Harener planen Fußballspiel „SV Meppen gegen Rafah? Das wäre sensationell.“

Von Jan Grothe


Haren. Einer der größten Wünsche eines sympathischen Harener Ehepaaers wäre ein Jugend-Freundschaftsspiel zwischen dem SV Meppen und dem FC Rafah/Gaza aus Palästina. „Wenn wir das umsetzen könnten, wäre es eine kleine Sensation“, sagt Bernd Markert aus Haren. Der Professor und seine Frau Simone Wünschmann sind Naturwissenschaftler und reisen beruflich um die ganze Welt.

Der Professor und die Doktorin haben sich der Forschung verschrieben. Dafür jetten sie gemeinsam durch die ganze Welt, um ihrer Arbeit nachzugehen und auf Konferenzen Vorträge zu halten. Sie sehen Orte, die viele Menschen nicht zu sehen bekommen. Ende März fliegen sie nach Ägypten zu einer Konferenz über Bio- und Umweltwissenschaften und Ende August geht es nach China zum 12. Internationalen Kongress für Umweltforschung.

„Wann immer wir können, verfeinern wir unsere Reisen gerne mit sozialen und kulturellen Ausflügen“, sagt Markert, der außergewöhnliche Souvenirs sammelt. Aus Golgatha haben sie Binsenkraut mitgenommen, von der Klagemauer in Jerusalem kleine Äste des Kapernbuschs, einen Stein aus dem Fluss Jordan oder Rotwein aus Galiläa. „Mit jedem Andenken verbinden wir schöne Erinnerungen, die wir unser ganzes Leben nicht vergessen werden“, schwärmt der 58-Jährige.

Besuche von SOS-Kinderdörfern

„Besuche der SOS Kinderdörfer stehen bei uns ganz oben auf dem Plan. Es sind für uns prägende Momente, die Kinder zu besuchen und zu unterstützen“, sagt der „Sponsor“ von weltweit zehn Kinderdorf-Patenkindern.

Zum Höhepunkt eines jeden Jahres gehören ihre „In Between Tour“ im November. „Dann reisen wir für drei Wochen in den Nahen Osten, treffen langjährige Freunde und erweitern unseren kulturellen Horizont“, erzählt Simone Wünschmann. 2016 ging es bei ihrer vierten Tour in den Libanon, nach Israel und Palästina, speziell in den Gazastreifen.

Auf persönliche Einladung der Arab Academy of Sciences (AAS) besuchen sie wissenschaftliche Kongresse und haben sogar den Ex-Ministerpräsidenten Jordaniens, Adnan Badran und den ehemaligen syrischen Bildungsminister Nazir Ibrahim getroffen und interviewt. „Es waren höchst interessante Gespräche. Da bleiben auch politische Themen nicht aus“, so die 49-Jährige.

Alternativer Energiestandort

Als einen der Höhepunkte ihrer letzten Tour wollten sie im Gazastreifen den Aufbau eines alternativen Energiedorfes im SOS Kinderdorf Rafah vorschlagen, den das Unternehmen Siemens dort umsetzen soll. Doch ihr Vorhaben war gefährlich und nicht einfach. Der Gazastreifen ist Teil der Palästinensischen Autonomiegebiete und wird von der terroristischen Vereinigung Hamas regiert. Israel kontrolliert die Außengrenzen des kleinen Gebietes von der Land- sowie der Meeresseite aufs Schärfste. „Es ist unmöglich, als normaler Tourist in den Gazastreifen zu reisen“, sagt Markert. Doch im Namen der Hilfsorganisation erhielten die Harener die Erlaubnis zu diesem Abenteuer.

Mit dem Taxi durch Jerusalem

„Als es losging, wurden wir morgens in Jerusalem mit dem Taxi abgeholt“, sagt Wünschmann. Das Taxi wurde von Mohammed Shalaldeh, Direktor der SOS-Kinderdörfer in Palästina, organisiert und angewiesen. Er ist ein guter Freund des Harener Paares. „Anders war es nicht möglich, wir brauchten diese Vertrauensperson.“ Nach anderthalb Stunden Fahrt kamen sie in Erez an, ein Ort an der stark bewachten Grenze Israels. „Dort ist die einzige Stelle, an der Menschen im Namen der Hilfsorganisation in den von den Hamas regierten Gazastreifen dürfen“, so Wünschmann. „Zur Sicherheit haben wir in unserem Hotel in Jerusalem unsere Telefonnummern hinterlassen, falls etwas passiert.“ Eine gewisse Anspannung lag in der Luft. Mit Herzklopfen ging es weiter.

