Konditor im Londoner Kaufhaus Meppener erhält Stipendium für Praktikum bei Harrods

Von Konstantin Stumpe

Der frisch gebackene Konditor Eike hat ein Stipendium für drei Wochen Praktikum in Londons Kaufhaus Harrods ergattert. Foto: Konstantin StumpeDer frisch gebackene Konditor Eike hat ein Stipendium für drei Wochen Praktikum in Londons Kaufhaus Harrods ergattert. Foto: Konstantin Stumpe

Meppen. Das begehrte Stipendium für ein Praktikum im berühmten Londoner Kaufhaus Harrods hat der 21-jährige Eike Schwenke de Wall ergattert. Gerade erst hat er seine Ausbildung zum Konditor-Gesellen bei der Konditorei Anneken in Meppen abgeschlossen, schon geht es in Englands Hauptstadt.

Ein Praktikum im Londoner Harrods ist für viele angehende Konditoren ein Traum. Die Lebensmittelabteilung mit ihren „Food Halls“ ist ein Grund dafür, weshalb das Harrods nach dem Parlament und dem Big Ben die beliebteste Sehenswürdigkeit für Touristen in London ist.

„Wegen des internationalen Publikums erfindet sich die Pâtissiere dort immer wieder neu“, schwärmt Frank Anneken von den Köstlichkeiten, die das Harrods bietet. Pâtisserie ist der französische Ausdruck für den Konditor. „Im Harrods arbeiten traditionell viele französische Feinbäcker“, erklärt Anneken. Auch er habe immer von einem Praktikum im Harrods geträumt. Der sei jedoch nicht in Erfüllung gegangen. Geschafft hat es nun sein ehemaliger Lehrling Eike Schwenke de Wall. Ab Montag taucht der 21-Jährige in die glamouröse Welt des riesigen Kaufhauses ein.

Im Sechsbettzimmer

Die Chance für das dreiwöchige Praktikum in London hat Schwenke de Wall über das Erasmus-plus-Förderprogramm erhalten. Das Programm der Europäischen Union unterstützt Studenten und Auszubildende während eines Auslandspraktikums. Von dem Fördergeld kann Schwenke de Wall die Flüge, das Sechsbettzimmer in einem Hostel sowie einen Teil der Verpflegung bezahlen.

In der Berufsschule erfuhr der 21-Jährige von der Möglichkeit, sich für das Stipendium zu bewerben. „Erst war ich skeptisch, ob ich den Platz bekomme, weil ich dachte, dass ich mich gegen Hunderte Bewerber durchsetzen muss“, sagt Schwenke de Wall im Gespräch mit unserer Redaktion. Seine Lehrerin in der Berufsschule habe ihn überzeugt, den Versuch auf jeden Fall zu wagen.

Weshalb es für ihn letztendlich klappte, könne er nur vermuten. Normalerweise mache man das Praktikum während der Ausbildungszeit. Schwenke de Wall schließt das Praktikum nun aber an seine Ausbildung an, „das kann man bis zu einem Jahr nach dem Abschluss“, sagt der 21-Jährige. „Vielleicht war das der Grund, weshalb ich angenommen wurde. Mit mir kommt jemand mit viel Erfahrung.“

Auch die Art der Ausbildung in Deutschland hat etwas mit der Zusage zu tun, glaubt Chef Frank Anneken. „Dass Eike angenommen wurde, zeigt wie viel Anerkennung das duale Ausbildungssystem aus Schule und Arbeit im Betrieb in Deutschland findet.“ Mit der Abschlussprüfung müsse man nicht nur die handwerkliche Begabung unter Beweis stellen, sondern auch theoretische Kenntnisse über Rezepturen und Eigenschaften von Lebensmitteln belegen.

Auch weil Schwenke de Wall schon seine Ausbildung abgeschlossen hat, hofft er, während des Praktikums nicht nur zuschauen zu müssen. Er will selbst mit anpacken und die Konditor-Trends aus aller Welt aufschnappen. Schließlich mache ihm seine Arbeit viel Spaß.

Zu Beginn seiner Ausbildung wusste er das noch nicht. Er habe sich zwar schon vorher etwas für Lebensmittel interessiert, welchen Beruf er wählen sollte, sei er sich aber noch nicht bewusst gewesen. „Ich hatte keine Lust auf Büro und auf den Bau, aber Handwerk sollte es schon sein. Irgendwie blieb da nur noch Konditor über“, erinnert sich Schwenke de Wall. Im Laufe der Ausbildung habe sich dann jedoch gezeigt, wie viel Freude ihm die Arbeit bereite. „Es macht Spaß, mit Lebensmitteln zu experimentieren und zu sehen, wie sich ein Produkt entwickelt.“

Eis und Pralinen

Zudem sei der Beruf des Konditors viel umfassender, als viele denken. „Ein Konditor stellt nicht nur Torten her, sondern auch Eis, Pralinen und Herzhaftes wie Quiches und Blätterteig-Gebäck“, erklärt Schwenke de Wall. Von der süßen Schokolade, Erdbeeren oder Pflaumen zu naschen, sei nur am Anfang eine Versuchung gewesen. „Irgendwann sind die Produkte nur noch ein Arbeitsmaterial. In diesem Jahr habe ich, glaube ich, nur zwei Erdbeeren gegessen.“