Ein Anruf dauert 25 Minuten Telefonseelsorge Emsland zieht Bilanz

Von Iris Kroehnert

Der Vorstand der Telefonseelsorge mit (v. l.) Ludger Plogmann, Pastor Roger Gehlen, Ulla Witza, Gislinde Prange, Hermann Niemann und Christoph Röttker. Foto: Franz HillmannDer Vorstand der Telefonseelsorge mit (v. l.) Ludger Plogmann, Pastor Roger Gehlen, Ulla Witza, Gislinde Prange, Hermann Niemann und Christoph Röttker. Foto: Franz Hillmann

Meppen. Zwei neue Beisitzer haben die Mitglieder der Telefonseelsorge Emsland/Grafschaft Bentheim auf der Jahreshauptversammlung im Gemeindehaus Sankt Vitus in Meppen gewählt.

Ulla Witza aus Lengerich ist ab sofort zuständig für den Bereich Fort- und Weiterbildung und übernimmt den Posten von Anne Buss, die aus familiären Gründen nicht mehr kandidierte. Christoph Röttker fungiert ab sofort als Bindeglied zwischen der Telefonseelsorge und der Politik und soll ein Netzwerk aufbauen.

Der Vorsitzende der Telefonseelsorge, Hermann Niemann, der für weitere vier Jahre im Amt bestätigt wurde, legte die Statistik des vergangenen Jahres vor. Die Mitarbeiter leisteten insgesamt 6136 Stunden Dienst am Telefon und führten dabei 9186 intensive und ernsthafte Gespräche. 49 Frauen und 13 Männer nahmen die Telefonate entgegen. Aus dem aktiven Dienst schieden fünf Personen aus und zehn ließen sich für unterschiedliche Zeit beurlauben. Acht neue Personen nahmen hingegen den aktiven Dienst auf.

Anrufe regional zugeordnet

Niemann hob hervor, dass alle Nachtdienste am Dienstag und am Freitag besetzt werden konnten. „Insgesamt waren 126 Nächte im vergangenen Jahr besetzt“, stellte er fest. Seit September 2016 würden alle eingehenden Anrufe regional zugeordnet. „So unterbleibt die Verteilung der bundesweiten Handyanrufe auf alle Stellen“, erläuterte Niemann. Dies habe zur Folge, dass die Telefonseelsorge im Emsland und in der Grafschaft Bentheim einen leichten Rückgang an Anrufen zu verzeichnen habe. Allerdings sei die Zahl der wirklichen Beratungsgespräche um 7,3 Prozent gestiegen. Die Dauer eines Gesprächs bezifferte er durchschnittlich auf 25 Minuten.

Ludger Plogmann, Geschäftsführer der Telefonseelsorge, berichtete über die Sorgen und Nöte der Anrufer. Die meisten griffen wegen ihres körperlichen oder seelischen Befindens zum Hörer. Plogmann nannte besonders Selbstmordgefährdung, Ängste und Depression. Ebenfalls recht hoch sei die Zahl der Anrufer, die wegen Problemen in der Partnerschaft oder in der Familie ihr Herz ausschütteten, gefolgt von solchen, die mit den Folgen einer Trennung nicht zurechtkommen sowie von Menschen, die über Einsamkeit klagen. Rückläufig hingegen seien Anrufe, die die finanzielle und materielle Sicherheit betreffen.

Supervision angeboten

Für die aktiven Mitglieder wird eine Supervision angeboten. Derzeit bestehen fünf Supervisionsgruppen in Meppen und eine in Lingen. Die zehn Termine, die sich jeweils über drei Stunden erstrecken, sind für die Mitarbeiter verpflichtend. „Supervision bedeutet das Überprüfen und Reflektieren der Anrufe“, erklärte Niemann den Zweck der Fortbildung.

Der Telefonseelsorge gehören aktuell 146 Mitglieder an. Der Vorstand arbeitet ehrenamtlich und besteht aus dem Vorsitzenden, der stellvertretenden Vorsitzenden Gislinde Prange, dem bischöflichen Beauftragten sowie drei Besitzern. Die Geschäftsstelle wird vom Geschäftsführer geleitet, der 13 Stunden pro Woche seinen Dienst versieht. Eine Mitarbeiterin übernimmt an elf Stunden pro Woche Büroarbeiten.

Neue Ausbildung

Ein neuer Ausbildungskurs mit elf Teilnehmern begann im September 2016 unter der Leitung von Beate Leugers-Warnking und Markus Melnyk. Die Kosten der Ausbildung konnten durch Zuwendungen des Bistums, des Landkreises Emsland und der Stadt Meppen finanziert werden. Außerdem standen der Telefonseelsorge Einzelspenden, Mitgliederbeiträge und regionale Kollekten zur Verfügung, die ebenfalls in die Ausbildung flossen. Ende 2017 ist ein neuer Ausbildungskurs geplant. Interessenten können sich schon jetzt in der Geschäftsstelle melden.

Info: Telefonseelsorge Emsland/Grafschaft Bentheim, Postfach 1702, 49707 Meppen, E-Mail: telefonseelsorge-emsland@t-online.de