E233 Ausbau ab 2019? Minister Olaf Lies besucht Spedition Boll in Meppen

Gute Stimmung: In vielen Punkten waren die Ansichten von Minister Olaf Lies (links) und Unternehmer Ulrich Boll ähnlich. Foto: Markus PöhlkingGute Stimmung: In vielen Punkten waren die Ansichten von Minister Olaf Lies (links) und Unternehmer Ulrich Boll ähnlich. Foto: Markus Pöhlking

Meppen. Niedersachsens Minister für Wirtschaft und Verkehr Olaf Lies hat am Nachmittag das Logistikunternehmen Boll in Meppen besucht. Während Lies den Ausbau der E233 als Prioritätsprojekt benannte und einen Hafenverbund anregte, überraschte der Unternehmer mit dem Wunsch nach mehr Feiertagen.

Hausherr und Geschäftsführer Ulrich Boll stellte dem Minister zunächst Unternehmen und Standort vor: Als Heimat mehrerer Logistiker verzeichne Meppen einen Bedarf an ungefähr 1000 Lkw-Fahrern - ein beträchtlicher Posten im regionalen Arbeitsmarkt. Die Gewinnung von Fachkräften sei für die Branche eine zunehmende Herausforderung. Um Mitarbeiter zu gewinnen, müssten mehr denn je die Arbeitsbedingungen stimmen, erklärte Boll bei der Führung durch den Betrieb.

Dass der Branche ein problematisches Image anhafte, war Thema in der anschließenden Gesprächsrunde mit dem Minister: Dumpinglöhne in Teilen der Paketzustellung brächten auch seriöse Unternehmen in Misskredit. Online-Händler befeuerten mit ihrer Versandpraxis das Bild einer Dienstleistung, die keinen Wert habe, kritisierte Lies. In Zeiten der Verlagerung des Konsums von Innenstädten in Internetshops sei Logistik in seinen Augen ein Schlüsselsektor, ganz besonders auf Landesebene: „Niedersachsen ist das logistische Herz Europas“, sagte er angesichts sich hier kreuzender Transportachsen sowie den vorhandenen Schnittstellen zwischen Wasser, Schiene und Straße.

Föderalismus ein Problem

Lies deutete an, dass dem Standort Niedersachsen in südeuropäischen Küstenregionen mit vergleichbaren Voraussetzungen Konkurrenz erwachsen könne. Boll kritisierte den Föderalismus in Deutschland als Problem, die Region langfristig wettbewerbsfähig zu halten. Besonders das Festhalten an Hamburg als wichtigstem Seehafen sei aus seiner Sicht ein Fehler. Lies brachte die Schaffung eines Verbundes der großen deutscher Nordseehäfen ins Spiel. Im Sinne einer vernetzten Logistik ließen sich Waren damit flexibler und effizienter umschlagen. „Das ist allerdings wohl sehr weit in die Zukunft gedacht“, bekannte er.

Auch in anderem Zusammenhang kritisierte Boll das föderale System - und sorgte damit bei Lies für Überraschung: „Ich habe nichts gegen die Schaffung weiterer Feiertage. Von mir aus können wir uns gern Bayern anpassen“, bekannte der Unternehmer. Wichtig sei eine einheitliche Regelung bundesweit, die aktuelle Praxis sorge regelmäßig für Chaos in seiner Branche.

Ausbau der E233 hat Priorität

Den Ausbau der E233 werteten sowohl Boll als auch Lies als Projekt mit hoher Priorität. Der Minister zeigte sich verhalten optimistisch, dass ab 2019 Baumaßnahmen beginnen können. „Es wird sicher noch Klagen geben. Wir haben aber sehr sorgfältig geplant“, versicherte er. Für den Sommer 2017 sei mit der Einleitung der entsprechenden Planfeststellungsverfahren zu rechnen. Ein anderes Projekt, bei dem sich beide Seiten einig waren: Das Potenzial der als „Giga-Liner“ bekannten Lang - LKW. „Aus ökologischer und ökonomischer Sicht wäre ihr Einsatz sinnvoll“, sagte Lies.


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