Unser Adventskalender - 17. Türchen Hoch über dem Emsland - auf einer Windkraftanlage in Lähden

Von Markus Pöhlking


Herzlake. Wer im Emsland atemberaubende Ausblicke genießen will, hat es nicht ganz leicht. Mit der siebzehnten Tür unseres Adventskalenders steigen wir hoch hinauf auf ein Windrad - und zeigen die Welt aus einer atemberaubenden Perspektive.

Wenn man die 138 Meter, die zwischen der Erdoberfläche und der kleinen Plattform an der Spitze des Turmes liegen, hinter sich hat, offenbart sich tatsächlich eine eindrucksvolle Perspektive: Über Höfe und Ortschaften hinweg reicht der Blick weit ins Land: „Bei klarem Wetter reicht der Blick von hier zum Kraftwerk in Ibbenbüren und weiter“, sagt Josef Hellweg, auf dessen Grund sich das Windrad befindet. Hellweg ist Betreiber des Öko-Strom-Bürgerwindparks Lähden , in dem sich insgesamt neun Windräder unterschiedlicher Bauweisen und Generationen finden.

Ältere Windräder sehen wie Zwerge aus

Auch die verschiedenen Entwicklungsstufen der Windkraftanlagen übrigens sind von oben gut erkennbar: Immer höher gewachsen sind die Konstruktionen im Laufe der Jahre. Die 138 Meter-Anlage in Hellwegs Windpark stammt aus dem Jahr 2013 und ist die modernste dort stehende Ausführung. Ältere Modelle etwa aus den Jahren 1995 und 1999 sind um ein Beträchtliches kleiner - von der Spitze der 2013er-Anlage aus erscheinen sie fast wie Zwerge. Die Größe korreliert auch mit der Leistung: Während der Windkraftveteran aus dem Jahr 1995 eine Tagesleistung von etwa 500 Kilowattstunden erzeugen kann, schafft das drei Jahre alte Modell bis zu 2300 Kilowattstunden. (Weiterlesen: Haren und Emmen forcieren Energiewende)

Im Fahrstuhl nach oben

Während man die Spitze der älteren Anlagen per Leiter erklimmen musste, bieten die neueren Ausführungen einen Fahrstuhl. Dafür bietet das Inneren der auf einem Durchmesser von 18 Metern errichteten und nach oben sich verjüngenden Säule schließlich genügend Platz. Langsam erklimmt der wackelige und ziemlich enge Lift Meter um Meter und offenbart einen Blick in die Bauweise der Anlage: Massive Betonringe folgen aufeinander. Deren Stabilität allerdings gewährleisten dünne Stahlbündel: Dreißig davon ziehen sich durch den Beton und werden im Fundament der Anlage zusammengeführt und dort auf Zug gebracht. Insgesamt üben sie einen Druck von 4000 Tonnen aus, der die ganze Konstruktion zusammenhält.

Fast wie Fliege

Betreiber Hellweg schätzt, dass die Summe aller Bauteile ein Gesamtgewicht von 3000 Tonnen ergibt. Schiebt man sich, mit einem Klettergurt gesichert, durch die enge Luke an der Spitze der Anlage, wird so viel Masse fast unvorstellbar: Von der schlanken Konstruktion da oben wirkt die Welt da unten ziemlich weit entfernt - es ist fast, als flöge man.