Randale nach ausgefallenem Fußballderby Haftstrafen für Oldenburger nach Angriff auf das Jersey in Meppen

Von Harry de Winter


Meppen. Gläser- und Flaschenwürfe, Faustschläge, Fußtritte, ein zerstörtes Lokal – es war schon heftig, was am 15. November 2015 in der Kneipe New Jersey in Meppen vor sich ging. Drei der vier Oldenburger Randalierer, die zum Derby SV Meppen gegen VfB Oldenburg angereist waren, wurden nun zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt.

Eigentlich sollte am besagten 15. November 2015 das Nordderby zwischen dem SV Meppen und dem VfB Oldenburg stattfinden. Doch wegen der schlechten Witterung wurde die Begegnung abgesagt. Trotzdem hatten sich mehrere Gruppen aus Oldenburg bereits auf den Weg nach Meppen gemacht. Die meisten von ihnen begaben sich nach Bekanntwerden des Spielausfalls wieder auf den Rückweg. Nicht so einige Mitglieder des Klubs „ 33 Oldenburg “. Sie schlossen sich mit weiteren in Meppen verbliebenen VfB-„Fans“ zusammen und marschierten als Gruppe von mehr als 20 Personen durch die Innenstadt.

Jersey gestürmt

Aus Richtung Innenstadt kommend, gingen sie gegen kurz vor 14 Uhr über die Hase-Hubbrücke in Richtung Bahnhof. In der SV-Fan-Kneipe New Jersey, die sich kurz hinter der Hubbrücke in der Bahnhofsstraße befindet, herrschte reger Betrieb. Die Meppen-Anhänger genehmigten sich trotz des Spielausfalls das eine oder andere Bier. Als die Oldenburger die Meppener in ihrer Kneipe ausmachten, gingen sie in den Laufschritt über und stürmten lautstark das Lokal. Der Gastwirt versuchte noch, die Tür von innen zu verriegeln, um ein Eindringen der VfBler zu verhindern, doch er wurde mit Faustschlägen sowie Fußtritten angegriffen und verletzt. In der Kneipe gingen die Oldenburger Chaoten gegen die Gäste vor. Sie schlugen und warfen mit Barhockern, benutzten Flaschen und Aschenbecher als Wurfgeschosse. Die anwesenden Meppener wehrten sich zunächst, ergriffen aber schnell die Flucht durch den Hinterausgang. Der ganze Vorfall dauerte weniger als fünf Minuten, sorgte aber für viele Verletzte unter den Meppenern und einen hohen Schaden von über 12.000 Euro in der Kneipe.

Kameraüberwachung

Durch die Kameraüberwachung des Jerseys konnten vier Haupttäter durch die Polizei ermittelt und nun in Meppen vor Gericht gestellt werden. Die Anklage lautete in allen Fällen Landfriedensbruch in Tateinheit mit Körperverletzung. In vier einzelnen Prozessen beschäftigte sich das Amtsgericht Meppen mit den Oldenburger Chaoten.

„Bedrohlich und schlimm“

Im ersten Prozess wurde der Schläger, der den Gastwirt des Jerseys verprügelte, zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt. Weiter muss der Oldenburger die Kosten des Verfahrens und der Nebenklage tragen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 24-Jährige Landfriedensbruch in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung begangen hat. Nicht zuletzt sorgte für die eindeutige Beweislage das Videomaterial der Überwachungskamera des Jersey, auf der genau der Hergang zu verfolgen war. Der Gastwirt sagte als Zeuge aus und gab an, einen solch schlimmen Vorfall in seiner über 30-jährigen Tätigkeit als Kneipier noch nicht erlebt zu haben. „Es war bedrohlich und wirklich schlimm. Das war eine echte Attacke auf das Lokal. Ich wollte schlichten, stattdessen haben ich nur Schläge kassiert.“

Ein Bewährungsversager

Ein weiterer Randalierer, ebenfalls ein Oldenburger, wurden wegen besonders schweren Landfriedensbruchs zu einer zehnmonatigen Gesamtstrafe verurteilt. Der 34-Jährige hatte langes Vorstrafenregister und verbüßt bereits eine Gefängnisstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung. Zwar hatte er, genau wie der 24-Jährige, mit einem Spendenkonzert in Oldenburg 5600 Euro gesammelt, die an das Jersey als Entschädigung gezahlt wurden, doch eine Bewährungsstrafe konnte für die Richterin in keinem Fall angewendet werden. „Sie sind ein Bewährungsversager“, so die Vorsitzende. „Ich kann bei ihnen von keiner positiven Sozialprognose ausgehen.“

Kontakte zur Hooliganszene

Der dritte Oldenburger, ein 45-Jähriger, hatte bei der Attacke mit Barhockern nach den Gästen des Jersey geworfen und damit gedroht. „Wir wollten nur ein Bier trinken“, sagte er bei seiner Vernehmung aus. „Die Situation eskalierte. Ich wollte aber nur schlichten und meine Jungs aus der Kneipe zerren. Den Barhocker habe ich zum Schutz vor den Gläserwürfen benutzt.“

Diese Version der Geschichte nahm die Richterin dem Mann allerdings nicht ab. Einer Polizistin, die sich mit den Fangruppen des VfB Oldenburg beschäftigt, waren alle drei Angeklagten bestens bekannt. Als einen Schlichter bezeichnete sie den 45-Jährigen nicht. Er sei eher ein Rädelsführer der Gruppe. Weiter habe er Kontakte zur Hooliganszene. Bislang hatte der Oldenburger aber ein sauberes Führungszeugnis. Durch die Videoaufnahmen der Kneipe konnten ihm zwei Würfe mit Barhockern und die Beteiligung an der Attacke eindeutig nachgewiesen werden. Er bekam eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten, die zu einer Bewährungszeit von drei Jahren ausgesetzt sind. Weiter trägt er die Kosten des Verfahrens sowie der Nebenklage und muss 1500 Euro an den Kinderschutzbund zahlen.

Der Prozess des vierten Randalierers steht noch aus.