Blaulichtkonferenz in Meppen Was tun im Fall einer Katastrophe?

Von Georg Hiemann

Über Fragen des Katastrophenschutzes diskutierten Andrea Kötter,Daniela De Ridder, Angelika Claußen und Johannes Hessel (v. l.). Foto: Georg HiemannÜber Fragen des Katastrophenschutzes diskutierten Andrea Kötter,Daniela De Ridder, Angelika Claußen und Johannes Hessel (v. l.). Foto: Georg Hiemann

Meppen. Katastrophen können die Menschen jederzeit treffen, etwa als Super-Gau, als Umweltkatastrophe oder als Angriffe auf unsere zivile Sicherheit. „Deshalb müssen wir politisch immer so handeln, dass wir alle Fälle einkalkulieren und gut ausgerüstet darauf vorbereitet sind“, betonte MdB Daniela De Ridder auf der emsländischen Blaulichtkonferenz im Meppener Kolpinghaus.

De Ridder betonte, dass man für neue Herausforderungen wie zum Beispiel zunehmende Hackerangriffe sowie bekannte Szenarien wie Erdbeben, Überschwemmungen, Unwetter oder auch ein möglicher Super-Gau (Fukushima) stetige Vorsorge erfordern. Sie dankte den 1,8 Millionen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die sich im Bereich des Katastrophenschutzes aktiv engagieren, für ihren enormen Einsatz. „Ob im Rettungsdienst, bei der Polizei, den Feuerwehren oder beim THW, ob bei Ärztinnen und Ärzten, Sanitätern oder Apotheken usw. – in unserer Region sind viele Bürgerinnen und Bürger zu unserem Schutz aktiv. Die Politik müsse alles dafür tun, dass diese Blaulichtkräfte gut gerüstet den Herausforderungen begegnen können“. Auf der Meppener Blaulichtkonferenz waren Vertreter aller am Katastrophenschutz beteiligter Organisationen vertreten.

In ihrem Referat forderte die Expertin Dr. Angelika Claußen nach der Atomkatastrophe von Fukushima, wobei sie sich auf entsprechende Berichte und Gutachten berief, eine Ausweitung der Vorsorgebereiche um die Atomkraftmeiler. So habe die Strahlenschutzkommission (SSK) empfohlen, die sogenannte Außenzone, in der die Menschen Jodtabletten erhalten, von 50 auf 100 km zu vergrößern. In der Mittelzone, die von zehn auf 20 Kilometer erweitert werden solle, müssten die Menschen innerhalb von 24 Stunden evakuiert werden. In Ballungsgebieten würden die Behörden ihrer Meinung nach allerdings damit „hoffnungslos überfordert sein“. Die empfohlenen Evakuierungsradien seien nach Meinung der IPPNW (Internationale Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs/Ärzte in sozialer Verantwortung) allerdings immer noch zu klein anvisiert. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfehle Zonen von 100 bis 170 Kilometern, das Ökoinstitut sogar Zonen mit 50 Kilometern Breite und 600 Kilometern Länge.

Kritik am Eingreifswert

Claußen kritisierte auch den Eingreifswert, d. h. die Höhe der Strahlung in einem bestimmten Gebiet. So habe der SSK die Evakuierung und Zwangsumsiedlung ab einer Belastung von 100 Millisievert (mSv) innerhalb von 7 Tagen empfohlen. In Fukushima seien die Menschen bereits bei 20 mSv evakuiert worden, um den Unglücksmeiler von Tschernobyl bereits bei 10 mSv. Beruhigend für die Emsländer ist zumindest, dass das AKW Lingen bis 2022 abgeschaltet werden soll. Kritisch bewertete Claußen allerdings, dass das Lager für Brennelemente in Lingen nicht sicher gegen Flugzeugabstürze sei und forderte dazu auf, hier nachzurüsten.

Abgestimmte Planungen

Im Emsland gebe es durchdachte und mit allen Organisationen abgestimmte Planungen. „Allerdings habe Fukushima gezeigt, dass eine erhebliche Ausweitung der Schutzzonen erforderlich ist. Dazu brauchen wir neue Rahmenrichtlinien aus Hannover“, betonte Marc A. Burgdorf für den Landkreis Emsland. Im Falle einer Kernschmelze wäre wahrscheinlich, je nach Wetterlage und wechselnden Windrichtungen, das gesamte Bundesgebiet betroffen. Daher müsse ein solcher Notfall zentral von Hannover bzw. sogar aus Berlin gesteuert werden. Burgdorf erinnerte auch daran, dass im Landkreis ständig der Katastrophenstab geschult wird und die verschiedensten Szenarien durchspiele. Auf entsprechende Fragen von den Teilnehmer betonte De Ridder, „wir müssen in diesen Fragen von der kommunalen Ebene bis hin zur Bundesebene und bis zur europäischen Ebene gemeinsam planen, uns vorbereiten und agieren“. Deutlich wurde dies auch bei den Beiträgen der Zuhörer, die auf die teilweise katastrophalen Atomkraftwerke an den Grenzen zu Frankreich und Belgien hinwiese. „Katastrophen kennen keine Grenzen“, setzt De Ridder auf eine gute nationale und auch grenzüberschreitende Vernetzung aller Organisationen.