Konzertreihe „Bach in Meppen 2017“ Vitalität und plastische Tonsprache


Meppen. 40 Konzerte soll die Reihe „Bach in Meppen 2017“ insgesamt enthalten. Das letzte findet im Februar 2018 statt.

Sämtliche Orgelwerke Johann Sebastian Bachs werden zu Gehör gebracht, darunter der umfangreiche dritte Teil der sogenannten „Clavier-Übung“ und als Sonderkonzerte die Teile 4 – 6 des Weihnachtsoratoriums und die Matthäuspassion. Alle Orgelwerke werden von ein und demselben Organisten interpretiert, Balthasar Baumgartner . Da hat er sich etwas vorgenommen, der Meppener Regionalkantor. Aber wenn es einer kann, dann der gebürtige Bayer.

Meister seines Instruments

Wohin die Reise qualitativ geht, zeigt das Eröffnungskonzert eindrucksvoll. Baumgartner ist ein Meister seines Instruments. Bei ihm wird Bach großgeschrieben. Mit der „Fantasie und Fuge in g-Moll“ wählt er zur Einleitung eines der erstaunlichsten Werke der Orgelliteratur überhaupt. Mit bedingungsloser Leidenschaftlichkeit erklingt die imposant-eruptive Einleitung der Fantasie energiegeladen und kraftvoll. Die letzten Takte der groß angelegten vierstimmigen Fuge mit abschließend gewaltig ausgreifendem Pedaleinsatz des Themas schließt Baumgartner brillant ab. Da vereinen sich höchste Spieltechnik, kraftvolle Vitalität sowie plastische Tonsprache zu einem überaus gelungenen Ganzen.

Cantus firmus

Bevor nach einigen Choralvorspielen und dem von der Sopranistin Christina Hilbers wunderbar unaufgeregt gesungenen Cantus firmus zum titelgebenden „Nun komm, der Heiden Heiland“ die gleichnamige Kantate erklingt, zeigt Baumgartner stolz den zahlreich erschienenen Zuhörern in der Choralbearbeitung „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ das neu eingebaute Register der Trompete 8‘. Schwebend über den wellenartig sich bewegenden Achtel-und Sechszehntelnoten im wiederum glänzend interpretierten Werk erhebt sich die Melodie und erfüllt den Raum. Zweifellos eine Bereicherung der Hillebrand-Orgel.

Kleinere Intonationstrübungen

Die abschließende Kantate kommt angenehm kammermusikalisch daher. Kleinere Intonationstrübungen in den Streichern am Anfang schmälern nicht den insgesamt guten Eindruck. Der Chor des Städtischen Musikvereins bewältigt souverän seinen Part. Solobassist Peter Herwig kann in dem kurzen, aber intensiven Rezitativ zeigen, über welch stimmliche Fähigkeiten er verfügt. Die bereits angesprochene Sopranistin Christina Hilbers besticht durch ihre klare und reine, über jede Affektiertheit erhabene Interpretation. Dass sie immer eine Bereicherung für jedes Konzert ist, braucht hier eigentlich nicht näher erwähnt zu werden. Eine wahre Entdeckung ist der Tenor Michael Bergmann! Intonationsrein und mit angenehm tenoraler Tonfärbung singt er seine Partie mit jener Ausdruckskraft, die nur wenigen vergönnt ist. Mit ihm scheint man ein wahres Juwel gefunden zu haben. Man merke sich den Namen!

Außergewöhnlicher Organist

Bleibt zu hoffen, dass auch die nächsten 39 Konzerte, dann zumeist mit reiner Orgelmusik, einen ähnlich großen Anklang beim Publikum finden. Denn mit Balthasar Baumgartner hat nicht nur Meppen, sondern die ganze Region einen außergewöhnlichen Organisten und Kantor gewonnen. Grund genug, alles dafür zu tun, dass dieser sich hier noch lange wohlfühlt und zu weiteren musikalischen Großtaten ausholt.


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