Kinderschutzbund braucht Spenden Meppen: Jedes dritte Kind Opfer von Gewalt

Von Georg Hiemann

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Nach wie vor großen Beratungs- und Hilfebedarf sehen Julia Siebert und Bernd Kuckuck vom Kinderschutzbund. Foto: Georg HiemannNach wie vor großen Beratungs- und Hilfebedarf sehen Julia Siebert und Bernd Kuckuck vom Kinderschutzbund. Foto: Georg Hiemann

Meppen. Die Zahl der Beratungsanfragen zeigen den ungebrochenen Bedarf nach Hilfe, Beratung, Aufklärung und Unterstützung aus. Dies ging aus dem Tätigkeitsbericht 2016 des Deutschen Kinderschutzbundes Ortsverein Emsland-Mitte hervor.

Die neue Leiterin der Beratungsstelle „bei Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“ Julia Siebert trug die Inhalte auf der sehr gut besuchten Mitgliederversammlung im Meppener Kreishaus vor. „Jedes dritte Kind erlebt Gewalt in der Kindheit, was oft ein lebenslanges Leiden bedeutet“, verwies Vorsitzender Bernd Kuckuck auf die Bedeutung der Beratung und Präventionsarbeit. „Kinderschutz geht uns alle an, weshalb keiner die Augen vor Gewalt und Missbrauch verschließen darf“, forderte Sozialdezernentin Sigrid Kraujuttis. Auch im Emsland sei dies leider präsent.

Sie dankte dem Kinderschutzbund für die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Landkreis Emsland. Gemeinsam knüpfe man mit Hilfe vieler Kooperationspartner ein dichtes Präventionsnetz, das jetzt sogar über die neue Zusammenarbeit mit dem Kreissportbund erweitert werden solle.

206 Beratungsanliegen

Aus dem Tätigkeitsbericht 2016 von Julia Siebert geht hervor, dass im vergangenen Jahr 206 Beratungsanliegen zu insgesamt 1.089 Beratungskontakten führten. Außerdem wurden 84 Präventions- und Öffentlichkeitsveranstaltungen durchgeführt. Ein Schwerpunkt lag in den Gesprächen mit den Eltern. „Gerade die Stabilisierung der engsten Bezugspersonen ist die wichtigste Grundlage für eine weitere gute Entwicklung“, betonte Siebert. Neben der Beratung von Eltern ist die Beratung von Fachkräften ein wichtiger Bestandteil der Arbeit.

Die meisten Anfragen an die Beratungsstellen erfolgten durch Mütter (98), Väter meldeten sich in 14 Fällen, gefolgt von 11 Selbstmeldungen Jugendlicher und Kinder.

45 Fälle sexueller Gewalt

In der täglichen Arbeit der Beratungsstelle des Kinderschutzbundes zeigte sich erneut, dass das Problemfeld „Sexueller Kindesmissbrauch“ nach wie vor leider an erster Stelle (45) steht. Häusliche Gewalt folgte in 35 Anfragen, körperliche Misshandlung mit 22 Anfragen. Allerdings vermischen sich auch oft sexueller Missbrauch und häusliche Gewalt. Mobbing folgte 2016 bereits mit 19 Anfragen an vierter Stelle, Tendenz steigend. Ein weiterer Blick auf die Vor-Ort-Beratungen und spieltherapeutischen Angebote zeigt, dass überwiegend Mädchen die Beratungsstelle aufsuchen, vor allem im Alter zwischen sechs und 14 Jahren. „Außerdem erreichten wir über unsere Beratungen mindestens 281 mitbetroffene Kinder und Jugendliche“. Insgesamt wurden 155 gebürtige Deutsche und 51 Personen mit Migrationshintergrund beraten.

Wichtige Präventionsarbeit

Die Präventionsarbeit mit Kindergärten und Schulen im Altkreis Meppen hatte im vergangenen Jahr die Schwerpunkte auf den Themen „Sexuelle Gewalt“, „Nähe und Distanz“ sowie „Kindeswohlgefährdung“. Außerdem wurden erneut verschiedene Projekte mit Kooperationspartnern durchgeführt, u. a. das Theaterstück „Ganz schön blöd“ sowie „Click it2“ von Zartbitter mit Lehrerfortbildungen und Elternabenden. Vor allem die Kooperation mit der Sportjugend Emsland im Rahmen von Gewaltprävention in der Aus- und Weiterbildung von Schulsportassistenten und Jugendgruppenleitern wurde erfolgreich fortgesetzt. Zur Präventionsarbeit gehören weiter Kooperationsprojekte mit der VHS Meppen und der Katholischen Erwachsenenbildung.

Auf Spenden angewiesen

Wie aus dem Kassenbericht 2016, den die neue Kassiererin Karin Többe vortrug, hervorging, konnte der Etat 2016 aufgrund der finanziellen  Unterstützung durch den Landkreis, durch die Kommunen aus dem Altkreis Meppen, Spenden, Bußgelder und Sponsoren ausgeglichen gestaltet werden. Gerade die Beratungsstelle „bei Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“ des Deutschen Kinderschutzbundes Emsland-Mitte könne ihre „wertvolle und unverzichtbare Arbeit“ nur mithilfe finanzieller Förderung durchführen. Seit 22 Jahren leiste sie ihre unverzichtbare Arbeit für Kinder, Jugendliche und Eltern.


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