem Spielen der Hauptrolle?

In den Monaten März bis Juni habe ich hauptsächlich mit dem Ensemble choreografisch geprobt, sodass ich mich dann in den drei Wochen Endproben im Juli hauptsächlich auf meine Rolle konzentrieren konnte. Man achtet natürlich schon ganz anders darauf, was die anderen auf der Bühne machen, aber gerade in der Endphase, wenn man selbst auf der Bühne steht, muss man es denen überlassen, die von vorne draufschauen, um auch selbst Teil des Ensembles zu sein. In Meppen kann ich die beiden Aufgaben supertoll kombinieren, weil es einem so leicht gemacht wird, weil alle an einem Strang ziehen – egal, in welcher Position man ist.

Zur Choreografie in dieser Produktion gehören auch mehrere Ballettszenen. Wie haben Sie sich und – als Unterstützung von Regisseurin Iris Limbarth – das Ensemble darauf vorbereitet?

Ich habe letzten Herbst in einem Wiesbadener Ballettstudio noch mal Stunden genommen, um meine Kenntnisse aufzufrischen. Und natürlich kann man von Iris Limbarth als ehemaliger Balletttänzerin wahnsinnig viel lernen. Sie hat auch zusätzlich zu den eigentlichen Choreografieproben regelmäßig für alle Interessierten Ballett-Training auf der Bühne angeboten, wo dann die Ballettstangen aus dem Stück ausgepackt wurden, um in der Meppener Sommersonne trainieren zu können.

Sie wurden 1991 geboren, also acht Jahre, nachdem „Flashdance“ über die Kinoleinwände flimmerte. Wann haben Sie diesen Kult-Film das erste Mal richtig wahrgenommen?

Wahrscheinlich Ende der 1990er-/Anfang der 2000er- Jahre. Solche Tanzfilme habe ich früher oft mit meiner Mutter geschaut: Flashdance, Grease, Fame, Footloose. Wir haben das geliebt und immer die Lieder mitgesungen. Definitiv Kult!

Ein weiteres Top-Musical ist „Mamma Mia“. Würde es für Freilichtbühnen freigegeben: Welche Rolle würden Sie gern spielen?

Gute Frage, ich glaube, dass das Stück super zur Freilichtbühne passen würde und auch das Publikum begeistern könnte. Altersmäßig würde ich wahrscheinlich momentan die Tochter spielen (Amanda Seyfried im Film). Aber falls es noch ein paar Jahre dauert, ist natürlich Donna, das Familienoberhaupt (Meryl Streep) die spannendste Rolle. Aber auch die Freundinnen von Donna sind super lustige und dadurch attraktive Rollen. Ich kann mich also mal wieder nur schwer entscheiden und würde mich einfach freuen, überhaupt das Stück mal zu spielen mit dieser tollen Musik, egal in welcher Rolle.

Wie viel Alex Owens steckt in Ihnen?

Ich glaube, wir sind uns nicht nur äußerlich nicht unähnlich. Ich finde, sie ist sehr offen und vor allem authentisch, was ich zumindest selbst auch versuche zu sein. Das kann man natürlich von sich selbst immer schwer beurteilen, aber ich denke, das ist etwas, was man sich von Alex abschauen kann.

Aufgrund Ihrer Ähnlichkeit zur Film-Alex: Wie schwierig ist es, die Hauptfigur im Musical nicht zu kopieren?

Man sollte nicht versuchen, in eine Idealvorstellung von etwas oder jemandem reinzupassen. Das gilt für Rollen auf der Bühne sowie im echten Leben. Natürlich braucht es bei so einem Stück aber auch einen gewissen Wiedererkennungseffekt. Manchmal ist es eine Gratwanderung zwischen „nicht imitieren“ und „nicht zu weit vom Original lösen“, aber ich habe zumindest versucht, bei Alex einen guten Mittelweg zu finden.

Nach der Saison ist vor der Saison. Welche Produktionen stehen als nächste an?

Im Moment betreue ich parallel noch ein Projekt in Ludwigshafen, wo ich mit dem dortigen Jugendclub des Theaters im Pfalzbau auch ein Musical einstudiere (Du bist in Ordnung, Charlie Brown), bei dem ich für die Einstudierung der Choreografien zuständig bin. Damit haben wir im September Premiere.

Wie schwierig ist die berühmte Duschszene? Sie werden ordentlich nass und sollen dabei noch sexy daherkommen ...

Ich habe es mir schlimmer vorgestellt, da ich von Anfang an wusste, dass es auf jeden Fall kaltes Wasser sein würde. Aber es ist einer der besten Momente am Abend, weil so viel Adrenalin ausgeschüttet wird. Der Körper ist ohnehin vorgeheizt vom kompletten ersten Akt, und es ist eigentlich ganz erfrischend, wenn man verschwitzt und angestrengt ist und die kleine Abkühlung bekommt.


Nina Links, geb. 1991 in Bad Honnef, entschied sich im Anschluss an ihr Musicalstudium in Frankfurt am Main, das sie 2012 mit Diplom abschloss, zunächst für ein Zweitstudium in Publizistik und Amerikanistik an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. In dieser Zeit war sie in mehreren Produktionen des Jungen Staatsmusicals am Hessischen Staatstheater Wiesbaden zu erleben, unter anderem als Sheila & Dionne in „Hair“, als Dorothy Brock in „42nd Street“, als Edwin Drood in „Das Geheimnis des Edwin Drood“ oder als Christine Colgate in „Zwei hoffnungslos verdorbene Schurken“. 2012 war die Wahl-Wiesbadenerin außerdem als Nymphe Ariel im Open-Air-Musical „Wasserfantasie“ in Neunkirchen zu erleben. 2015 übernahm sie erstmals die choreografische Einstudierung bei „The Full Monty“ am Theater im Pfalzbau Ludwigshafen sowie bei „Frühlingserwachen“ am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Bei der deutschen Erstaufführung von „The Pirate Queen“ am Theater Nordhausen coverte Nina Links 2016 die Titelrolle der Grace O’Malley. In Wiesbaden übernahm sie 2016 auch die Partie der Ida in der Operette „Die Fledermaus“.

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