„Suchraum ausweiten“ Kritik an zweiter Stromtrasse durch das Emsland


Meppen. Das Vorhaben, eine zweite neue Stromtrasse durch das Emsland zu bauen, sorgt für Kritik. Denn nach jetzigem Stand wären wieder dieselben Gemeinden von der Planung betroffen, auf deren Gebiet auch schon die 380-kV-Trasse gebaut werden soll.

Das Projekt „Gleichstromleitung A-Nord Emden-Osterath“ ist seit Herbst 2016 bekannt, gerät aber in diesen Wochen verstärkt in den Fokus der Kommunen. Am 29. März wird es in Meppen eine große Informationsveranstaltung zu dem Vorhaben geben.

Dem Ausschuss für Kreisentwicklung hat Kreisbaurat Dirk Kopmeyer den aktuellen Sachstand bereits vorab erläutert. Keinen Zweifel ließen er und später auch Vertreter aller Parteien daran, dass die Energiewende unumkehrbar und sinnvoll sei. Die Frage der Ausgestaltung dürfte aber das Emsland noch lange beschäftigen.

Bündelungsgebot

Denn noch ist die seit langem diskutierte, und weitgehend oberirdisch geplante Stromautobahn Dörpen-Niederrhein lediglich in der Planung, da wird schon eine zweite Trasse angegangen, nämlich ein 300 Kilometer langes unterirdisches Gleichstromkabel, das ab dem Jahr 2025 ebenfalls die windreiche Küste mit dem Ruhrgebiet verbinden soll.

Das Problem: der kürzeste Weg dorthin führt auf langer Strecke durch das Emsland und zwar genau dort, wo auch die 380-kV-Leitung gebaut werden soll, die ihrerseits vor allem in Geeste und Meppen für Ärger sorgt, weil sich die Kommunen in ihrer Entwicklungsmöglichkeit eingeschränkt sehen.

24 Meter breite Trasse

Wie Dirk Kopmeyer berichtete, ist der Untersuchungskorridor derzeit noch sehr grob abgegrenzt. Die Leitung solle vorrangig als Erdkabel verlegt werden und benötige dann eine nicht überbaubare 24 Meter breite Trasse, die landwirtschaftlich genutzt werden könne.

Die Kreisverwaltung hat der Betreibergesellschaft Amprion bereits mitgeteilt, dass das Emsland schon über Gebühr belastet und eingeschränkt sei und eine Erweiterung des Suchkorridors nach Osten (Vechta und Cloppenburg) gefordert. Amprion sehe hier allerdings aus Kostengründen wenig Spielräume, sagte Kopmeyer. Mit den möglicherweise betroffenen Kommunen habe wolle man eine gemeinsame Position erarbeiten und öffentlich machen, nachdem die Dialogveranstaltung mit Amprion am 29. März in Meppen stattgefunden habe.

SPD-Antrag abgelehnt

Dieter Rothlübbers (CDU), Andrea Kötter (SPD), Birgit Kemmer (Grüne) und Marion Terhalle (FDP) waren sich darin einig, dass die Energiewende erforderlich sei und dabei natürlich Folgen habe, die im Landschaftsbild sichtbar seien. Allerdings sei das Emsland mit der ersten Stromtrasse bereits über Gebühr belastet.

Kötter betonte, die Debatte um die 380-kV-Trasse sei noch gar nicht zu Ende, da müsse man schon davon ausgehen, dass eine weitere gebaut werde, die dank Bündelungsgebot in der Nähe der ersten liegen dürfte. „Das ist schwer zu schlucken.“

Kötter schlug vor, einen Beschluss zu fassen, der die neuen Planungen nicht nur zu Kenntnis nehme, sondern den aktuellen Suchraum ablehne. Damit konnte sie sich aber nicht durchsetzen. Kreisverwaltung und Ausschussmehrheit wollen wie vorgesehen den Ortstermin in Meppen abwarten.

Die Amprion GmbH aus Dortmund wird die Trasse planen und bauen lassen – der Netzbetreiber stützt sich dabei auf das Bundesbedarfsplangesetz der Bundesregierung, das den Bedarf für eine weitere Stromtrasse neben der derzeit bereits ebenfalls für das Emsland geplanten 380-kV-Trasse festgelegt hat.


Erdverkabelung

Eine Erdverkabelung sieht folgendermaßen aus: Insgesamt ist ein 24 Meter breiter Schutzstreifen nötig, in den zwei jeweils fünf Meter breite Kabelgräben eingebracht werden. Darin liegen jeweils drei Kabel. Auf den 24 Metern dürfen fortan keine Gebäude gebaut oder Bäume mit tiefen Wurzeln zugelassen werden. Landwirtschaft ist aber angeblich ohne Einschränkungen möglich.

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