Rededuell in Meppen E 233: Lügenautobahn oder notwendige Verkehrsachse?

Von Hermann-Josef Mammes


Meppen. In einem zweistündigen Rededuell haben Gerhard Roelfes, Geschäftsführer des Städterings Zwolle-Emsland, und Ulf Dunkel vom Verein „Verkehrswende Cloppenburg-Emsland“ die Vor- und Nachteile des vierspurigen Ausbaus der Europastraße 233 auf einer Länge von 82 Kilometern von Meppen bis Emstek beleuchtet.

Veranstalter war die Bürgerinitiative Exit 233. Rund 50 Zuhörer verfolgten am Donnerstagabend die Podiumsdiskussion in der Gaststätte Kösters in Meppen. Zu Beginn teilte Bernd Borghorst mit, dass er nach der Gründung der Bürgerinitiative in 2016 die Sprecherfunktion in „jüngere Hände“ gibt. Der 80-Jährige betitelte in seinem Beitrag den früheren emsländischen Landrat Hermann Bröring als „Urheber der Misere“. Dieser sei schuld, wenn „durch einen vierspurigen Ausbau das Emsland in zwei Teile zerschnitten“ werde.

Dreiköpfige Führung

In Zukunft wird die Bürgerinitiative von drei Personen gleichberechtigt geleitet: Karsten Osmers, Otto Quaing und Helga Boven-Janßen. Osmers schlug moderate Töne an: „Wir sind klar gegen den vierspurigen Ausbau, nicht aber gegen eine dreistreifige Lösung, wie bei der Bundesstraße 54 im Münsterland.“

E 233 verbindet Region

Gerhard Roelfes vom Städtering sieht in der Europastraße 233 die „West-Ost-Achse eines transeuropäischen Verkehrsnetzes“. Die Straße verbinde speziell die Grenzregion Emsland-Zwolle. Es gebe bereits viele Kooperationen im Bereich des Arbeitsmarktes, der Hochschulen, des Tourismus, der Logistik und Medien. „Auch die Europäische Union wünscht sich einen schnellstmöglichen Ausbau“, sagt Roelfes. Er erinnerte daran, dass die Niederlande auf ihrer Seite die Autobahn 37 bereits Ende 2007 eröffnete. Diese sei vorher wie die E 233 auf deutscher Seite als damalige N 37 eine zweispurige Straße gewesen. Mit dem Ausbau sei aus der „Todesstraße“ eine sichere Verkehrsader geworden. Laut Roelfes ereigneten sich hingegen auf der E 233 auf deutscher Seite weiter viele schwere Verkehrsunfälle mit zehn Toten in den vergangenen drei Jahren. Nach seinen Ausführungen würde ein vierspuriger Ausbau eine „Fahrt ohne Hektik ermöglichen und eine Zeitersparnis von 40 Minuten auf den 82 Kilometern beihalten.

Viele Ziele vor Ort

Er sagte, dass 75 Prozent der Verkehre auf der Europastraße 233 ihre Ziele in der deutsch-niederländischen Region hätten. Selbst viele auswärtige Lastwagen führen hiesige Logistikzentren an oder seien im Auftrag von hiesigen Spediteuren im Einsatz.

Ulf Dunkel vom Verein Verkehrswende widersprach den Ausführungen vehement und betitelte den vierspurigen Ausbau als „Projekt Lügenautobahn“. Das Vorhaben sei „völlig unwirtschaftlich“. Zudem sei es keinesfalls eine der meistbefahrenen Bundesstraßen. Mit 16.200 Fahrzeugen am Tag sei die Trasse sogar eher gering befahren. Es gebe andere Bundesstraßen mit bis zu 50.000 Fahrzeugen am Tag. Es sei nicht richtig, dass die Verkehre weiter zunähmen. „Ich hätte hierfür gerne aktuelle Zahlen“, forderte Dunkel.

Lügenautobahn E 233

„Als weitere Lüge“ bezeichnete er die Behauptung der Politik, dass die Region vom vierspurigen Ausbau profitiere. Die ländlichen Regionen verlören vielmehr durch solche Autobahnen, weil die Menschen dann verstärkt in die Großstädte führen. Dunkel wies weiter darauf hin, dass speziell das Emsland bereits eine „TOP-Region“ sei, die „keine Straße für eine bessere Zukunft“ mehr brauche. Er bekräftigte seine Forderung nach einem Transitverbot für Lastwagen, die die Trasse nur zur Durchfahrt von Antwerpen, Rotterdam/Amsterdam nach Hamburg/Bremen/dem Baltikum und Skandinavien nutzen. Diese sollten den 13 Kilometer langen Umweg über die A 30 und A 1 nehmen. Dunkel monierte, dass die ursprünglichen Planungskosten von sechs auf inzwischen 14 Millionen Euro angestiegen seien. Die Baukosten würden bereits auf 900 Millionen Euro geschätzt. Letztendlich würden es vermutlich sogar 1,5 Milliarden Euro werden.

Großer Flächenraub

Dabei falle ein Flächenbedarf von 500 Hektar an. Die Zahl der Ein- und Abfahrten verringere sich von 120 auf 20. Den Zeitgewinn für die Lastwagenfahrer bezifferte er auf „Null“. Dunkel kündigte bereits jetzt an, das man gegen die anvisierten Planfeststellungsbeschlüsse klagen werde. Damit werde der Baubeginn um weitere Jahre verzögert. Unter dem Applaus vieler Zuhörer resümierte er: „Es ist noch nichts verloren. Die Lügenautobahn wird noch nicht gebaut.“