Landkreis startet Ausweisung Naturschutz für 2100 Hektar an der Hase

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Meppen. Der Umweltausschuss des Landkreises Emsland hat die großräumige Ausweisung des Hasetals als Naturschutz- beziehungsweise Landschaftsschutzgebiet gestartet.

Hintergrund ist die Umsetzung der sogenannten FFH-Richtlinie der EU, nach der das genau 2093 Hektar umfassende Gebiet ohnehin bereits geschützt ist. Die Europäische Union gibt vor, dass sämtliche FFH-Gebiete und auch EU-Vogelschutzgebiete nach nationalem Recht geschützt werden müssen – es muss also in jedem Land eine nach dortigem Recht geltende Schutzgebietsverordnung erlassen werden, die inhaltlich dem höher gestellten EU-Recht entspricht.

Rund 12.500 Hektar FFH- und Vogelschutzgebiete hat der Landkreis bereits nach nationalem Recht geschützt, darunter im vergangenen Jahr mit dem 7200 Hektar umfassenden Emstal den Löwenanteil. Nicht immer lief das ohne Proteste, gerade die Verordnungen zur Ems hatten bei Landwirten und Jägern zu teilweiser Ablehnung geführt.

Nun also ist das Hasetal an der Reihe und wie schon zuvor will der Landkreis Emsland vor allem auf die Landwirte zugehen und einen Teil der Flächen als Landschaftsschutzgebiet (LSG) statt als Naturschutzgebiet (NSG) ausweisen. Inhaltlich macht das keinen Unterschied, allerdings können Landwirte, denen im LSG Bewirtschaftungsvorgaben gemacht werden, im Gegensatz zum NSG keinen Erschwernisausgleich dafür erhalten.

Kein Erschwernisausgleich

Als Naturschutzgebiet sollen jene Gebiete ausgewiesen werden, die wie die Haselünner Kuhweide diesen Status auch heute schon besitzen, dazu die kreiseigenen Flächen im Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben Hasetal und einige besonders geschützte Biotope, deren Eigentümer zugestimmt haben. Der Rest des FFH-Gebietes soll als Landschaftsschutzgebiet geschützt werden – und dies wie Kreisdezernent Dirk Kopmeyer und der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, Ludger Pott hervorhoben „ohne Absenkung des Schutzniveaus.“

Enthalten sind Bestimmungen zum Grünlandumbruch, zum Kahlschlag im Wald oder zum Neubau von Straßen und Wegen. Praktisch alle Vorgaben seien schon heute entweder über die FFH-Richtlinie oder durch Runderlasse der Landesregierung gegeben, sagte Kopmeyer. Etwas ausführlicher gingen er und Ludger Pott auf die Fallenjagd am Ufer ein, die erst 25 Meter vom Gewässer entfernt oder mit speziellen Nutriafallen erlaubt ist, um so Biber und Fischotter zu schützen.

Plan wird ausgelegt

Es folgen nun öffentliche Auslegung der Verordnung, Gespräche mit den Kommunen und sonstigen Betroffenen und als Ziel die Beschlussfassung im Juni 2017.

Heinz-Joachim Schmitz (CDU) stimmte im Namen seiner Fraktion zu. Die begonnene Arbeit werde nun fortgesetzt. Das man ein Landschaftsschutzgebiet ausweise trage der Sorge vor allem der Landwirte Rechnung, dass das Naturschutzrecht einst verschärft werden könne und so für neue Probleme sorge. Mit einem LSG behalte man vor Ort einen Gestaltungsspielraum.

Klaus Fleer (SPD) und Carsten Keetz (Grüne) dankten der Verwaltung für die Ausarbeitung der Verordnungen. Beiden wäre es aber lieber gewesen, wenn ausschließlich Naturschutzgebiete ausgewiesen worden wären.

AfD stimmt dagegen

Der Ausschuss tagte erstmals seit der Kommunalwahl in neuer Besetzung, so dass mit Hartmut Krüger auch ein AfD-Vertreter mitentschied. Er beklagte, das Schutzgebiet werde unter dem Diktat der EU ausgewiesen, Jäger und Landbesitzer würden in ihren Eigentumsrechten eingeschränkt, der Entwurf sei offensichtlich nicht ausgereift und solle ausdrücklich dem „Schädling Biber“ helfen und dem Fischotter , den es an der Hase gar nicht gebe. Die AfD stimme deshalb nachdrücklich gegen die Verordnung.

Das tat auch Hermann Meyer (UWG) bei zehn Ja-Stimmen der CDU und fünf Enthaltungen von SPD, Grünen und FDP. Die Verordnung wird nun Anfang Januar öffentlich ausgelegt.

Schutz für Heideweiher

Gleichzeitig hat der Ausschuss mit diesem Votum die Ausweisung des FFH-Gebietes „Berger Keienvenn“ nach nationalem Naturschutzrecht gestartet. Der kleine Heideweiher im Gebiet der Gemeinde Emsbüren gehört dem Landkreis Emsland und der Gemeinde und steht schon seit 1939 unter Naturschutz. Allerdings entspricht die alte Verordnung nicht mehr den Anforderungen der heutigen FFH-Richtlinie und muss angepasst werden. Das Gebiet beherbergt einige der seltensten Pflanzen Niedersachsens, etwa das Froschkraut, vor allem aber einen großen Bestand des Sumpf-Johanniskrautes. Beide Arten stehen als Vertreter der nährstoffarmen Binnengewässer auf Sandboden ganz oben auf der Roten Liste.

Das Berger Keienvenn ist einer der letzten Heideweiher im Emsland. Einst hatte es mehr als 300 dieser Gewässer in der offenen Heidelandschaft gegeben.


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