Bau auf ehemaligen Militärareal Meppenerin plant Studentenwohnheim in Heidelberg mit


Meppen. Gemeinsam wohnen, gemeinsam studieren. Studentenwohnheime gibt es viele. Das vom Collegium Academicum (CA) in Heidelberg geplante und von der Meppenerin Margarete Over mit vorangetriebene wird zu ihnen gehören. Es ist allerdings weit mehr als ein gewöhnliches seiner Art.

Die Pläne Overs und der anderen 14 Mitglieder der Projektgruppe sind ehrgeizig. „Wenn alles gut geht, können wir in der zweiten Jahreshälfte 2017 mit den Bauarbeiten beginnen“, so die Meppenerin, die in der Kreisstadt 2011 ihr Abitur am Gymnasium Marianum machte und mittlerweile im dritten Mastersemester Psychologie an der Uni in Heidelberg studiert. Seit drei Jahren engagiert sie sich dort für CA.

Drei Grundpfeiler

Das Konzept basiert auf drei Grundpfeilern: Wohnen, Bildung, Nachhaltigkeit. Man wolle auf den ehemals militärisch genutzten Flächen einen Ort schaffen, der kein normales Wohnheim ist und der auch nicht auf ein Wohnheim reduziert wird. Geplant ist vielmehr, einen Neubau mit eben dem bestehenden Altbau als Komplex zu verbinden. Bestandsgebäude in den Komplex zu integrieren und so ein Wohnheim entstehen zu lassen, das voraussichtlich ab 2019 annähernd 200 Studenten und Doktoranden ein Dach über dem Kopf bietet.

Aktuell ist das Vorhaben noch in der Planungs- und Finanzierungsphase. Die Finanzierung stützt sich im Wesentlichen auf vier Säulen: Fördermittel, Direktkredite, Spenden/Sponsoring und Bankkredite. Das Konzept geht, so Over, auf das Modell des Mietshäuser-Syndikats zurück, eines Dachverbands von selbst verwalteten Wohnprojekten. Auf diese Weise konnten sich deutschlandweit schon mehr als 100 Wohnprojekte realisieren lassen.

Fördermittel in Aussicht

Vom Bund wurden dem CA bereits Fördermittel in der Höhe von zwei MillionenEuro in Aussicht gestellt. „Um sie im laufenden und kommenden Jahr abrufen zu können, sind wir jedoch auf weitere Unterstützung angewiesen.“ Etwa 200000 Euro hat CA in den vergangenen zwei Monaten bereits an Direktkrediten und Spenden erhalten. Damit können im nächsten Schritt die Fachplanungsleistungen in Auftrag gegeben werden. Mittelfristiges Ziel aber ist es, insgesamt knapp zwei Millionen Euro an Spenden, Direktkrediten und Sponsoring einzuwerben.

Selbst verwaltet

Der Projektgruppe gehören Studierende und Doktoranden verschiedener Fachrichtungen sowie ein paar junge Berufstätige an. Ihr Engagement ist ehrenamtlich. Von ihrem Konzept für das selbst verwaltete Studierendenwohnheim in Heidelberg sind Over und die anderen fest überzeugt. „Das neu entstehende Collegium Academicum vereint interdisziplinäre Bildungsinstitution, selbst verwaltetes Studierendenwohnheim und kulturellen Treffpunkt unter einem Dach. Wir möchten einen Ort schaffen, der jungen Menschen Orientierung gibt und zu ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung und Entfaltung beiträgt. Es soll ein studentischer Freiraum entstehen, der dazu einlädt, sich auszuprobieren und gemeinsam Projekte umzusetzen.“

Altbau und innovativer Holzneubau

Dazu soll auf der Fläche des ehemaligen „US-Hospitals“ in Heidelberg-Rohrbach in einer Kombination aus innovativem Holzneubau und der Umnutzung eben jenes Altbaus Raum für gemeinschaftliches studentisches Wohnen und Lernen für etwa 200 junge Menschen entstehen. Das ganzheitliche Konzept überzeugte auch die Internationale Bauausstellung Heidelberg (IBA), die das Collegium Academicum 2015 zum IBA-Projekt unter dem Motto „Wissen schafft Stadt“ kürte. Seither berät und unterstützt die IBA das Projekt intensiv.

Das Bildungskonzept umfasst ein Studium Generale, in dem fachübergreifendes Denken und Arbeiten geschult werden, ein Tutorenprogramm (erfahrene Studierende greifen jüngeren unter die Arme) und projektbasiertes Lernen in der praktischen Umsetzung von Zielen und Ideen. Das CA biete damit Raum zur beruflichen Orientierung und persönlichen Entwicklung. Ein großer Veranstaltungsraum soll zudem für kulturelle Events zur Verfügung stehen, und es soll ein Café als sozialen Treffpunkt geben. Damit will CA auch das neu entstehende Quartier bereichern. Es versteht sich, das betont die Meppenerin „explizit als Angebot an die Nachbarschaft und die Stadt Heidelberg“.

Verantwortung übernehmen

Die Selbstverwaltungsstruktur ermögliche es, dass die Bewohnerinnen und Bewohner selbst ihr Miteinander gestalten und Verantwortung übernehmen. Das findet die Meppenerin ebenso wichtig wie unter anderem den Nachhaltigkeitsaspekt, der eine gewichtige Rolle im Gesamtkonzept spielt: Die Neubaukonstruktion besteht fast ausschließlich aus Holz und anderen nachwachsenden Rohstoffen. Die Planungen streben darüber hinaus die Standards eines Energieeffizienzhauses an. „Trotz sehr großzügiger Gemeinschaftsflächen halten wir den Flächenverbrauch pro Kopf gering durch ein äußerst kreatives Wohnkonzept: Innerhalb der 3er-und 4er-WGs sind die Wände teilweise verstellbar, sodass ein flexibles Wechselspiel aus Gemeinschafts- und Individualfläche möglich wird.“ Die Zielmiete soll unter 300 Euro pro Zimmer liegen.


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