WTD 91 testet A400M Airbus im Tiefflug über dem Emsland: Was steckt dahinter?

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Meppen. Für Gesprächsstoff und Spekulationen hat im Emsland ein großes tieffliegendes Flugzeug am Freitag, 7. April 2017, über Meppen und Haren gesorgt. Viele Menschen beobachteten das Fluggerät und rätselten über den Sinn und Zweck des Fluges.

Unsere Redaktion hat bei der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition 91 (WTD 91) in Meppen nachgefragt und erfahren, was es mit dem „Manöver“ auf sich hatte. Dieter Grönninger, Stabsleiter der WTD 91, sagte dazu, dass es sich bei dem Flug um eine Erprobung der technischen Systeme der Airbus A400M gehandelt habe. „Der ganze Test des Flugzeugs dauerte von Montag bis Freitag. Der Airbus ist ein hochkomplexes Fluggerät“, so der Diplomingenieur. „Es ging bei dem Flug über der WTD vor allem um Tests der avionischen Systeme, also allen Geräten, die etwas mit dem Flugbetrieb und der Kontrolle zu tun haben.“ Dazu seien verschiedene Anflugsprofile geflogen worden, um die Elektronik zu erproben und zu kalibrieren.

Nicht unter 300 Metern Flughöhe

„Für manche Situationen war es erforderlich, dass die A400M sehr tief fliegen musste“, erklärte Grönninger. „Aber unter 300 Meter ist der Airbus nicht gekommen. Bei der Größe des Flugzeugs kann einem das allerdings schon wirklich tief vorkommen.“ Bei den Tiefflügen wurden auch die Verteidigungssysteme getestet, genauer die Täuschkörper, die bei Raketenbeschuss die Flugkörper stören und ablenken sollen.

Keine Starts und Landungen in Meppen

Obwohl die WTD 91 einen eigenen Flugplatz besitzt, startete bzw. landete der Airbus nicht auf dem Gelände. Die Landebahn sei einfach zu kurz dafür, so Grönninger weiter. Sie wird hauptsächlich für Hubschrauber und kleine Flugzeuge genutzt, um schnell in dem weitläufigen Gelände von A nach B zu kommen. Stattdessen soll die A400M von Munster bei Soltau gestartet und nach der Erprobung auch wieder gelandet sein.

Grafik: Bundeswehr

WTD 91 größtes Testgelände in Mitteleuropa

„Dass der Airbus gerade in Meppen auf der WTD 91 erprobt wurde, hat einen einfachen Grund“, wusste Grönninger. „Wir haben hier im Emsland das größte Testgelände in Mitteleuropa, um das uns viele andere Staaten beneiden. Wir arbeiten hier wissenschaftlich und gewinnen Daten, die für die Bundeswehr und ihre Partner sehr wichtig sind.“ Gerade bei militärischen Gerät sei es unabdingbar, dass alle Sicherheiten und Spezifikationen eingehalten werden, da es sonst schnell zu schwerwiegenden Unfällen kommen kann.

Bislang acht A400M im Besitz der Bundeswehr

Die A400M soll in verschiedenen europäischen Luftwaffen den veralteten Bestand an Transportflugzeugen wie die Transall C-160 und Lockheed C-130 Hercules ersetzen und zeichnet sich gegenüber diesen durch eine höhere Nutzlast und Reichweite aus. Das Flugzeug wurde aufgrund von Verzögerungen bei Entwicklung und Produktion zunächst nur als Standard-Transporter ausgeliefert. Viele der vorgesehenen militärischen Fähigkeiten werden erst nach und nach eingeführt. Die endgültige Version soll 2018 bereitstehen und die vorher ausgelieferten A400M dann nachgerüstet werden. Bislang sind acht dieser Flugzeuge im Besitz der Bundeswehr. Geplant ist die Anschaffung von insgesamt 40 A400M.


An der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition 91 (WTD 91) in Meppen arbeiten rund 1000 Beschäftigte. Die Dienststelle ist der größte Schieß- und Testplatz in Mitteleuropa. Verschiedenste Organisationen können hier Waffen und Ausrüstung testen. Die WTD 91 ist dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr unterstellt. Seit 1957 ist das Gelände im Besitz der Bundeswehr. Neben dem militärischen Nutzen ist die WTD 91 ein großes Naturschutzgebiet mit Moorcharakter, in dem viele seltene Tier- und Pflanzenarten leben. Ursprünglich wurde das Gelände 1877 von der Essener Firma Krupp errichtet, um Geschütze und Kanonen zu testen. Das damals dünn besiedelte Emsland war für die Einrichtung eines Schießplatzes ideal, das Gelände lag an der Bahnlinie vom Ruhrgebiet nach Emden.

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