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Kabelkran und Kraftwerk Gleise als Verbindung vom Moor bei Groß Hesepe bis zur Ems in Meppen und Rühle

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Meppen. Bis zum 2. April 1974 hatten die Autofahrer auf der B 70, die in Meppen auf der Umgehungsstraßen- brücke zwischen dem Schützenhof und Esterfeld die Ems überquerten, zwei seltsame Stahlgerüste im Blickfeld, die über den Fluss hinweg mit Drahtseilen verbunden waren.

Dieser Kabelkran markierte den östlichen Endpunkt des Werkbahnnetzes des Heseper Torfwerks (HTW), heute Klasmann-Deilmann GmbH. Weil die anliegenden Gemeinden von Groß Hesepe, Klein Hesepe und Rühle für die Bahn kostenlos Grundflächen zur Verfügung gestellt hatten, bezahlte das HTW mit dem Angebot des kostenlosen Personentransports für die Bewohner der Dörfer. Außerdem wurden Güter gegen Entgelt transportiert. Der alte Standort der Raiffeisen-Warengenossenschaft in Groß Hesepe befindet sich deshalb an der ehemaligen Werkbahntrasse, und auch in Rühle steht noch ein Güterschuppen einsam an einem Wirtschaftsweg, der auf der ehemaligen Bahnstrecke verläuft.

Während des Ersten Weltkriegs 1914 bis 1918 hatte sich gezeigt, dass der Transportweg per Feldbahn vom HTW zum Süd-Nord-Kanal in Twist, von dort weiter per Schiff über den Haren-Rütenbrock-Kanal zu r Ems und weiter zum Emshafen in Meppen zur Verladung auf die Eisenbahn mit seinen 53 Kilometern in zweieinhalb Reisetagen zu lange dauert. Ein Straßentransport über Schotterwege mit einigen gepflasterten Abschnitten sowie Holzbrücken mit maximal neun Tonnen Tragkraft kam nicht infrage. So wurde ab 1921 eine Werkbahn in 900 Millimeter Spurweite von Groß Hesepe über Klein Hesepe und Rühle bis zum Emsufer in Meppen-Esterfeld gebaut. 900 Millimeter Abstand von Schiene zu Schiene war auch beim Konkurrenten Griendtsveen üblich, der 1902 in Schöninghsdorf eine Torfstreufabrik eröffnete. Die breite Spur bedeutete eine größere Auflagefläche der Gleisanlage auf dem weichen Mooruntergrund und machte zugleich den Einsatz größerer Wagen möglich, was wegen des geringen spezifischen Gewichts des Torfes sinnvoll ist.

Transportseilbahn

Aber die Fracht musste über die Ems zur Bahnverladung im Meppener Hafen gebracht werden. Hier kam die Firma Pohlig aus Köln ins Spiel. Sie hatte sich durch Transportseilbahnen einen Namen gemacht. An Drahtseilen zwischen den dreibeinigen Stützgerüsten hängend, wurden die Kästen der Waggons mitsamt Fracht an das andere Emsufer gebracht. Die notwendige Kraft für die Zugseile lieferte anfangs eine mit Torf befeuerte Dampfmaschine. Auf der 1922 eröffneten 15 Kilometer langen Strecke vom Torfwerk zum Emsufer dauerte die Fahrt nur noch 45 Minuten.

1924 bis 1925 entstand in Rühle ein Torfkraftwerk, das ebenfalls an das Werkbahnnetz angeschlossen wurde. Mit dem Anschluss der Strecken des vom HTW gekauften Torfwerks Annaveen 1927 erreichte das Werkbahnnetz mit 45 Kilometer Länge seine größte Ausdehnung, es reichte von der Ems in Meppen bis nahe an die holländische Grenze. Jährlich bis zu 200000 Tonnen Brenntorf und Torfballen wurden in den besten Jahren auf den Schienen bewegt. Zudem übernahm der schmale Schienenstrang für die durch Straßen kaum erschlossenen Dörfer links der Ems Transportaufgaben, wie sie rechts der Ems die Kleinbahnen Lingen–Berge–Quakenbrück, Meppen–Haselünne und Hümmlinger Kreisbahn befriedigten.

Konkurrenz Straße

Konkurrenz gab es erst ab 1953. Mit der Süd-Nord-Straße erhielt das Heseper Torfwerk Anschluss an das Netz befestigter Straßen. Jetzt begann hier das direkte Umladen auf Lkw, was bislang nur im Meppener Emshafen möglich war. Der Ausbau der Landesstraßen 47 und 48 sowie der Kreisstraßen im Zuge des Emslandplans machte die Dörfer unabhängig von Transportleistungen der Werkbahn. 1968 ging das HTW dazu über, per Lastzug Torf und Substrate für den Bahnversand zum Bahnhof Osterbrock zu bringen. Die Bahnstrecke von Rühle bis zur Ems und der Kabelkran wurden 1972 stillgelegt. 1974 folgten der Abbruch des Kabelkrans und die Stilllegung des Torfkraftwerks in Rühle. Die Gleisanlagen zwischen dem Torfwerk und Meppen wurden abgebaut.

Der Trasse kann man noch folgen, auch wenn sie in Meppen-Rühle stellenweise überbaut worden ist. Im Stadtteil Esterfeld erinnern Werkbahnloren auf einem kurzen Schienenstück an den ehemals so wichtigen Schienenstrang. Und im Emsland Moormuseum in Groß Hesepe sind Schienenfahrzeuge sowie ein großes Modell des Kabelkrans sowie im Original der alte Dampfkessel von dessen Antriebsanlage zu sehen.


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