Hinter Sicherheitsglas

Nachdem sie ihre Pässe und Erlaubnisschreiben vorzeigten, gingen sie in eine Art Käfig. „Dort saßen, hinter Sicherheitsglas, zwei bewaffnete israelische Soldatinnen, die uns zu den Gründen unserer Reise befragten. Die Frauen waren aber so nett zu uns, dass die Weiterreise kein Problem war“, erinnert sich Wünschmann. Ob sie denn selber schon einmal im Gazastreifen waren, wollte sie von den beiden wissen. „Never, of course not“, so die klare Antwort der Soldatinnen. Was sich hinter der nächsten Tür befindet, wüssten sie nicht. Durch diese gingen die Harener als Nächstes und kamen in einen großen, menschenleeren Raum. „Ganz hinten war ein kleines Schild mit der Aufschrift ‚Gaza‘ und einem Pfeil“, so die Doktorin. „Das war schon sehr skurril.“ Durch einen langen, düsteren Tunnel ging es weiter. „Ein beklemmendes Gefühl. Wir konnten ja auch nicht mehr zurück“, ergänzt Markert.

Käfigartige Grenze

Nach weiteren Kontrollen kamen sie endlich in die käfigartige Grenze zum Gazastreifen , die von Kämpfern der Hamas bewacht wurde. Links und rechts mehrere hundert Meter vermintes Gebiet. „Die waren aber sehr nett und freuten sich, dass mal Besuch kam“, sagt Wünschmann mit einem Lächeln. Kurzentschlossen fragte sie die Kämpfer, ob diese von ihr und Bernd ein Erinnerungsfoto machen könnten. „Yes, no problem“ war die überraschende Antwort. Von ihrem Freund Sami, Leiter des SOS Kinderdorfs in Rafah, wurden sie schließlich bei der Ankunft begrüßt. „Sein Geburtsort ist interessanterweise Dortmund. Als Baby zog er mit seinen Eltern nach Rafah.“ Sami ist auch der Einzige, der den Gazastreifen im Namen der Hilfsorganisation verlassen darf.

Schreckliches Bild

Angekommen bot sich dem Paar ein schreckliches Bild. „Im Gazastreifen sah es aus wie in Syrien, vieles war zerstört“, sagt Wünschmann besorgt. „Die Palästinenser können nirgendwo hin. Es ist das größte Freiluftgefängnis der Welt.“ Wer die Sicherheitszone der Israelis betritt, wird erschossen. Sami nahm die beiden dann in seinem Auto mit. Nach anderthalb Stunden Fahrt entlang des blauen Meeres mit seinen idyllischen Fischerhäfen kamen sie in Rafah an. „Das SOS Kinderdorf war ein großer Kontrast zur zerstörten Umgebung. Es war wie eine grüne Oase“, sagt die Doktorin. Noch 2014 wurde es bombardiert, viele Kinder sind traumatisiert. „Dazu kommt, dass die Israelis den Strom kappen und die Palästinenser unter Wassermangel leiden“, erklärt Bernd Markert. Das alternative Energiedorf von Siemens soll die Menschen dort unabhängiger machen.

Hilfe erwünscht

„Da wäre eine Reise nach Meppen sensationell. So etwas hat es noch nie gegeben“, so der Wissenschaftler. „Für viele Kinder wäre es eine sinnvolle Abwechslung.“ In Zusammenarbeit mit Sami wollen Markert und Wünschmann die Verantwortlichen in Israel davon überzeugen einem Fußballteam aus Palästina die Reise außer Landes zu gewähren. „Im April kommt Sami bereits nach Deutschland, und dann möchten wir uns mit dem SV Meppen zusammensetzen. Vielleicht bekommen wir auch Hilfe von Siemens, um unseren Plan umzusetzen.“

„Die Kinder in Rafah haben außer Kriegern keinerlei Idole“, weiß Markert. Terror und Gewalt sind die beherrschenden Themen, nicht Sport. Für ihn ist das Freundschaftsspiel daher ein schöner Traum dieser Hölle einmal zu entfliehen. „Es wäre einfach eine Sensation und ein positives Zeichen.“ Mit Sami verbrachten die Harener dann noch interessante Stunden im SOS Kinderdorf Rafah. Am nächsten Tag ging es dann wieder zurück nach Israel. Zum Abschied ihrer Reise bekamen die Harener noch eine Flasche Gaza Wein und eine Rose geschenkt. Beides haben sie als Andenken an ihren friedlichen Aufenthalt mit nach Deutschland genommen.

Reise in den Nahen Osten

Im November 2017 steht ihre fünfte „In Between Tour“ auf dem Programm. Dann kehren sie, auch auf Einladung von Jordaniens Königin Rania, zurück in den Nahen Osten. Auch ein Besuch im Gazastreifen steht wieder auf dem Plan. Und mit einem positiven Zeitungsartikel als Argument möchte Bernd Markert die Verantwortlichen dort beeindrucken und überzeugen, „die Fußballer des FC Rafah/Gaza aus dem Gazastreifen nach Meppen zu holen“, so Markert optimistisch. „Und das natürlich mit einem Rückspiel in Gaza“, scherzt er mit einem Augenzwinkern. Aber auch das scheint für Bernd Markert und Simone Wünschmann nicht völlig unmöglich.


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