Andreas Eiynck als Referent Meppener Bethlehemgemeinde feiert Stiftungsfest

Von Petra Heidemann


Meppen. Mit interessanten Details, lebensnah und griffig hat Ethnologe und Landeshistoriker Andreas Eiynck beim Stiftungsfest der Meppener Bethlehemgemeinde den 500-jährigen Weg lutherischer Theologie von Wittenberg bis ins Emsland beleuchtet.

Das Stiftungsfest begann am Nachmittag mit einer Andacht unter der Leitung von Pastor Achim Heldt in der Kirche, nahm seine Fortsetzung bei Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus mit dem Rechenschaftsbericht über den Stand der Stiftung und dem Vortrag zur konfessionellen Geschichte des Emslandes und fand seinen Abschluss wieder in der Kirche mit einem abendlichen Sommerkonzert des Neuen Meppener Vocalensembles. Dieses führte den Spendenerlös der Veranstaltung wiederum der Bethlehem-Stiftung zu.

Eiynck erläuterte das Anliegen Martin Luthers, die mittelalterliche Kirche vom wenig christlichen Handel mit Ablassbriefen zu befreien, durch welche die Käufer meinten, sich und ihre Verstorbenen von irdischer Schuldhaftigkeit, sogar vor einer geplanten Sündentat, in Form von Tages- oder gar Jahresablässen freikaufen zu können, um dem allseits gepredigten Fegefeuer zu entkommen. So etwas gefährdete das kirchliche Geschäftsmodell der Fürstbischöfe und des Papstes und zog für Luther den Ketzerbann der Vogelfreiheit nach sich.

Bibel-Übersetzung

Doch unter dem Schutz seines Kurfürsten Friedrich machte Luther durch seine Übersetzung die Bibel dem Volk zugängig, und anstatt Verhaltensregeln und lateinischen Riten gegenüber zu stehen, sollten die Gläubigen sitzend Gottes verständlichem Wort als froher Botschaft angstfrei lauschen und deutsche Kirchenlieder singen, Priester heiraten dürfen, Priesterkinder volles Bürgerrecht erhalten. Die Errungenschaft des Buchdrucks war dabei der Verbreitung beider konträrer theologischer Standpunkte förderlich.

Welcher Konfession ein Bürger anzugehören hatte, war abhängig vorn der konfessionellen Entscheidung des jeweiligen Landesherrn: „Cuius regio, eius religio“ – wessen Gebiet, dessen Religion. Wer dem nicht nachkam, musste die Heimat verlassen. Aufgrund der Hoheitsgebiete war damit das Emsland protestantisch mit lutherischer Kirchenordnung. Die Wiedertäuferbewegung in Münster führte in Wietmarschen zu einem Gemetzel, Papst und Kaiser erklärten die Reformation als widerrechtlich, aber das Volk blieb lutherisch.

Calvinistisch, reformiert, rekatholisiert

Schließlich nahm das Kloster Corvey großen Einfluss. 1588 zog mit Graf Arnold von Bentheim der bilderstürmende strenge Calvinismus ein mit Abschaffung der Kirchenhierarchie. Der Kampf der niederländischen Oranier gegen die Habsburger ließ den Großteil der Gegend reformiert werden.

Erst mit den bayrischen Fürstbischöfen wurde das Emsland rekatholisiert, Jesuiten übernahmen Schulen und Institutionen. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde Lingen preußisch und kam wieder unter lutherischen Einfluss, weitere Diaspora-Kirchen in den emsländischen Städten folgten. Mit dem Zuzug des Flüchtlingsstroms aus den früheren deutsche Ostgebieten wuchs die Zahl der Protestanten, und mithilfe schwedischer Spenden entstanden zwölf Notkirchenbauten, die inzwischen denkmalgeschützten Bartning-Kirchen, die Chancen haben, Weltkulturerbe zu werden.

Vom Gegeneinander zum Miteinander

Längst sei mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und Aktivitäten wie im Kloster Frenswegen Dynamik in die konfessionellen Strukturen gekommen, sei aus dem Gegeneinander der Konfessionen ein Miteinander geworden, sagte Eiynck. Er hob die Bedeutsamkeit ökumenischer Pilgerreisen und des Besuchs von Papst Franziskus in der deutschen Gemeinde in Rom hervor, bei dem dieser einen goldenen Kelch überreicht habe, der sonst katholischen Bischöfen vorbehalten sei. Nun gelte es, auch weiterhin Standpunkte und Riten zu hinterfragen, um auf diesem gemeinsamen Weg weiterzugehen.

In ihrem Dank verwies Ulrike van der Ven, Vorsitzende der Bethlehem-Stiftung, auf die gute Zusammenarbeit mit der katholischen Gemeinde Maria zum Frieden und lenkte dann die Aufmerksamkeit auf die Wichtigkeit der Stiftung, aus deren Zinserträgen vornehmlich die Kinder- und Jugendarbeit nachhaltig gefördert werde. Abschließend erläuterte der stellvertretende Vorsitzende Dieter Engemann die aktuellen Zahlen, die Effizienz und das Wirkprinzip der Bonifizierung, sodass die landeskirchlichen Zuschüsse für Zustiftungen mit einer 33-prozentigen Verzinsung zu vergleichen seien, und legte den Anwesenden ans Herz, Zustifter zu werden.