Interview mit Kristina Dunz Meppenerin ärgert US-Präsident Trump mit Fragen

Von Heiner Harnack

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Kristina Dunz musste sich nach der Pressekonferenz mit Angela Merkel und Donald Trump beeilen, um den Luftwaffen-Airbus der Kanzlerin in Washington zu erreichen. Foto: dpa/Michael KappelerKristina Dunz musste sich nach der Pressekonferenz mit Angela Merkel und Donald Trump beeilen, um den Luftwaffen-Airbus der Kanzlerin in Washington zu erreichen. Foto: dpa/Michael Kappeler

Meppen. Vor einigen Wochen sorgte eine deutsche Korrespondentin für viel Wirbel während der Pressekonferenz anlässlich des Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Washington: die Meppenerin Kristina Dunz.

Die Emsländerin arbeitet seit 25 Jahren für die Deutsche Presseagentur (dpa) und ärgerte Präsident Donald Trump mit der Frage, warum ihm Pressevielfalt so viel Angst mache und er selbst Dinge behaupte, die er später nicht belegen könne. Unter anderem darüber sprach sie im Interview mit unserer Redaktion.

Sie sind als “Kanzlerkorrespondentin“für die dpa tätig. Was machen Sie genau als solche?

Das ist bei der dpa die Beschreibung für denjenigen, der über das Kanzleramt berichtet und seit Jahrzehnten auch die Partei des Kanzlers/in begleitet. Die Hauptzuständigkeit liegt aber in der Berichterstattung über das Kanzleramt.

Bedeutet dieses, dass Sie immer an der Seite Angela Merkels sind?

Fast. Bei den Reisen außerhalb Europas so gut wie immer, weil sie dorthin auch Journalisten mit nimmt. Sie macht es immer dort, wo es schwierig ist, eine Begleitung sicher zustellen. Zum NATO-Gipfel in Brüssel reisen wir selbst an. Das Programm der Kanzlerin ist aber stets so eng, dass ich nicht jeden Termin machen kann. Das wäre zeitlich mit den langen Wegen nicht durchführbar. Die großen, wichtigen Termine, wie Regierungserklärung, Parteitage oder Pressekonferenzen im Kanzleramt begleite ich.

Wo waren Sie zuletzt mit der Kanzlerin?

In Sotschi bei Putin. Davor auch in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Da gab es die Diskussion, ob Frau Merkel einen Schleier tragen müsse.

Das macht sie nie.

Mussten Sie einen tragen?

Bei einem Stadtrundgang wurden die Frauen gebeten, eine Abaya (Anmerkung: ein Überkleid, das Frauen in der Öffentlichkeit tragen) anzulegen. Ich habe das abgelehnt, weil ich sage, wenn die Kanzlerin es nicht macht, würde ich mich verkleidet fühlen und wollte das nicht.

Wie frei kann eine dpa-Korrespondentin aus diesen Ländern berichten, die nicht gerade Horte der freien Berichterstattung sind?

Ich kann von dort völlig frei berichten. Ich habe dort keine Einschränkungen. Solange man in diesem Medientross ist, wird nichts zensiert.

Wer hat in Washington entschieden, dass dort deutsche Journalisten auftreten durften? Waren Sie einfach aufgesprungen, um die Fragen zu stellen?

Das ist grundsätzlich geregelt. Bei internationalen Pressekonferenzen gibt es zwei Fragen pro Nation. In der Delegation waren wir fünfzehn Journalisten und haben uns mit den deutschen Journalisten in Washington in einem großen Kreis besprochen, wer fragen sollte. Dann macht man Vorschläge und die Gruppe entscheidet. Da die dpa fast alle Medien in Deutschland vertritt, bekommen wir häufiger den Zuschlag, weil sich dadurch keiner zurückgesetzt fühlt. Ich konnte auch Präsident Obama seinerzeit viele Fragen stellen.

Welchen Eindruck hatten Sie von Präsident Donald Trump, dem Sie nur einige wenige Meter gegenüber standen?

Es gab einige Momente an dem Tag. Im Oval Office, bei der Begrüßung. Dann einen runden Tisch mit Wirtschaftsvertretern, wo man ihm nahe kam. Es ist ein zu kurzer Eindruck. Der ist auch nur ein Mensch, bei dem ich mich nicht besonders ergriffen fühlte. Ich musste aber auch nicht besonders auf der Hut sein. Ich fand, dass er unterschiedlich wirkte. Beim runden Tisch war seine Tochter Ivanka dabei und er war sehr viel entspannter und sicherer. Im Oval Office hatte er eine Hemmung, Frau Merkel die Hand zu geben. Vielleicht wollte er es besonders gut machen, machte es dann aber besonders schlecht. Bei der Pressekonferenz war er schon angriffslustiger.

Waren Sie über das Feedback, das Sie später zu Ihrem Auftritt erhielten, da war viel Lob von den Amerikanern dabei, überrascht?

