Vortrag in der JVA Meppen Auschwitzüberlebende Erna de Vries berichtet

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Das Ethikkomitee der Justizvollzugsanstalt Meppen hat die Auschwitzüberlebende Erna de Vries für einen Vortrag eingeladen. Foto: Pressestelle JVADas Ethikkomitee der Justizvollzugsanstalt Meppen hat die Auschwitzüberlebende Erna de Vries für einen Vortrag eingeladen. Foto: Pressestelle JVA

Meppen. Das Ethikkomitee der Justizvollzugsanstalt Meppen hat die Auschwitzüberlebende Erna de Vries für einen Vortrag eingeladen.

Seit dem Jahr 2014 hat sich ein Ethikkomitee in der JVA Meppen fest etabliert. Zielsetzung dieser Gruppe ist es einer Pressemitteilung zufolge, sogenannte „schlechte Gefühle“ bei Handlungen zu reflektieren. Nicht alles ist durch Gesetze oder Verordnungen regelbar, wenn es um die Arbeit mit Menschen geht.

Der Vorläufer der JVA Meppen war 1937/1938 als eines der 15 „Emslandlager“ im Ortsteil Versen, nahe der holländischen Grenze für 1500 Häftlinge errichtet worden. Nach dem Krieg wurde das Lager Meppen-Versen der JVA Lingen I als Außenabteilung unterstellt. 1982 wurde die JVA Meppen selbstständig.

Da somit auch die JVA Meppen, besser gesagt das „Lager IX Versen“ bereits zur Zeit des Nationalsozialismus errichtet war, kam das Ethikkomitee auf die Idee, eine der wenigen Zeitzeugen der Verfolgung der Juden für einen Vortrag einzuladen. Erna de Vries nahm diese Einladung gerne an.

Mehr als 100 Bedienstete der Justizvollzugsanstalten Meppen, Lingen und der JVA für Frauen in Vechta saßen in der Mehrzweckhalle der JVA Meppen und lauschten der Geschichte von Erna de Vries. Sie hörten die Geschichte ihrer Jugend, von den Beleidigungen in der Schule und der Vernichtung der elterlichen Wohnung in Kaiserslautern durch die Nationalsozialisten. Erna de Vries berichtete auch von ihrer Deportierung in das Konzentrationslager Auschwitz und wie sie 1943 in letzter Minute, sie war bereits im Todesblock 25, ihrer Hinrichtung entkam, weil sie als „jüdischer Mischling ersten Grades“ in das Konzentrationslager Ravensbrück gebracht wurde.

Sie schaffte es noch, sich von ihrer Mutter zu verabschieden und versprach ihr dabei, alles zu erzählen , was mit den Juden passierte. Nach der Schließung des Konzentrationslagers mussten sich die Insassinnen auf den Todesmarsch nach Mecklenburg begeben. Nach großer Strapaze wurden sie hierbei von den Alliierten befreit.

Den zuhörenden Bediensteten war die Betroffenheit anzumerken, als Erna de Vries ihren Vortrag beendet hatte. Es wurden noch viele Fragen gestellt, die Frau de Vries bereitwillig beantwortete.


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