Mit Trecker zur Demo nach Berlin Junge Landwirte aus dem Emsland werben für Dialogbereitschaft

Von Matthias Engelken


Meppen. Mit ihrem Trecker auf den Weg gemacht haben sich am Donnerstag drei junge Emsländer. Gemeinsam mit vier Berufskollegen aus dem Rheinland fahren die Landwirte nach Berlin. Das Ziel: Die Teilnahme an der Kundgebung des „Wir machen euch satt“-Bündnisses am Samstag anlässlich der am Freitag startenden Grünen Woche.

Katja Keis und Jaqueline Disselborg sind besorgt. Derzeit erlernen die beiden 17- und 18-jährigen Frauen aus Meppen und Geeste-Dalum den Beruf der Landwirtin. Beide sehen ihre Zukunft im Agrarbereich. Doch die ist gefährdet. Negative politische Einflüsse und ebenso die fehlende breite Akzeptanz in der Bevölkerung für die Landwirtschaft mit ihrer Entwicklung in den vergangenen Jahren schlagen ihnen aufs Gemüt.

Dabei sind beide von ihrem Tun überzeugt. „Ob in Sachen Ackerpflege oder Tierwohl, wir lernen die neuesten Standards und Möglichkeiten kennen“, sagt Disselborg. Schweinehalter Matthias Jansen, der auch an der Fahrt teilnimmt, ergänzt: „Wir Landwirte haben leider in den vergangenen Jahren verpasst, die Verbraucher in unsere Entwicklung einzubeziehen. Unsere Höfe sind zwar gewachsen, aber immer noch familiengeführt.“ Das möchte er auch zeigen. Und den Dialog zu Kritikern suchen. Deshalb reist auch er mit seinem Traktor nach Berlin.

Werben für vorurteilsfreie Betrachtung

„Dialog statt Protest“ lautet dort am Samstag das Motto des landes- und bundesweiten Aktionstags des „Wir machen Euch satt“-Bündnisses. Zum dritten Mal werden Landwirte gemeinsam mit Familien, Auszubildenden und Mitarbeitern für eine vorteilsfreie Betrachtung einstehen.

(Weiterlesen: Bauern kommen verhalten optimistisch zur Grünen Woche)

Organisiert wird der Aktionstag von den Machern der Facebook-Initiative „Frag doch mal den Landwirt“, wo Verbraucher sich direkt mit ihren Fragen an Landwirte wenden können. Mitinitiator ist Landwirt und Agrarblogger Bernhard Barkmann aus Messingen. Der ist begeistert vom Aktionismus seiner jungen Berufskollegen. „Eigentlich war geplant, nur an den Kundgebungen in Cloppenburg oder Hannover teilzunehmen, doch unsere Bauern haben gesagt: Dann gleich direkt nach Berlin.“

Auch Politik im Blick

Zusammen mit weiteren Landwirten, aber auch mit Leuten aus dem nach- und vorgelagerten Agrarbereich, reist Barkmann unterdessen mit einem Bus nach Berlin. „Die Unterstützung aus dem Emsland ist enorm“, meint er. Verlassen kann der Landwirt sich dabei auch auf das Landvolk Emsland. Dessen Präsident Hermann Wester ist überzeugt von der Aktion. „Es ist eine gute Möglichkeit, auf uns aufmerksam zu machen.“ (Weiterlesen: Grüne Woche wird eröffnet – Bund stellt Tierwohlsiegel vor)

Dabei hat er aber nicht nur die Verbraucher im Blick, sondern ebenso die Politik. „Gerade vonseiten der Politik würde ich mir mehr Dialogbereitschaft wünschen, etwa in Bezug auf Gesetzgebung“, sagt Wester. Als Beispiel nennt er den Ausstieg aus der Sauenhaltung in Kastenständen im Deckzentrum. Nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts Magdeburg ist die bisherige Haltungspraxis von Sauen nicht mit dem Tierschutz vereinbar.

Kaum Alternativen

Nun drängt Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) auf ein zügiges Verbot, doch Sauenhalter sehen kaum Alternativen. „Wir haben das Magdeburger Urteil zur Kastenhaltung wahrgenommen und wollen dementsprechend handeln, allerdings sorgt ein kurzfristiges Verbot für viele weitere Betriebsschließungen“, ist Wester besorgt. Grund sei unter anderem der hohe Investitionsaufwand, der betrieben werden müsste.

Deshalb fordert der Harener auch vom Landwirtschaftsminister mehr Dialogbereitschaft. „Immerhin gehören wir der EU an und nicht nur dem Land Niedersachsen“, weist der Landwirt auch auf anderslautende Gesetzgebungen der Mitbewerber in den weiteren EU-Ländern hin.

Für Wester ist die Treckerfahrt der Emsländer nach Berlin deshalb auch ein Fingerzeig nach Hannover. Unterstützt werden die Emsländer übrigens von Rheinländern. Die hatten sich bereits am Mittwoch auf den Weg gemacht, um ihre Kollegen aus Meppen abzuholen. Über den Zwischenstopp Braunschweig geht es nun zur Demo am Samstag. Zurück geht es übrigens komfortabler. Der Speller Landmaschinenhersteller Krone lässt die Fahrzeuge auf Transporter laden, bringt sie gen Heimat und zeigt so auch seine Unterstützung.


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