Umweltausschuss berät Einwendungen Hasetal soll Schutzgebiet werden


Meppen. Die Ausweisung des Hasetals als Landschafts- und Naturschutzgebiet ist durch einen Beschluss des Umweltausschusses einen Schritt vorangekommen.

Die Schutzgebietsverordnung war Anfang des Jahres öffentlich ausgelegt worden. Der Umweltausschuss des Landkreises Emsland hatte nun über 68 Einwendungen von Privatpersonen und Trägern öffentlicher Belange zu entscheiden.

Wie bereits berichtet, plant der Landkreis die Umsetzung der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) der Europäischen Union in nationales Recht. Die EU gibt diese Ausweisungen für sämtliche FFH-Gebiete vor – es muss also in jedem Land eine nach dortigem Recht geltende Schutzgebietsverordnung erlassen werden, die inhaltlich dem höher gestellten EU-Recht entspricht. FFH-Gebiete und gleichrangig EU-Vogelschutzgebiete sind bereits vor Jahren in ganz Europa ausgewiesen worden. Der dadurch ausgelöste Schutzstatus gilt also bereits.

Rund 13300 Hektar FFH- und Vogelschutzgebiete hat der Landkreis Emsland bereits nach nationalem Recht geschützt, nun sollen im Hasetal zwischen Meppen und Haselünne 1200 Hektar als Landschaftsschutzgebiet und 893 Hektar als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden.

Die Kreisverwaltung verfolgt wie bei vorangegangenen ähnlichen Projekten das Ziel, die Ausweisung möglichst einvernehmlich mit den Betroffenen zu schaffen und hat deshalb wie schon an der Ems eine Ausweisung großer Teilflächen als Landschaftsschutzgebiet ermöglicht. Damit kommt sie den Landwirten entgegen, denen der auf Dauer vermeintlich weniger strenge Landschaftsschutz lieber war als Naturschutz.

„Muhne“ wird NSG

Die 893 Hektar Naturschutzgebiete an der Hase entsprechen entweder bereits bestehenden Naturschutzgebieten oder gehören dem Landkreis Emsland beziehungsweise sind mit den Besitzern abgesprochen.

So habe zum Beispiel die Markengemeinde Haselünne als Besitzerin der sogenannten „Muhne“, eines 45 Hektar Wacholder-Magerrasenkomplexes, beantragt, ihr Gebiet als Naturschutzgebiet auszuweisen und nicht als Landschaftsschutzgebiet, sagte Kreisbaurat Dirk Kopmeyer.

Auf die wichtigsten Einwendungen ging Kopmeyer folgendermaßen ein: „Der Bau und die Unterhaltung von Wegen bleiben möglich, unterliegen aber wie bisher der FFH-Verträglichkeitsprüfung. Die Nutzung von Trampelpfaden bleibt erlaubt, bestehende Einrichtungen wie Bootsstege und Campingplätze haben Bestandsschutz. Neue müssen nach FFH geprüft werden.“

Probleme mit der Verordnung hatten auch Waldbesitzer, die sich bei der Bewirtschaftung ihrer Bestände eingeschränkt sehen. Hier halte man sich an die Vorgaben von Land und Bund, sagte Kopmeyer. Einschränkungen gebe es aber ausdrücklich nur bei den sogenannten Lebensraumtypen-Wäldern, also den besonders wertvollen Biotopen.

Gegenwind

Eingeschränkt sehen sich auch einige Landwirte und Jäger. So gilt weiter ein Umbruchverbot für Grünland, ein Verbot der Narbenerneuerung und Vorgaben für die Gewässerrandstreifen. Das alles sei aber aufgrund der möglichen Anwendung zum Beispiel von „Greening“-Maßnahmen aber machbar, sagte Kopmeyer.

Die Jäger hatten sich beschwert, dass sie im Offenland keine festen Hochsitze installieren dürfen. Mobile sind erlaubt. Auch die Regelungen zur Fallenjagd, zu Wildäckern und der verbotene Beschuss von Säugetieren im Wasser (Verwechslungsgefahr mit geschützten Arten) sorgten für Ablehnung.

Mehrheitlich fand das Vorhaben im Umweltausschuss dennoch Zustimmung. Georg Nosthoff (CDU), Klaus Fleer (SPD) und Michael Fuest (Grüne) lobten das aufwendige und umfangreiche Schutzwerk, auch wenn Grüne und SPD einen höheren Anteil an Naturschutzgebieten gewünscht hätten.

Tobias Kemper (FDP), Hermann Meyer (UWG) und Hartmut Krüger (AfD) waren dagegen. Sie sahen mit unterschiedlichen Schwerpunkten die Freiheit und den Besitz von Bauern, Jägern und Anglern eingeschränkt. Kemper sprach von „kalter Enteignung.“

In der Einwohnerfragestunde sprachen das die Landwirte Hermann Tiering junior und senior aus Haselünne ebenfalls an. Sie bemängelten, dass nicht alle Grundeigentümer im Vorfeld befragt worden seien. Tiering senior erläuterte, vier Hektar seines Betriebes seien betroffen und mit der Schutzausweisung 150000 Euro Schaden entstanden.

Allerdings muss erst der Kreistag dem Vorhaben zustimmen, das im Ausschuss mit 13 Ja und drei Nein-Stimmen beschlossen wurde. Wie Dirk Kopmeyer auf Nachfrage bestätigte, ist derweil gegen das 2016 beschlossene Schutzgebiet an der Ems eine Normenkontrollklage eingereicht worden.


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