Beim Autofahren mag Jason Weaver Techno Meppener dirigiert Hamburg Symphoniker in Elbphilharmonie

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Meppen. Es ist ein weiterer Höhepunkt in der Dirigentenkarriere Jason Weavers. Der Wahl-Meppener dirigiert am 11. April 2017 im großen Saal der neuen Elbphilharmonie in Hamburg die Symphoniker Hamburg. Sie spielen „Ein Amerikaner in Paris“ von George Gershwin.

Jason Weaver, gebürtiger Amerikaner, ist seit Jahren regelmäßiger Gastdirigent der Symphoniker in Hamburg. Er arbeitete in der jüngeren Vergangenheit mit namenhaften Orchestern: der Deutschen Philharmonie Merck, dem Göttinger Symphonie Orchester und dem Oldenburgischen Staatsorchester. Deutschlandweit dirigiert der 47-Jährige Konzertformate wie „Classic meets Pop“ in der EWE-Arena in Oldenburg sowie renommierte Filmkonzerte.

Mit sechs ans Klavier

Musik bestimmt von klein auf das Leben des Amerikaners. Er wuchs auf einer Ranch in Arizona auf und nahm bereits als Sechsjähriger Klavierunterricht. An das Instrument setzte er sich freiwillig, nicht weil die Eltern es wollten. Das Hobby machte er dann zum Beruf. Er studierte Musik an der Universität von Austin in Texas, schloss mit dem Masters Degree als Pianist ab.

1995 zog es den Musiker nach Europa. „Ich wollte hier meine musikalische Karriere fortsetzen“. Das erste deutsche Theater-Engagement führte Weaver 1996 an das am Landestheater Mecklenburg. Danach war er 15 Jahre lang als 2. Kapellmeister am Staatstheater Oldenburg tätig, leitete als Dirigent unterschiedlichste Werke und war regelmäßig in Kammerkonzerten und Liederabenden zu sehen.

Der Liebe wegen nach Meppen

Der Liebe wegen kam der Dirigent, der seit zwei Jahrzehnten in vielen großen Konzerthäusern den Taktstock schwingt, ins Emsland. Gemeinsam mit Partnerin Julia Felthaus und Labradorhündin Lou lebt er in Meppen, ist hier seit 2011 musikalischer Leiter der Freilichtbühne. Das künstlerische Schaffen dort ist vielfältig wie Weavers.

Zum Dirigieren kam er eher durch Zufall. „Das war während meines frühen Karrierestarts im Operntheater. Damals herrschte Mangel an Dirigenten am Theater, und ich wurde quasi ins kalte Wasser geworfen“. Die „Schwimmübung“ glückte mehr als und machte Weaver klar: Das Dirigieren liegt ihm besonders.

„Erstaunliches Erlebnis“

Es begeistert ihn, Musiker aus verschiedenen Teilen der Welt „mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Begabungen zusammenzubringen, mit ihnen zu arbeiten.“ Weaver schmunzelt kurz. Ja, es sei „immer wieder ein erstaunliches Erlebnis, wie so viele Musiker gleichzeitig unter meiner Leitung zusammen spielen“.

Bei Gershwins Stück stehen Musiker und Dirigent vor einer besonderen Herausforderung. In „Ein Amerikaner in Paris“ zeichnet der Landsmann Weavers mithilfe von Effektinstrumenten wie Hupen (Taxis) und Saxofonen musikalisch die Stadtbesichtigung eines Amerikaners durch die französische Metropole. „Das Werk ist für Weaver „wie ein Film ohne Bild. Einfach großartig“.

Technisch schwer

Und es ist für ein Orchester technisch schwer. Entsprechend groß ist der Respekt der Musiker davor. Am eigentlichen Konzertort können sie und ihr Dirigent nur einmal, am Tag vorher, gemeinsam proben, die Akustik des Neubaus ausloten, die für Weaver phänomenal ist. „Moderne Architektur und Akustik harmonieren hier einfach wunderbar“, findet der 47-Jährige, der im Dezember bei einer Backstage-Führung auch den Konzertsaal bereits kennenlernen durfte.

Die Partitur von „Ein Amerikaner in Paris“ gehört zurzeit zu Weavers täglicher Lektüre. Welche Orchestergruppe spielt wo laut, wo leise, wie kurz oder wie lang sollen die Töne sein? Der Dirigent hat viele Dinge zu berücksichtigen, muss letztlich entscheiden, wo es lang geht.

Auf das Konzert bereitet sich der Wahl-Meppener intensiv vor. Dazu gehört allerdings nicht, wie man denken könnte, dass er zu Hause ständig auch die entsprechende Musik hört. Im Gegenteil. Ein „nicht seltenes Musikerphänomen“, nennt der Texaner das. Und beim Autofahren? Dann kommt nur Techno in den Player. In allen Varianten, mit satten Bässen. Der Maestro ist hipp unterwegs. Die Erklärung Weavers für diese Vorliebe ist einfach. „Würde ich zum Beispiel die Musik von Gershwin hören, wäre ich gedanklich sofort zu 100 Prozent in dem Werk und seiner Partitur versunken, wäre abgelenkt und könnte mich nicht auf das Fahren konzentrieren.“ Techno dagegen halte wach.

„Aufgeregte Freude“

Das ist wichtig bei den zahlreichen Touren zu den unterschiedlichen Konzertorten, zu denen er teilweise lange Strecken zurücklegt. Einer der nächsten ist eben Hamburg und damit nicht so weit entfernt. Vor dem Konzert in der Elbphilharmonie ist er keineswegs nervös. Er empfindet eher eine „aufgeregte Freude“ vor allem auf die Probe und bei der „all das realisieren zu können, was ich mir beim Studium der Partitur vorstelle“. Für das Konzert selbst gelte wie bei jedem: „Man will nur noch reingehen und musizieren“.

Nicht im Frack

Die Kleidungsfrage hat Weaver für das Konzert in Hamburg bereits entschieden. Er wird, wie die Symphoniker auch, „Schwarz-schwarz“ tragen“. Schwarzes Hemd mit Stehkragen, schwarze Hose. Der Frack bleibt im Schrank. Der Dirigent liebt Armfreiheit und ausholende Gesten. Da enge die klassische Jacke mit dem Schwalbenschwanz doch eher ein. Zum Spaß deutet er eine Art Flatterbewegung an, die im Frack so nicht möglich wäre. Der Amerikaner in Meppen geht den „Amerikaner in Paris“ optisch also ein bisschen „legerer“ an ...


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