Friedensgebet in der Kirche Poporatorium „Luther“ voller Herzblut in Meppen

Von Petra Heidemann


Meppen.  Das traditionelle „Friedensgebet“ in der Gustav-Adolf-Kirchengemeinde Meppen ist zu etwas ganz Besonderem geworden. So hat sich der Projektchor unter Leitung der Regionaldiakonin Maike Hofmann mit Ausschnitten aus dem Poporatorium „Luther“ gestalterisch maßgeblich eingebracht.

Das „Friedensgebet“ geht zurück auf die 1990er Jahre, als die Menschen in der Meppener Gemeinde sich angesichts des Golfkrieges zum gemeinsamen Gebet zusammenschlossen, um auf ihre Weise für den Erhalt des Friedens zu „kämpfen“. Dieses der Gemeinde über den Golfkrieg hinaus unverzichtbar gewordene Gottesdienstangebot belebte Pastor Ralf Krüger neu, indem er hier besonders Jugendliche anspricht.

aktiv einbringen

Außerdem öffnete Krüger ihn als Ort des 6-Wochen-Gedenkens für Verstorbene; Erwachsene empfinden ihn als Zäsur am Ende der Arbeitswoche. Hier ist auch Raum für besondere Gestaltung und Mitgestaltung, sei es als Bildmeditation, im flexiblen Eingehen auf aktuelles Tagesgeschehen in Meppen wie, in der Welt, sei es, dass man Gebete, Glaubensbekenntnis, Lesung und Kurzpredigt einbettet in Taizé-Gesänge oder orthodoxe Lieder. Auch in der Durchführung können sich Jugendliche wie Erwachsene aktiv einbringen. So bot es sich im Luther-Reformationsjubiläumsjahr geradezu an, im „Friedensgebet“ die eindrucksvolle Musik von Dieter Falk und die aussagekräftigen Texte von Michael Kunze des Poporatoriums „Luther“ musikalisch predigen zu lassen.

Herzblut und Strahlkraft

Maike Hofmann und ihrem Projektchor stand die Begeisterung der hannoverschen TUI-Arena-Erfahrung noch in den Gesichtern, und dieses Strahlen und die mit Herzblut und ganzer Kraft zu Gehör gebrachten Stücke des Poporatoriums  wurden zum zündenden Funken in der Gemeinde. Die einleitende Frage Krügers „Was hat Luther uns heute zu sagen?“ wurde zum roten Faden der musikalischen Verkündigung wie auch der Predigt. Indem der Chor als Ganzes wie als wechselnd hervortretende Solostimmen Luther, dessen Weggefährten aller Lebensphasen, Kaiser, Fürst, Prediger und Wirtschaftsmächtige zu Wort kommen ließ und auch die Widersprüchlichkeiten im Wesen Luthers in den Stimmen des Volkes zum Ausdruck kamen, wurde die Gemeinde zum Zeitzeugen.

Multiplikation ist die Zukunft

„Wissensexplosion! Illumination! Multiplikation ist die Zukunft!“ - was zu Luthers Zeit das neue Medium des Buchdrucks war, gilt in unserer digitalen Welt erst recht. So leuchtete manch deutliches Wort über „gebrochene Wahlversprechen“ und „Kredit-, Zins- und Inkasso-Praktiken“ von der Projektionswand bis in unsere Gegenwart hinein.

Luthers Glaubenskampf, seine Auseinandersetzung mit politischer Macht, Willkür und menschenverachtender Gewinnoptimierung, sein Ringen um wahre Erkenntnis und die Gewissensentscheidung, bis zur Selbstaufgabe allein Gottes Wort und Gnade zu vertrauen statt kirchlichen Paragrafen - all das berührte tief, forderte heraus, auch und gerade die Gegenwart unter diesen Aspekten neu zu sehen und zu beurteilen - rief auf zur Übernahme von Verantwortung für das Heute.

Das sei es, was auch nach 500 Jahren „Luther uns heute auf den Weg zu geben hat“, beantworte Krüger die Eingangsfrage. Er setzte als Schlusswort vor dem Segen „Die Wahrheit ist ein scharfes Schwert“ in Bezug zu „Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“.


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