Schwanger auf dem Todesmarsch Polinnen berichten in Meppen vom Zweiten Weltkrieg

Von Martin Reinholz


mr Meppen. Drei Zeitzeuginnen haben im Windthorstgymnasium Meppen vom Zweiten Weltkrieg in Polen und der deutschen Besetzung des Landes berichtet.

In Zusammenarbeit mit dem Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen und dem Maximilian-Kolbe-Werk in Freiburg hatte der Fachobmann für das Fach Geschichte, Timo Berghoff, die Gesprächsrunden für Schüler der Klassen 10 und der Prüfungskurse Geschichte der Jahrgangsstufe 11 organisiert.

Barbara Pankowska, Halina Brzozowska-Zdunczyk und Elzbieta Podbielska sind in der polnischen Hauptstadt Warschau zwischen 1939 und 1945 geboren. Die Zeitzeuginnen sprachen mit Schülern und Lehrern über ihre Kindheitserlebnisse und die Erzählungen ihrer Angehörigen.

Marianne Drechsel-Gillner vom Maximilian-Kolbe-Werk in Freiburg begleitete Podbielska als Dolmetscherin. Der Vater von Podbielska kam während des Warschauer Aufstands im August 1944 ums Leben. Zwei Brüder ihrer Mutter starben in den Konzentrationslagern von Majdanek und Dachau.

Ihre schwangere Mutter wurde im September 1944 inhaftiert und zunächst in einem Übergangslager in Pruzkòw untergebracht und schließlich in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Besonders litt sie unter den stundenlangen Appellen, bei denen die Gefangenen in eisiger Kälte im Freien stehen mussten. Kurz vor der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee im Januar 1945 wurde ihre Mutter mit anderen Häftlingen durch die SS evakuiert und auf einen Todesmarsch geschickt. „Diejenigen, die vor Erschöpfung nicht mehr weitergehen konnten, wurden erschossen“, habe ihr ihre Mutter später erzählt. „Sie hatte keine Kraft mehr weiterzugehen, und sie wusste, dass auch sie erschossen werden würde, wenn sie zu langsam geht“, berichtete Podbielska weiter. Um ihr ungeborenes Kind zu retten, versteckte sie sich und wurde schließlich von Widerständlern gerettet.

Schweigen oder Erzählen

Ihre Mutter kehrte nach Warschau zurück, wo Elzbieta Podbielska im April 1945 geboren wurde. Sie besuchte das Gymnasium und wurde wissenschaftlich-technische und wirtschaftliche Dokumentarin. Berufliche Stationen waren in einer Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit und eine Bibliothek, sagte sie. Nach ihrer Pensionierung habe sie begonnen in einem Häftlingsverein ehrenamtlich zu arbeiten und als Zeitzeugin an Gesprächen mit jungen Menschen wie in Meppen teilzunehmen, fügte sie hinzu. „Wissen und nicht darüber sprechen – so beginnt das Vergessen“, sagte sie den Jugendlichen.

Ihre Mutter habe mit ihr nicht viel über die schrecklichen Erlebnisse gesprochen. Unter den Betroffenen gebe es zwei Gruppe, erklärte Podbielska. Die eine Gruppe spreche und erzähle viel über die Ereignisse, die andere Gruppe könne dies nicht. Sie lobte die Politik in Europa, die sich in den letzten Jahrzehnten für eine Öffnung der Grenzen als Voraussetzung für die Begegnung der Menschen eingesetzt habe.

Auf die „Zeitzeugenproblematik“ wies die Leiterin des Windthorstgymnasiums, Daniela Brüsse-Haustein, hin. Die Zahl der direkt Betroffenen sinke von Jahr zu Jahr.