Effizienter und transparenter Leitstelle Emsland führt neues Informationssystem für Notfälle ein

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Präsentieren das neue Notfallsystem: Marc-André Burgdorf, Wolfgang Hagemann und Stefanie Geiger. Foto: Markus PöhlkingPräsentieren das neue Notfallsystem: Marc-André Burgdorf, Wolfgang Hagemann und Stefanie Geiger. Foto: Markus Pöhlking

Meppen. Der Leitstellenverbund des Landkreises Emsland und der Grafschaft Bentheim testet aktuell ein neues Informationssystem. Es soll besonders die Kommunikation zwischen Rettungsdienst und Notaufnahmen erleichtern. Zudem soll mehr Transparenz über verfügbare Bettenplätze geschaffen werden.

Seit letztem Oktober beteiligt sich der Leitstellenverbund Emsland/Grafschaft Bentheim am Pilotprojekt zur Implementierung des sogenannten „Interdisziplinären Versorgungsnachweise.“ (IVENA). In Hessen bereits flächendeckend angewandt, befindet sich das System derzeit in fünf Regionen Niedersachsens im Einsatz. Bewährt es sich, ist eine landesweite Einführung angedacht. Vertreter beider Landkreise sowie der Leitstelle zeigten sich bei der offiziellen Vorstellung überzeugt vom Potenzial: „Es ist ein ganz großer Schritt nach vorne“, sagte Stefanie Geiger, zuständige Fachbereichsleiterin in der Grafschaft. Zeitverzögerungen während der Behandlung von Notfallpatienten können auf diesem Weg verringert werden. „Die Teams auf den Rettungswagen erhalten damit eine echte Entscheidungshilfe“, beschrieb Dezernent Marc-André Burgdorf vom Landkreis Emsland den Nutzen von IVENA.

Schnittstellenfunktion

Details zur Funktion erläuterte Wolfgang Hagemann, der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes beider Kreise. Durch die Vernetzung von Leitstelle, Rettungskräften und Krankenhäusern besetzt IVENA gleich mehrere Schnittstellen in der Notfallkommunikation. Dadurch wird etwa die Zuweisungspraxis erleichtert. Per Computerabfrage können Notärzte oder Rettungsassistenten die Behandlungskapazitäten umliegender Krankenhäuser notfallspezifisch abfragen. „Ist zu erwarten, dass bei der Behandlung eines Notfalles ein Herzkathederlabor benötigt wird, kann dessen Verfügbarkeit am Bildschirm geprüft werden“, erläutert Hagemann. Gebe Krankenhaus A an, etwa wegen Wartungsarbeiten keine Kapazitäten zu haben, würde automatisch Krankenhaus B angesteuert. Bislang habe man solche Fragen zeitraubend per Telefon klären müssen. (Weiterlesen: Emsland startet Projekt „Mobile Retter“)

Nach der Identifikation des Zielkrankenhauses können dem dortigen Personal relevante Daten zur Behandlung bereits aus dem Rettungswagen heraus übermittelt werden. Dadurch können sich die Teams der Notaufnahmen besser auf den eintreffenden Patienten vorbereiten - und so wertvolle Zeit gewinnen. Zudem wird von den Rettungskräften über das System eine Behandlungsdringlichkeit definiert. Die Priorität zeitkritischer Notfälle wird dadurch stärker gewährleistet.

Unbegründete Abweisungen erschwert

„Aus rettungsmedizinischer Sicht ist das System eine echte Verbesserung“, lautet Hagemanns Urteil. Nach seiner Einschätzung profitieren auch die Krankenhäuser von IVENA. Im Landkreis Emsland gibt es derzeit sechs Krankenhäuser mit Notfallversorgung, in der Grafschaft eins. Alle sieben nehmen an IVENA tei. Da eingegebene Kapazitäten für jeweils alle beteiligen Krankenhäuser, die Leitstelle sowie die zuständigen Stellen beim Landkreis sind, werde zunächst „mehr Transparenz“ gewährleistet. Die Ablehnung von Patienten unter vorgeschobenen Gründen werde damit deutlich erschwert. „Dann entstünde zwischen den beteiligten Partnern zumindest Gesprächsbedarf“, erklärt Hagemann. Zugleich könne ein eingeschränktes Versorgungspotenzial aber frühzeitig erkannt, eine Überlastungssituation vermieden werden. „Im Zweifelsfall würde dann die Leitstelle als zentrales Steuerorgan umdisponieren.“

Aller Technik zum Trotz, das macht Hagemann klar, bleibe menschliches Ermessen im Notfall die letzte Entscheidungsinstanz: Hielten im spezifischen Notfall die Rettungskräfte die Vorschläge von IVENA für nicht zielführend, könnten sie jederzeit unabhängig davon handeln.


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