Handbuch vom Meppener Anwalt Adhäsionsverfahren hilft Opfern von Straftaten

Von Hermann-Josef Mammes

Das Handbuch zum Adhäsionsverfahren stellten (von links) Landgerichtspräsident Antonius Fahnemann, Amtsgerichtsdirektorin Anette Schneckenberger, Rechtsanwältin Birte Wolken-Lammers und Rechtsanwalt Reinhard Weiner vor. Foto: Hermann-Josef MammesDas Handbuch zum Adhäsionsverfahren stellten (von links) Landgerichtspräsident Antonius Fahnemann, Amtsgerichtsdirektorin Anette Schneckenberger, Rechtsanwältin Birte Wolken-Lammers und Rechtsanwalt Reinhard Weiner vor. Foto: Hermann-Josef Mammes

Meppen. Das Adhäsionsverfahren gibt es im deutschen Prozessrecht in dieser Form seit 2004. Es ist damals auch auf Druck der Opferverbände eingeführt worden. So können Opfer ihre zivilrechtlichen Ansprüche an die Straftäter bereits im Strafprozess geltend machen. Auch damit dieses Verfahren zum Vorteil der Opfer noch häufiger Anwendung findet, hat der Meppener Rechtsanwalt Prof. Dr. Bernhard Weiner ein „Handbuch zum Adhäsionsverfahren“ herausgegeben.

„Wir wollen den Opfern, gerade Opfern von Sexualstraftaten damit weitere Verfahren vor dem Zivilgericht ersparen“, so Weiner. Im Klartext: Vor dem Strafgericht wird nicht nur das Strafmaß für den Täter festgelegt, sondern auch gleich das Schmerzensgeld für das Opfer.

An der zweiten Auflage des 193 Seiten umfassenden Werkes wirkten außer Weiner auch die Direktorin des Amtsgerichtes Meppen, Anette Schneckenberger sowie Rechtsanwalt Hans Holtermann, die Staatsanwälte Norbert Wolf und Kirsten Böök sowie die Richterin am Oberlandesgericht Oldenburg Sabine Ferber mit.

Lob für das Landgericht

Weiner lobte, dass gerade vor dem Landgericht Osnabrück das Adhäsionsverfahren „unproblematisch“ sei. Dabei sei wichtig, dass der Rechtsanwalt der Nebenklage und der Strafverteidiger ihre „Hausaufgaben“ vorab erledigt hätten. So beantworte das Handbuch für die Prozessbeteiligten wichtige Fragen. Zum einen werde der Verfahrensablauf detailliert beschrieben. Der Opferanwalt erhält „auch taktische Hinweise“, Musteranträge und Argumentationshilfen an die Hand. Weiter gibt es Berechnungsbeispiele für die Nebenklage. Zudem werden die Vorgehensweisen von Staatsanwaltschaften und Gerichten offengelegt. In der zweiten Auflage erhalten aber auch die Strafverteidiger erstmals ein eigenes Kapitel.

Von Praktiker für Praktiker

Aus Sicht von Amtsgerichtsdirektorin Schneckenberger handelt es sich um „ein Handbuch von Praktikern für Praktiker der Justiz“.

Bei einem Pressegespräch mit dem Präsidenten des Landgerichts Osnabrück, Antonius Fahnemann, in Meppen, monierte Rechtsanwalt Weiner speziell aus Sicht der Opferverbände, dass das Adhäsionsrecht im Jugendstrafrecht noch nicht gilt. „Dabei würde den Jugendlichen dann die Folge ihrer Straftat sofort vor Augen geführt“, so Weiner. Der Landgerichtspräsident Fahnemann erwiderte: „Im Jugendstrafrecht stehen nicht die Sanktionen, sondern der Erziehungsgedanke im Vordergrund.“ Insofern sei es richtig, wenn erst in einem weiteren zivilrechtlichen Prozess die Schmerzensgeldfragen abgeurteilt würden.