Ja, das hat mich wirklich überrascht. Bevor wir nach Washington flogen, wusste ich nicht, wie schlecht und dramatisch die Lage kritischer Journalisten dort ist. Als das Echo von Kollegen in Amerika kam, dass es Zeit gewesen sei, die Frage so zu stellen und dass es auch mutig gewesen sei, muss ich sagen, dass es keines Mutes bedurfte. Ich habe ja nichts zu befürchten. Ich komme nicht ins Gefängnis. Ich habe um die zweihundert Briefe aus den USA von Menschen bekommen, die sich dafür bedankt haben, dass ich so gefragt hatte. Das ist sicherlich sehr ungewöhnlich. Viele warteten dort, dass ihn mal einer fragt, welches Problem er hat.

Lassen Sie uns ein wenig in Ihre Meppener Vergangenheit zurückschauen. Welche Schule besuchten Sie?

Ich war auf dem Windthorst-Gymnasium.

Gab es seinerzeit schon den Berufswunsch, Journalistin zu werden?

Ich wollte immer gerne Korrespondentin werden. Ich war Schülersprecherin in der 13. Klasse und schrieb für die Schülerzeitung. Während des Studiums habe ich ein Praktikum in einer Lokalzeitung gemacht. Dann bekam ich ein Volontariat und ging sofort zur dpa.

Wie sehen Sie die Zukunft der Medien, wenn man in die USA unter Trump, nach Russland unter Putin oder nach Frankreich schaut, wo der Front National zehn Medien am Wahlabend ausgesperrt hatte?

Vor allen Dingen in Saudi Arabien und Russland gibt es dramatische Zustände, von denen wir uns gar kein Bild machen. Davon sind wir ganz weit entfernt. Aber in Deutschland hat die AfD die Leute auch ausgesperrt. Es gibt den starken Druck der rechten Seite und da ist der Nazi-Spruch der ‚Lügenpresse‘. Was ich aber auch bedenklich finde, ist der Spardruck vieler Medien. Dadurch, dass immer Wenigere immer mehr machen sollen, wird die Zeit für Recherche eingeschränkt. Das kommt Politikern wie Wirtschaftsleuten entgegen, weil dann auch nicht so genau hingeschaut werden kann. Für mich ist die Gefahr da, dass sich die Gesellschaft nicht mehr so gut und ausführlich informieren kann. Dadurch wird auch die Fähigkeit eingeschränkt, sehr bewusst zu wählen. Kann ich nicht mehr richtig in die Tiefe gehen, stellt sich auch die Frage nach der Demokratie. Wie unabhängig bin ich noch als Bürger und bin ich auch bereit, Geld für Informationen zu bezahlen? Das kostet etwas und da sehe ich ‚schwarz‘. Die Geringschätzung für unseren Beruf sehe ich etwas beängstigend.

Wie schnell müssen Sie als Agentur arbeiten, wenn Sie in Washington sind, da es ja auch große Konkurrenz gibt?

Sie müssen sehr schnell arbeiten. Als ich die Frage an Trump gestellt hatte, waren neun Kollegen, vier davon in Washington, mit der Pressekonferenz, auch über Fernsehen, beschäftigt und und haben berichtet. Zum Ende, als meine Kollegen von den Zeitungen erst anfangen konnten, hatte die dpa mit einem Großaufgebot die PK bereits verarbeitet. Das passiert auf breiter Ebene mit viel Text. Danach ging es mit der Kolonne zum Flughafen. Innerhalb dieser rund einen Stunde müssen Sie im Gehen und Fahren das richtig aufarbeiten. Bei TV-Sendern mit einer Live-Schalte sind Sie da schon eingeschränkter als wir.

Im Herbst verlassen Sie die dpa. Warum gehen Sie als stellvertretende Leiterin des Hauptstadtbüros zur ‚Rheinischen Post‘?

Ich bin jetzt seit 25 Jahren bei der dpa. Davon acht Jahre im Kanzleramt. Ich glaube, es ist gut, nach so langer Zeit etwas Neues zu machen. Ich hatte über Frau Merkel, als nicht klar war, ob sie zum vierten Mal fürs Kanzleramt kandidiert, so viel geschrieben, dass ich mir die Frage stellte, ob man diesen Job noch mit derselben Herangehensweise machen kann. Irgendwann muss man sich noch einmal neu erfinden. Ich werde etwas weniger unterwegs sein, aber es bleibt im guten Maße.

Wissen Sie schon, wohin Sie der nächste Termin führen wird?

Ja. Am 26. Mai werde ich zum G-7 Gipfel nach Italien fliegen.


Kristina Dunz, geboren am 1. Oktober 1967, machte 1986 Abitur am Meppener Windthorst-Gymnasium. Nach ihrem Volontariat beim Delmenhorster Kreisblatt wechselte sie 1991 zur Deutschen Presseagentur (dpa). Ab 2000 ist sie im dpa-Bundesbüro tätig. Arbeitsschwerpunkte: bis 2009 Verteidigungspolitik und Partei Die Linke, seither Kanzleramt und Union.

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