27 Quadratmeter Appartements Sicherungsverwahrung in Meppen schützt Bevölkerung


Meppen. In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Meppen-Versen werden ab 2018 zehn Männer inhaftiert, die dort ihre Sicherungsverwahrung abbüßen. Die Mehrfachtäter haben ihre eigentliche Strafe komplett abgesessen. Ein Gericht hält sie jedoch für so gefährlich, dass es gegen die Männer eine „unbefristete Haft“ verhängt.

JVA-Leiter Per Zeller stellte jetzt in einem Informationsgespräch dem Meppener Stadtrat vor Ort weitere Details vor. Dabei lautete sein oberstes Credo: „Wir behalten die Männer in Haft, um die Bevölkerung zu schützen.“ Er führte aus, dass es bislang in Niedersachsen nur in der JVA Rosdorf eine Sicherungsverwahrung gibt. Nach Einschätzung des Niedersächsischen Justizministeriums sei diese mit ihren 45 Plätzen spätestens 2018 „nahezu ausgeschöpft“. Nach dem Standort im Osten des Bundeslandes soll deshalb Meppen als zweiter Standort im Westen aufgebaut werden.

In Meppen selbst sei gerade ein neuer Gefängnistrakt für die Sozialtherapie entstanden, der noch in diesem Monat bezogen werde.

Zwei Millionen Euro Baukosten

Auf dem damit frei gewordenen Areal soll für knapp zwei Millionen Euro im kommenden Jahr der alte Sozialtherapietrakt für die neuen zehn Gefängniszellen umgebaut und ein Neubau für die Verwaltung realisiert werden.

Alles werde barrierefrei und behindertengerecht gebaut. „Wir werden bis zu zehn ältere und teils auch motorisch eingeschränkte Männer bei uns in Sicherungsverwahrung nehmen“, sagte der leitende Regierungsdirektor. Jeder Mann erhalte eine Einzelzelle mit Sanitärraum in einer Größe von 27 Quadratmetern. Eine Zelle sei sogar rollstuhlgerecht. Dabei würde in enger Abstimmung mit den Kollegen in Rosdorf der Personenkreis ausgesucht.

Hoher Zaun

Der neue Gebäudetrakt werde nach seinen Angaben von den anderen JVA-Abteilungen durch einen hohen Zaun getrennt. Zeller geht davon aus, dass „etwa 15 zusätzliche Mitarbeiter“ sich mit dem „Schwerpunkt Betreuung“ der Sicherungsverwahrten annehmen werden. Bislang sind in der JVA bereits 231 Beschäftigte tätig.

Grundsätzlich könnten sich die zehn Inhaftierten innerhalb ihres Gebäudetraktes wie in einer Wohngruppe frei bewegen.Dabei erhielte diese Abteilung einen eigenen Garten. So würden die Männer nur nachts eingeschlossen. Dabei heißt der Fachbegriff in der Sicherungsverwahrung nicht „Zelle“, sondern „Appartement“. „Bei Problemen müssen sie dort aber auch tagsüber bleiben“, so Zeller.

Während die bisherigen 384 Häftlinge auch per Gesetz zur Arbeit verpflichtet sind, dürfen die zehn Inhaftierten der Sicherungsverwahrung nicht zur Arbeit gezwungen werden, da sie ihre eigentlichen Haftstrafen bereits abgesessen haben. Auf eigenen Wunsch könnten sie jedoch arbeiten.

Eigene Laptops

Aber auch ansonsten genießen sie Vergünstigungen. So dürfen sie einen Fernseher aber auch Laptop benutzen. Sie können sich auf Wunsch selbst verpflegen und erhalten zudem ein Taschengeld von rund 100 Euro im Monat. Einmal im Monat haben auch diese Inhaftierten den Anspruch darauf, die Anstalt zu verlassen. Die Besuche, z.B. von Cafés aber auch Familienangehörigen dauerten maximal vier Stunden. Dabei würden sie mindestens von zwei Beamten begleitet und auch gefesselt. „Die Fesseln sieht man aber nicht sofort“, so Zeller. Sie würden vom Handgelenk unter der Kleidung bis zum Bein angebracht, um die Mobilität entscheidend einzuschränken.

Geringe Erfolgsaussichten

Zeller sagte dem Meppener Stadtrat auch: „Viele haben bereits Jahrzehnte Gefängnis hinter sich. Die Erfolgsaussichten auf eine Entlassung sind leider oft gering.“ Gleichwohl könnten sie sich ergeben, wenn die Männer zum Beispiel zum Pflegefall würden. Einige würden aber sicherlich in Haft letztendlich sterben. „Die Gefährlichkeit wird von Gerichten fortlaufend überprüft“, ergänzte der Anstaltsleiter. Und nur das Gericht könne über eine Entlassung entscheiden.

Zeller und seine Kollegen sind zudem durchaus stolz auf die Sicherheit der JVA Meppen-Versen. Den letzten Ausbruch habe es vor rund zehn Jahren geben. Die beiden Männer wurden jedoch wenig später in einem benachbarten Maisfeld wieder festgenommen.


1 Kommentar